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01.04.2009
 

Vorgelesen

Die wichtigsten Bücher der Woche

Schweigende Nonnen in Särgen und ein verheerender Brand - mit spitzer Feder lässt Maeve Brennan ihre Dubliner Kindheit lebendig werden. Außerdem in "Vorgelesen": Szilárd Rubin schreibt über die Schwierigkeit, Ungar zu sein und Mord und Totschlag in der Antike.

Maeve Brennan: "Der Morgen nach dem großen Feuer" (Aus dem Amerikanischen von Hans-Christian Oeser. Steidl Verlag, 156 Seiten, 16 Euro)

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"Der Morgen nach dem großen Feuer" wird für die kleine Maeve zu einer Art von journalistischem Erweckungserlebnis. Nachdem sie ihre Eltern beim nächtlichen Brand einer Garage haben zusehen lassen, kann sie die Nachbarn am Morgen danach mit spannenden Exklusivmeldungen beeindrucken. Doch leider bleiben die nicht lange neu und nicht lange exklusiv.

Schauplatz ist Dublin, wo Maeve Brennan 1917 geboren wurde; doch als sie diese und andere Geschichten in den fünfziger Jahren schrieb, war sie mit ihren Eltern längst in die USA emigriert und zur Autorin des legendären Magazins "The New Yorker" geworden.

Mit spitzer Feder schreibt sie in ihrem Erinnerungsbuch vom Untergang einer diktatorischen Toilettenfrau und von der Revanche ihrer Mutter an einem bewaffneten Rollkommando, das den politisch missliebigen Vater verhaften will.

Am schönsten aber erzählt Maeve Brennan von sich selbst und von den Lebensmitteln, die sie ins Kloster der Armen Klarissen brachte. Die Ordensschwestern hatten ein Schweigegelöbnis abgelegt, das nur bei der Übergabe von Nahrungsspenden gelockert wurde. Dazu war ein drehbares Fass in die Klostermauer eingelassen, in dessen Öffnung man seine Pakete legen konnte.

Leider kann Maeve nicht herausfinden, ob die schweigsamen Nonnen, wie sie gehört hat, tatsächlich "in ihren Särgen schliefen, mit Steinen als Kopfkissen". Auf Anregung ihrer Mutter steckt sie deshalb ihren Bruder Robert ins Fass. Der kehrt nach einer Drehung bester Laune zurück. Leider ist er erst zwei Jahre alt und kann noch nicht sprechen. Das Geheimnis, das sie hatte lüften wollen, wird in diesem fröhlich brabbelnden Kleinkind verborgen bleiben, und sie ahnt: "Wenn er alt genug wäre, um sich auszudrücken, würde es aus seinem Gedächtnis verschwunden sein." Ulrich Baron

Szilárd Rubin: "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe"
(Deutsch von Andreas Ikker. Rowohlt Berlin. 220 Seiten, 17,90 Euro)

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Rubin, der heute in Budapest lebt, veröffentlichte seinen Studentenroman "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe" bereits im Jahr 1967. Da war er vierzig Jahre alt. Es ist die Geschichte einer Liebe, die aus Zuneigung in Besessenheit kippt - beim männlichen Part, Attila - und im Gegensatz hierzu in Mitleid und Ablehnung beim weiblichen Teil, Orsolya.

Die Art, wie Attila seine Orsi quält, die lange nicht von ihm loskommt, illustriert aufs Schönste jenes Sprichwort, das Friedrich Torberg so gern zitierte: Hast du einen Ungarn zum Freund, brauchst du keinen Feind.

Eingebettet ist das Ganze in einen Brennpunkt der ungarischen Geschichte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Einen Augenblick lang fühlen sich die Jugendlichen frei, auch politisch, voller Hoffnung auf Selbstverwirklichung. Die Entwicklung führt geradlinig davon weg. Und nicht die Vernünftigen bleiben zunächst auf der Strecke wie Orsolya, die mit äußerster Disziplin ein kleinbürgerliches Überleben anstrebt, sondern eben die Verrückten - die Träumer, die Attilas.

Komplex und farbig geschrieben erinnert dieses erkennbar erlebte Buch an Sándor Márais ein halbes Menschenleben zuvor erschienenen Roman "Die jungen Rebellen" (1930), in dem er - ebenfalls aus der Rückschau - die Stimmung der Jugendlichen zu Ende des Ersten Weltkriegs einfing. Attila und seine Freunde zitieren Márai auch ganz offen als Autorität, während dieser sich bereits auf die Emigration vorbereitete.

