Von Stefan Pannor
Ist er nicht eigentlich ein Abbild unserer dunkelsten Seiten und finstersten Ängste, dieser Donald Duck? Wenn man mal hinschaut: seine Ausbrüche als Wüterich sind legendär. In den Comics greift er auch gerne mal zum Stock, um seine Neffen zu züchtigen. Er ist außerdem ein armer Schlucker, ständig verschuldet und ohne Aussicht, es im Leben zu etwas zu bringen. Er hat kein Glück bei den Frauen und liegt seinem ebenso geizigen wie steinreichen Onkel Dagobert auf der Tasche. Die schlimmsten Alpträume vom Prekariat werden in ihm Gestalt.
Und doch ist er keine abstoßende oder lächerliche Figur. Sondern einer, dem unsere vollständige Sympathie gilt. Selbst heute noch, auf den Tag genau 75 Jahre nach seinem ersten Leinwandauftritt, lachen wir öfter mit ihm als über ihn. Donald Duck ist eine der weltweit berühmtesten, vor allem aber beliebtesten Figuren überhaupt, verewigt in mehreren hundert Filmen und auf Hunderttausenden Comicseiten. Woran liegt das?
Als am 9. Juni 1934 der Kurztrickfilm "The Wise Little Hen" in die Kinos kam, in dem der Enterich seine ersten kurzen Randauftritte hatte, war er noch wenig sympathisch. Zwar zeigte die simple Episode schon zwei von Donald Ducks prägenden Charakterzügen. Seine Unlust zur Arbeit nämlich (denn die weise Henne sucht händeringend Erntehelfer) und schließlich seinen Jähzorn, als er, weil er nicht bei der Ernte geholfen hat, auch nichts vom Festmahl abbekommt.
Aber der eigentliche Geniestreich war es, diesen fiesen, faulen, proletarischen Erpel wenige Monate später in einem Film als Gegenspieler von Micky Maus einzusetzen. In dem Film "Orphan's Benefit" versucht Donald mit fast allen Mitteln, ein von Micky veranstaltetes Benefizkonzert zu sabotieren. Schon damals hatte der Mäuserich, sechs Jahre älter als die Ente, einen Ruf als braver Biederbürger. Gegen die phantasievolle Rüpelhaftigkeit Donalds wahrt Micky nur mühsam die Contenance.
In diesem Gegenspiel der Disney-Charaktere findet sich ein Teil der Antwort auf die Frage nach Donalds Erfolg. Denn schon damals war die Ente nicht einfach nur ein patziger Prolet. Sondern ein anatider Eulenspiegel, eine quakende Stimme gegen Spießertum, gegen alles, was nur nett und allzu betulich ist. Weil er dennoch, anders als die brave Maus, nur selten siegreich aus seinen Kämpfen gegen die Fährnisse des Alltags hervorging, schloss das Publikum diesen Underduck in sein Herz.
Donald-Zeichner Barks: "Ich hab's erzählt, wie es ist"
Auch in den Comics. In ihnen griff ab den vierziger Jahren der ehemalige Trickfilmzeichner Carl Barks das ewige Pech und die scheinbar unerschöpfliche Wut Donalds auf. Und schuf aus diesen zwei Zutaten eine der wohl komplexesten Figuren der modernen Literatur.
Dabei war Barks' Agenda eigentlich simpel: Er nutzte die vielfältigen Erfahrungen seines eigenen bewegten Lebens als Viehtreiber, Geflügelzüchter und Holzfäller und schilderte eine Welt, die zwar mit sprechenden Hunden, Schweinen und eben Enten bevölkert, ansonsten aber überaus real war. "Ich hab's erzählt, wie es ist", schilderte er sein bodenständiges Vorgehen einmal - und meinte, "dass man sich auf nicht viel verlassen kann und es am Ende nicht immer Rosen regnet". Damit gab es "keinen Unterschied zwischen meinen Figuren und dem Leben, dem meine Leser sich würden stellen müssen", so Barks.
Diese lebensweise Erkenntnis paarte Barks allerdings mit einem unverwüstlichen Optimismus. Donalds nie versiegender, aber dennoch ohnmächtiger Zorn auf die Verhältnisse wurde in den Comics zur Triebfeder der Entenfigur. "Sein wichtigster Wesenszug ist der unwiderstehliche Drang, sich auf Risiken einzulassen, sein Leben aufs Spiel zu setzen und keinen Rückzieher zu machen", analysiert der Barks-Forscher Michael Ault Donalds Charakter.
