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25.05.2009
 

Literaturfestival

Klingt nach Pop!

Von Nora Reinhardt

Gesprochen, gesungen oder mit Beats vermengt: Hauptsache, die Texte sind gut. Beim zweiten Lan-Festival in Berlin trifft junge Literatur auf junge Popmusik.

Ihre Bitte wurde nicht erhört. "Sprich das Pop-Wort nicht aus!" flehte die österreichische Schriftstellerin Kathrin Röggla in ihrem Werk "Irres Wetter" im Jahr 2000. Doch da war es längst zu spät: In den Feuilletons, Hörsälen und Buchläden plapperte man seit Mitte der Neunziger ungeniert über fast nichts anderes als über die deutsche Popliteratur.

Deren Gallionsfiguren Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht trafen sich mit anderen Autoren im Hotel Adlon und nannten das "Tristesse Royale", Elke Naters schrieb Romane so vergnüglich und eindimensional wie "Bunte" und "Gala", und unter dem Markenslogan "literarisches Fräuleinwunder" verkauften sich plötzlich völlig unterschiedliche Bücher von jungen Autorinnen.

Zeitgleich zu diesem Megahype wurde der deutschsprachige Gitarrenpop immer erfolgreicher: Tocotronic, Die Sterne und Blumfeld sangen Texte, die intellektuell waren - oder zumindest so wirkten.

Stellt sich nur die Frage, wieso es so lange gedauert hat, bis man - Verzeihung, liebe Frau Röggla - Popliteratur und Popmusik in Berlin endlich zu einem gemeinsamen Spektakel zusammenlegte: 2007 bot das LAN-Festival erstmals junger, deutscher Literatur und Musik eine gemeinsame Bühne, an Pfingsten ist es jetzt wieder so weit.

18 Autorinnen und Autoren präsentieren ihre Texte im Hebbel am Ufer 2 (HAU 2), drei Singer-Songwriter und sechs Bands geben im Foyer des Theaters Konzerte. Auswahlkriterium war nur die literarische Qualität der Texte, nicht ihre Sprache, und so singen manche Teilnehmer wie Noel oder Julia A. Noack auf Englisch. Die Gefahr der "Deutschtümelei und Heimatduseligkeit", wie Tocotronic sie einmal befürchtete, besteht also nicht.

Klar ist Popliteratur etwas aus der Mode gekommen, aber einige der Beteiligten sind eben unter diesem Begriff bekanntgeworden. Klar ist auch nicht alles Pop, was jetzt beim LAN-Festival über die Bühne geht.

Aber was vor allem zählt: Es herrscht Popatmosphäre und Popgeschwindigkeit - jeder Autor liest etwa eine halbe Stunde, dann kommen Konzerte, dabei und danach jede Menge Limo, Wein, Schnaps. Vermutlich wird es so kommen, wie Kathrin Röggla es sich im Jahr 2000 gewünscht hat: "in die geräuschlücken rein das bier", und so wird auch sie dieses Mal beim LAN-Festival lesen. Pop hin, Pop her.

Auch andere bekannte Veteranen nehmen teil: Sänger Frank Spilker (ohne Die Sterne, dafür mit Frank Spilker Gruppe), Jens Friebe mit Band, die Schriftsteller Jenny Erpenbeck ("Die Geschichte vom alten Kind"), Jochen Schmidt ("Meine wichtigsten Körperfunktionen") und Henning Ahrens ("Stoppelbrand").

Kein Wunder, dass die erste Ausgabe des Drei-Tage-Festivals 2007 ein Erfolg war. Man kann jeden Abend zum Taschenbuchpreis ins Hebbel am Ufer gehen und sich selbst davon überzeugen, ob die Medien richtig liegen: ob der Literaturdebütant Thomas Klupp wirklich der neue J.D. Salinger und seine Romanfigur Alex Böhm der bayerische Fänger im Roggen ist, ob Martina Hefters "Die Küsten der Berge" wirklich so still, schön und sprachintensiv ist, ob die 17-jährige Helene Hegemann, die bereits als Regisseurin reüssierte, wirklich so ein "gestörter Teenager" ist, wie sie selbst einmal in einem Interview sagte.

Man kann das Festival aber auch nutzen, um einmal richtig auf die Songtexte zu hören. Denn es wurden nur Musiker eingeladen, deren Lieder auch lyrische Qualitäten haben. Zugesagt haben einige der interessantesten Stimmen der Popwelt. Wer singt denn sonst schon so schöne Zeilen wie Wolfgang Müller: "Ich geh mit dir schlafen und stehe mit dir auf. Von den ewigen Fragen hab ich seelischen Schluckauf"?

27 Darbietungen an drei Tagen - wem das zu viel ist, der musste nicht gleich in einen Drei-Tages-Pass investieren, es gab auch Tageskarten.

Damit der Besucher am Pfingstsonntag nicht klagend Jens Friebe nachsingt: "Es war mir eine Ehre, es war mir eine Freude. Es war mir gegen Ende vielleicht etwas viel."


Lan-Festival: Drei Tage junge Literatur und Musik, vom 29. bis 31. Mai, HAU 2, Berlin.

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