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03.07.2009
 

Broders Bücher

Die Sprach-Schrottpresse des Wiglaf D.

Die Sprachkritik Wiglaf Drostes ist so ätzend, dass Henryk M. Broder sich freut, im neuen Buch des Satirikers unerwähnt zu bleiben. Umso mehr lobt er den Band in seiner neuen Bücher-Kolumne auf SPIEGEL ONLINE: Droste sagt über das alltägliche Mediengewäsch, was andere nur denken.

Millionen von Menschen hören und sehen, wie der deutsche Verteidigungsminister einen Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan "feige und hinterhältig" nennt, aber nur einem fällt was auf: Wiglaf Droste.

Droste-Band: "Stelzen in Aspik"
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Droste-Band: "Stelzen in Aspik"

Wie müsste, fragt er, ein Angriff auf deutsche Soldaten sein, der anschließend nicht als "feige und hinterhältig" verurteilt würde? Diese Floskel sei "reine Propaganda", deren Verbreiter "sich und seinen Interessen eine kirchturmhohe Moralität" bestätigt. Droste könnte auch sagen: Ein Adjektiv ist immer dann sinnlos, wenn auch das Gegenteil an dieser Stelle keinen Sinn ergäbe, in diesem Fall also ein "mutiger und frontaler" Angriff, aber das wäre ihm zu subtil, zu zurückhaltend.

Seine Art der Sprachkritik funktioniert wie eine Schrottpresse, die alles, was ihr zum Fraß vorgeworfen wird, auf einen kompakten Haufen reduziert. Und wenn Droste sich einen der "Seriöstuer" vorknöpft, die uns täglich beschallen und beschwatzen, dann ist absehbar, wer auf der Strecke bleibt. Der Komponist Heinz Rudolf Kunze zum Beispiel - "verquollen, gespreizt und hochtrabend" - produziert "Aspik auf Stelzen", seine Fans seien Leute, die "Spinoza für ein italienisches Gemüse halten".

Zur Person

DPA

Henryk M. Broder, Jahrgang 1946, ist Autor für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, unter anderem "Erbarmen mit den Deutschen" (1993) und "Hurra, wir kapitulieren", eine Attacke auf die Appeasement-Politik Europas gegenüber dem aggressiven Islamismus, sowie zuletzt "Kritik der reinen Toleranz".

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Peter Maffay, der die Urne mit der Asche seiner toten Mutter aus Bayern zu sich nach Mallorca holte und dies "eine Art Wiedergutmachung" nannte, wird mit ein paar verbalen Ohrfeigen zur Besinnung gerufen, vermutlich erfolglos, denn der will demnächst nicht nur seine Songs sondern auch selbst angebaute "Bio-Lebensmittel" auf den Markt bringen, natürlich für einen guten Zweck, um womöglich von den Erlösen traumatisierten Kindern zu helfen, darunter auch solchen, die Maffays Musical "Tabaluga" gesehen haben.

Einige Etagen höher, dort wo das Populäre politisch wird, kommen dann Zeitgenossen wie Richard Williamson dran, über den Droste schreibt, der bischöfliche Holocaust-Leugner werde "angetrieben vom Neid auf das Leid der Juden und den Hass auf die Moderne". Einfacher und genauer hat es noch keiner gesagt, jedes Wort mehr wäre ein Wort zu viel. Droste bringt es gnadenlos auf den Punkt, und wer nicht gemeint ist, der freut sich, dass es die anderen erwischt hat.


Wiglaf Droste: "Im Sparadies der Friseure. Eine kleine Sprachkritik", Edition Tiamat Berlin, 141 Seiten, 12 Euro

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