Von Stefan Pannor
Albert Uderzo zählt zu jenen drei oder vier Zeichnern, die das Bild vom frankobelgischen Comic geprägt haben wie niemand sonst. Gemeinsam mit René Goscinny kreierte er 1959 Asterix, den renitenten Gallier, und schuf damit den modernen französischen Nationalhelden. Das Ergebnis sind seitdem weit über 300 Millionen verkaufte Exemplare von etwas mehr als 30 albenlangen Geschichten, 12 Filme und eine schier unüberschaubare Flut an Begleitprodukten. Selbst im sonst eher comicfeindlichen Deutschland verkauft sich jeder neue "Asterix" vom Fleck weg millionenfach.
Freilich könnte man einwenden, Uderzo habe sich seinen Ruhm trotz Asterix bewahrt, nicht wegen ihm. Seit dem Tod seines kreativen Kompagnons Goscinny 1977 gestaltet Uderzo die Comicabenteuer im Alleingang. Kritiker attestieren der Serie seitdem einen erschreckenden kreativen Abschwung. Zuletzt fiel dem nimmermüden Zeichner, der 2007 achtzig Jahre alt wurde, nicht viel mehr ein, als seinen Helden in einem äußerst platten Anfall von französischem Kulturchauvinismus gegen Disney- und Mangafiguren antreten zu lassen, die das gallische Idyll zu stören wagten.
Erhellend ist kaum etwas
Trotzdem gilt Uderzo in Frankreich als Institution. Als solche hat er seine Autobiografie verfasst, die mit einem Jahr Verzögerung jetzt auch auf deutsch erschienen ist. Die Aufmachung des Bandes ist so schmucklos wie der Titel: "Albert Uderzo erzählt sein Leben". Das Buch ist nahezu unbebildert, was paradox ist bei jemandem wie Uderzo, der seit den vierziger Jahren konstant von der Bildproduktion lebt. Uderzo selbst begründete diese Entscheidung mit dem von Horaz, beziehungsweise Cäsar entlehnten Satz: "Wiederholungen gefallen nicht" - eine Anspielung auf die Tatsache, dass bereits vier bebilderte Bücher über Uderzos Leben existieren, wenn auch nicht aus seiner Feder.
Was also ist noch zu sagen? Uderzo geht die Geschichte seines Lebens, die eigentlich die Geschichte von Entstehung und Ausverkauf einer Popikone ist, ebenso uninspiriert an wie seine letzten "Asterix"-Abenteuer. Seinen italienischen Stammbaum und seine familiäre Herkunft, seine frühen Jahre als unterbezahlter Zeichner und sein Kennenlernen mit Goscinny schildert er in der trockenen Sprache eines Buchhalters. "Und nun möchte ich zu jenem kommen" oder "Ich möchte nun über dieses reden" sind die am häufigsten gebrauchten Floskeln in dem nicht besonders umfangreichen Manuskript, in dem der Zeichner die Stationen seines Lebens in sprachlicher Einfalt abhakt. Erhellend ist dabei kaum etwas.
Noch einmal wird die Geschichte erzählt, wie Uderzo und Goscinny sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihren Asterix ausdenken mussten, weil ihr eigentlich geplanter Comic gekippt worden war. Wie sie den Gallier als kleinwüchsigen Antihelden kreierten und wie der Erfolg anfangs auf sich warten ließ. Alles bereits aus der einschlägigen Sekundärliteratur bekannte Dinge, die Uderzo farblos und nahezu ohne innere Beteiligung schildert.
Viel wichtiger als der Sprung vom europäischen Comicerneuerer zum Megastar ist ihm anscheinend seine Liebe zu Rennwagen, die er über mehrere Seiten auswalzt. Sein erster eigener Wagen bekommt mehr Platz in den Erinnerungen eingeräumt als seine erste Tochter.
