Mehr als vier Jahre zog sich der Streit um den Roman "Esra" von Maxim Biller hin, bis das Bundesverfassungsgericht im Oktober 2007 letztinstanzlich entschied, dass das Buch nicht erscheinen darf. Eine darin dargestellte Frau fühlte sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt.
Nun soll "Der Fall Esra", in dem es um die Schilderung einer schmerzhaft scheiternden Liebesbeziehung, aber auch um die Grenzen der Kunst geht, auf die Bühne kommen. Als "Rezeptionsdrama eines Romans" und als "Polit- und Boulevardstück" kündigt die Hamburger Kampnagelfabrik eine Produktion der Regisseurin Angela Richter an, die am 2. April Premiere haben soll.
Richter, 36, spricht von einem "die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion auslotenden Stoff" und lässt sich juristisch beraten, um Rechtsverstöße zu vermeiden. Gleichwohl versteht das Produktionsteam die Arbeit auch als Protest gegen die Entscheidung der höchsten deutschen Richter. Man frage sich, warum "die tragische Romanze zwischen einem jüdischen Schriftsteller und einer türkischstämmigen Frau in Deutschland als zu real empfunden wird", sagt Kampnagel-Dramaturg András Siebold. Die Antwort sei ein Stück über "die Ehrlichkeit der Kunst, die Verlogenheit des Wirklichen und die Verwandlung von Literatur in Gossip".
Auch die Regisseurin will ihre Inszenierung als Demonstration für unumschränkte literarische Freiheit verstanden wissen. Es gebe "kein Recht auf schmeichelhafte Darstellung", so Richter: "Kunst muss alles sagen dürfen."
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