Es war wohl niemals leicht, Ungar zu sein. Sollte man gehen? Oder bleiben? Oder, wie Orsolyas ungarndeutsche Familie, die Wahl haben zwischen Aussiedlung und Magyarisierung? Attila selbst entflieht der absurden Zwickmühle, sich zu kompromittieren, indem er sich arrangiert, und sich trotzdem zu kompromittieren, auch wenn er sich nicht arrangiert, in ein Traumreich der Erinnerung. Sibylle Mulot

"Varus, Varus! Antike Texte zur Schlacht im Teutoburger Wald"
(Lateinisch/Deutsch. Reclam Verlag, 175 Seiten, 4,80 Euro)

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"Den einen entfernten sie die Augen, den anderen die Hände, der Mund eines Dritten wurde zugenäht, nachdem man zuvor seine Zunge herausgeschnitten hatte, und als ein Barbar diese in seiner Hand hielt, sagte er: 'Endlich hast du Schlange aufgehört zu zischen!'" Dieses Buch handelt von Mord und Totschlag. Es enthält einen Politthriller und eine tragische Liebesgeschichte. Es ist die preisgünstige Alternative zur Flut von Neuerscheinungen, die das 2000-jährige Jubiläum der Varusschlacht ausgelöst hat. Und es zeigt, wie dürftig die Quellenlage zur Vernichtung der Legionen des Römers Varus durch das Germanenheer des Cheruskers Arminius im Jahre 9 eigentlich ist.

Während wir Lucius Annaeus Florus die eingangs zitierte Schlachtbeschreibung verdanken, bewies Gaius Velleius Paterculus, auf welch einem hohen Niveau die Kunst der üblen Nachrede sich in Rom befand. Der große Verlierer Varus sei "mehr an müßiges Leben als an den Felddienst gewöhnt" gewesen und habe sich zuvor als Statthalter in Nordafrika vor allem durch Geldgier ausgezeichnet: "Als armer Mann betrat er das reiche Syrien, und als reicher Mann verließ er das arme Syrien."

Sein Bezwinger Arminius hingegen war für Tacitus "unstreitig der Befreier Germaniens", sei aber später "durch die Hinterlist seiner Verwandten" gefallen. Damit nicht genug des Pechs: Von Strabon erfahren wir, dass seine Frau Thusnelda gefangen genommen und mitsamt seinem dreijährigen Sohn Thumelikos im Triumphzug durch Rom geführt worden sei.

Neben solchen Details enthält der Band auch ein instruktives Vorwort von Lutz Walther und die Originalfassungen der Quellentexte. Wer beim Thema Varusschlacht mitreden will, kann das damit also gleich zweisprachig tun. Ulrich Baron

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heute, 16:28 Uhr von pcpero: in diesem Sinne

Hierzu passt m. M. n.: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenter stieg und verschwand." v. Jonas Jonasson. Stand auch schon auf der Bestsellerliste des Spiegel. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und [...] mehr...

29.01.2012 von coisalouca: Lesenswert!

Ich verschlinge alles von John Irving und warte schon sehnsüchtig auf sein neues Buch, das im Mai kommt. Besonders gut udn empfehlenswert: The New Hampshire Hotel Owen Meany The Cider House Rules Genial! mehr...

27.01.2012 von sophistocat:

Übersetzungen sind nie so gut wie das Original, sagt die Binse, und die hat zuweilen doch recht. Ist mir aufgefallen bei den Übersetzungen der Romane von T. C. Boyle. Die sind sogar sehr gut, aber im Deutschen ist es schlicht [...] mehr...

26.01.2012 von sophistocat:

Ach... das ist aber umständlich. Man legt einfach irgend ein Lesezeichen in den Anhang (den Kassenzettel vom letzten Einkauf, die Stellenanzeige, auf die man sich bewerben wollte oder den Wisch mit dem 4-stelligen Zahlencode [...] mehr...

26.01.2012 von sinta:

Ja - irgendwie blöd mit den Anhängen, aber oft so hilfreich. Für mich habe ich die Lösung gefunden: ich kopiere den Anhang, mir ist das vor- und zurückblättern einfach zu lästig. mehr...

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