Wohl deshalb gibt es vor allem bei Barks diverse Geschichten, in denen Donald sich zunächst als wahrer Meister unterschiedlichster Fächer entpuppt. Mit ungeahntem Geschick tritt er als Friseur oder Glaser auf und lässt selbst das simple Abreißen von Häusern zur hohen Kunst werden. Auch wenn er am Ende jedes Mal an der Größe der gestellten Aufgabe scheitert - er hat es doch wenigstens versucht.
Dieser optimistische Tatendrang hebt ihn weit über plumpe Unterschichtenklischees hinaus und macht die Ente sympathisch - auch wenn sie oft rüpelhaft, rücksichtslos und rabiat ist. Unter Barks wurde Donald Duck, der sich in schlechten Zeiten in der Margarinefabrik sein trocken Brot verdiente und vom reichen Onkel getriezt und ausgebeutet wurde, zum Jedermann der gesamten westlichen Welt. Mit guten und schlechten Seiten, guten und schlechten Tagen. Wegen dieser Vielschichtigkeit gelten Barks' Geschichten, es sind mehrere hundert, heute als Klassiker und werden regelmäßig neu aufgelegt.
Keine Erfolgsgeschichte freilich ohne Rückschläge: Als in den USA jüngst nach über sechzigjähriger Publikationsgeschichte die Disney-Comics eingestellt wurden, hat es kaum jemanden interessiert. Gerade mal 4000 Stück wurden zuletzt pro Ausgabe der bunten Disney-Comichefte abgesetzt. Zu Barks' Zeiten waren es mehrere Millionen pro Monat.
In Europa ist es noch nicht so weit. Hier gehen wöchentlich mehrere Millionen von Disneys Comicheften, vom Micky-Maus-Heft bis zum "Lustigen Taschenbuch" über die Theke. Deshalb liegen die Zentren der weltweiten Disney-Comicproduktion schon lange in Skandinavien und Italien, wo die Figuren besonders populär sind. Aber auch im grundsätzlich comicfeindlichen Deutschland verkauft die "Micky Maus" immer noch jede Woche gut 250.000 Exemplare.
Die Ente ist also Europäer geworden. "Es gibt keinen Menschen in den Vereinigten Staaten, der sich nicht mit ihm identifizieren könnte", sagte Barks einmal über Donald Duck. Dieser Satz stimmt inzwischen wohl nicht mehr. Obwohl Donalds Qualitäten als Stehaufente, seine Würde, die er sich trotz dauernder Verluste bewahrt hat, doch an etwas zutiefst Amerikanisches rühren. Sein Pragmatismus ist die Essenz des American Dream: "Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut! Trotzdem muss einer den Schmutz wegkehren, der dabei anfällt", hält der Straßenkehrer Duck bei Barks ganz gelassen fest.
Vielleicht aber möchten es die Amerikaner in Zeiten angespannter Wirtschaftslage einfach nicht mehr hören, wenn Donald - ebenfalls bei Barks - klagt: "Vier Dollar sind wenig, wenn man sie hat, aber 'ne Menge, wenn man sie nicht hat." Vier Dollar, das ist in den USA derzeit der durchschnittliche Preis für ein Comicheft.
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Donald ist der typischen Antiheld ! Er ist egoistisch, herrschsüchtig, aufbrausend und bequem. Allerdings kann man es ihm auch nicht verdenken. Ein alter Stinkstiefel von Erbonkel, der nur zu seinen Talerchen nett ist. Seinen [...] mehr...
Ja. Er ist einer der wenigen halbwegs runden Charaktere im Comic; ein armer Schlucker, der sich durch einen schwer berechenbaren Jähzorn auszeichnet und doch an sich ein liebenswerter, bauernschlauer Kerl ist. Er war mal der [...] mehr...
Neben MAD Heften waren die Donald Duck Geschichten die Begleiter meiner Kindheit (und die Peanuts, Clever & Smart). Mickey mochte ich nicht so in den LTB, weil er dieser schnörkellose (charakterlose) Übermensch ist. Ohne [...] mehr...
donald duck ist der held meiner kindheit mehr...
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,687928,00.html dann tanzen alle Fermerkelchen auf den Tischen. Oh! Sorry! Ich glaub, ich bin im falschen Tread ... Wenn die Ente toll inszenieren kann ... dann [...] mehr...
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