Prozess um die Rechte an der Figur
Dort, wo Uderzo tatsächlich Aufschluss geben könnte, weicht er aus. Von den siebziger bis neunziger Jahren war "Asterix" das Objekt umfangreicher Rechtsstreitigkeiten. Zuerst wurde Uderzo gerichtlich gezwungen, die durch Goscinnys Tod unterbrochene Arbeit am letzten gemeinsamen Album "Asterix bei den Belgiern" zu Ende zu führen. Später verklagte Uderzo den ehemaligen "Asterix"-Verleger Dargaud und erhielt nach einem spektakulären mehrjährigen Prozess die Rechte an der Figur und den Comics zurück.
Zu den Details dieser Prozesse schweigt sich Uderzo in seiner Autobiografie vollständig aus. Zahlen und Fakten werden nicht genannt. Auch der Zwist um den "Asterix"-Band "Die 12 Taten des Asterix", den sein Bruder Marcel, selbst Zeichner, gestaltet hat und den Uderzo bis heute unter Verschluss hält, bleibt unerwähnt. Dabei wären gerade die familiären Streitigkeiten der Uderzos und Goscinnys interessant, wie spätestens seit Januar 2009 jeder Franzose weiß.
Zu dem Zeitpunkt wurde bekannt, dass Uderzo seine Anteile am "Asterix"-Verlag Editions Albert René an den Giganten Hachette verkauft hat. Damit hat er auch die Möglichkeit eröffnet, dass es nach seinem Tod weitere "Asterix"-Abenteuer geben wird. Im 31. Kapitel seiner Autobiografie dagegen schreibt er noch, "nach dem Beispiel von Hergé habe ich offiziell testamentarisch verfügt, dass es von 'Asterix' keine Fortsetzung geben wird."
Der Verkauf rief wiederum Uderzo-Tochter Sylvie auf den Plan. Sie wirft ihrem Vater einen Ausverkauf aller Werte vor, nach denen er sie erzogen habe und für die Asterix stünde: "Unabhängigkeit, Brüderlichkeit, Gastlichkeit und Widerstandsgeist", das schrieb sie in einem Gastbeitrag für "Le Monde". Auf der Seite von Albert Uderzo steht dagegen ausgerechnet Anne Goscinny, die Tochter von René Goscinny - diese hatte sich in den neunziger Jahren noch gegen Uderzo gestellt, als es um die Klage gegen Dargaud ging.
Ein heilloses Kuddelmuddel also, in dem es wohl vor allem um Geld geht. Ausgerechnet dazu äußert sich der schwerreiche Zeichner in seiner Autobiografie jedoch gar nicht. Ein sehr viel dringenderes Bedürfnis scheint es ihm zu sein, auf die Vorteile des Wehrdienstes für heutige Jugendliche hinzuweisen, in denen er offenbar vor allem randalierende Autoanzünder sieht, und auf die Gefahr hinzuweisen, die seines Erachtens von Computer-Ballerspielen ausgeht.
Aus dem Mann, der Europa eines seiner größten komischen Werke hinterlässt, ist anscheinend ein erzreaktionärer Schwadroneur geworden.
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Hier irren Sie. Ich bin grundsätzlich unbefangen an das Buch herangegangen. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass Uderzo überhaupt irgendwelche Selbsterklärungen für seine Entscheidungen bzgl. "Asterix" in den letzten [...] mehr...
Falsch. Die Soz-Paed Streetworker wurden schon lange vor der Randale verprügelt. mehr...
Ich habe soeben Titelschutz auf den Buchtitel "Deutsch - Spiegel Spiegel -Deutsch" angemeldet. Unter E finden sie dann: Erzkonservativer Reaktionaer - Einer der randalierende Vorstadtjugendliche als das [...] mehr...
... dass die Kritik negativ ausfällt. Die Meinung von Stefan Pannor steht für mich nicht als Synonym für eine Kritik des Spiegel. Seine Meinung über Uderzos Weg seit Goscinnys Tod ist bekanntermaßen niederschmetterend und dies [...] mehr...
Bei Albert Uderzo zeigt sich mal wieder: Das Kunstwerk ist größer als der Künstler. Denn alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem begnadeten humoristischen Zeichner Albert Uderzo um einen chauvinistischen, geldgierigen alten [...] mehr...
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