Samstag, 21. November 2009

Kultur



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02.03.2009
 

"Kein Buch"

Ganz nach Lust und Zerstörungslaune

Von Claudia Voigt

Wie befreiend das sein kann: Ein Buch zu bemalen, zu bekleben, zu zerschneiden - oder quer durchs Zimmer zu pfeffern. "Kein Buch" erlaubt den Lesern all das, was ihnen ihre gute Erziehung sonst verbietet.

Bei einem Strandspaziergang entdeckte ich zwischen den Felsen am Ufer einmal ein völlig aufgeweichtes Exemplar von Ken Follets "Die Säulen der Erde". Am Strand stand ein Schild "Littering 1000 Dollars". Meine Reaktion schwankte zwischen Fassungslosigkeit und Amüsement.

Ich sah vor meinem inneren Auge einen Leser am Strand sitzen, der irgendwann so entnervt war von der äußerst mittelmäßigen Lektüre, dass er das Buch in hohem Bogen ins Meer schmiss. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie großartig. Wie gern würde ich manches Buch wenigstens mal quer durch mein Wohnzimmer pfeffern. Täte ich aber nie. Ich knicke auch keine Ecken ein. Ich lege Bücher niemals aufgeschlagen, mit dem Rücken nach oben beiseite. Ich bin, was den Umgang mit Büchern angeht, so wohlerzogen wie möglich.

Eselsohren erwünscht: Kein Buch für Buchliebhaber, aber es macht Spaß
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mixtvision Verlag

Eselsohren erwünscht: Kein Buch für Buchliebhaber, aber es macht Spaß

Für Menschen wie mich ist "Kein Buch" eine echte Herausforderung. Ein antiautoritärer Crashkurs. Geschätzte hundert Seiten lang wird der Leser angestiftet, Dinge mit diesem Buch zu tun, die Leser wie ich sonst nie tun würden. Gleich die erste Anweisung lautet: Zerknicke den Buchrücken. Mit der zweiten Seite soll man sich die Hände abtrocknen, auf der dritten sollte ein richtig fieses Foto von einem kleben. Und so geht es weiter: Der Leser wird verführt, das Buch zu falten, zu zerschneiden, zu bekleben, zu waschen oder zu bemalen, es dem Haustier zum Fraß vorzuwerfen, es über Nacht einzufrieren oder es als Zielscheibe zu benutzen. Immer noch eine Idee, richtig lustig.

Irgendwann werden selbst gehemmte Leser einfallsreich. Wieso eigentlich keine Schokolade hineinschmieren, es mit Rotwein bekleckern oder in die Badewanne fallen lassen? "Kein Buch" lockt unterdrückte Wünsche hervor.

Plötzlich erscheint jener Nachbar gar nicht mehr so verwegen, der seine ausgelesenen Bücher immer draußen auf die Mülleimer legt, um ihnen eine letzte Chance zu geben bei den Leseratten unter den Passanten. Man könnte ein Buch ja sogar mal ins Altpapier schmeißen, manche hätten es nicht anders verdient. Oder die Esszimmertür, die immer zufällt, mit einem kleinen Bücherturm abstützen: oben ein Exemplar von Kein & Aber, die haben immer so schöne Cover. Überhaupt haben Bücher eigentlich ein geeignetes Format, um Dinge aus ihnen zu bauen. Das Wort Bücherwand erhält so betrachtet einen ganz neuen Klang.

Zugegeben, "Kein Buch" macht vor allem Menschen Spaß, für die es bisher das höchste der Gefühle war, ein Buch nach der Lektüre unter ihr Kopfkissen zu legen. Und es hat einen großen Nachteil: Es steht so wenig zum Lesen drin.


Sebastian Zembol (Hrsg.): "Kein Buch" , mixtvision Verlag, 9,95 Euro.

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