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10.09.2009
 

Druck aus Peking

Frankfurter Buchmesse lädt Regimekritiker aus

Von Andreas Lorenz, Peking

Regimekritiker Bei Ling: Empfindet seine Ausladung als "Schande"Zur Großansicht
Getty Images

Regimekritiker Bei Ling: Empfindet seine Ausladung als "Schande"

Droht der Frankfurter Buchmesse der erste Skandal um das heikle Gastland China? Weil chinesische Behörden intervenierten, wurden jetzt einige regimekritische Intellektuelle von einer Diskussionsveranstaltung wieder ausgeladen. Betroffene sprechen von einer "Schande".

Die Idee, China als Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse einzuladen, erweist sich, wie befürchtet, als heikel. Schon Wochen vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung gibt es Ärger.

Das bekamen jetzt der in Boston lebende Exilautor Bei Ling und die regierungskritische Autorin und Umweltschützerin Dai Qing zu spüren. Beide sollten an diesem Wochenende an einem Symposium zum Thema "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit" teilnehmen. Doch sie wurden wieder ausgeladen.

"Ich bekam gestern einen Anruf, in dem ich dringend gebeten wurde, nicht nach Frankfurt zu fliegen", berichtete Bei Ling SPIEGEL ONLINE. "Wenn ich kommen würde, gäbe es ein Riesendurcheinander, hieß es."

Hintergrund: Chinesische Funktionäre und Schriftsteller haben angedroht, ihre Teilnahme abzusagen, falls politisch ungeliebte Autoren dabei sind. Dahinter steht offenkundig das Verwaltungsamt für Presse und Publikationen (GAPP), die oberste Zensurbehörde Chinas. Im Fall von Dai Qing wurde eine Einladung der Frankfurter von der GAPP nicht weitergeleitet.

"Wir sind in einer Zwickmühle", sagt Peter Ripken, Programmkoordinator der Messe. "Das chinesische Organisationskomitee hat knallhart gesagt: "Wenn der und der teilnimmt, ziehen wir aus."

Andere Teilnehmer dagegen, wie den Sozialkritiker Wang Hui, habe die deutsche Seite durchsetzen können. Die Pekinger hätten sich zunächst sogar gegen die Teilnahme des deutschen PEN-Klubs gewehrt, weil der nach ihrer Ansicht antichinesisch sei.

Damit das ganze "nicht in die Luft fliegt" sei er nun zu einer "Güterabwägung gezwungen", erklärte Ripken im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Alles ist höchst unerfreulich." Sowohl Dai Qing als auch Bei Ling würden allerdings zur Messe im Oktober nach Frankfurt eingeladen. Ripken: "Dann bin ich Herr des Verfahrens."

Trotz der Ausladung will Dai Qing allerdings doch zum Symposium kommen. Die Journalistin reist nach Informationen der dpa auf Einladung des deutschen PEN an diesem Freitag nach Frankfurt. Die 68-Jährige hat von der deutschen Botschaft in Peking bereits ein Visum erhalten. Buchmessenorganisator Ripken zeigte sich überrascht: Zu dieser "neuen Entwicklung" könne er zunächst nichts sagen.

Exilautor Bei Ling versteht die Nöte der deutschen Organisatoren, wenn er auch seine Ausladung als "Schande" empfindet. Aber: "Schaden will ich durch meine Anwesenheit nicht anrichten." Die chinesische Exilliteratur gehöre jedoch unbedingt auf die Messe.

Bei Ling ist Poet, Essayist und Mitherausgeber der Exilzeitschrift "Tendency", die auch in Hongkong und Taiwan veröffentlicht wird. Er lebt seit 1988 im Ausland. Als er im August 2000 kurz nach China zurückkehrte, wurde er in Peking wegen "illegalen Druckens und der Publikation einer Zeitschrift" festgenommen. Auf Einspruch von US-Politikern und Künstlern, unter anderem der inzwischen verstorbenen Susan Sontag, schoben ihn die Behörden nach einem Monat in die USA ab.

Bei dem Symposium dabei sein dürfen unter anderem Wissenschaftler Wang Hui, der über die "Krisen der Modernisierungen in Ost und West" sprechen wird, der bekannte Schriftsteller Mo Yan ("Rotes Kornfeld") und der ehemalige Botschafter Chinas in Deutschland Mei Zhaorong. Der ist in den vergangenen Monaten durch bissige Kritik an der China-Berichterstattung deutscher Medien und an Kanzlerin Angela Merkel aufgefallen.

Es bedürfe "eines Meinungs- und Gedankenaustausches, um gegenseitiges Verständnis herzustellen und um so einen Beitrag zum Abbau von Missverständnissen und Vorurteilen zu leisten", begründeten die deutschen Veranstalter die Tagung.

Chinas Funktionäre sind da anderer Ansicht.

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insgesamt 28 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.09.2009 von H. Krämer: Langweiliges Thema (?? ! ??)

Scheint ja ein regelrechter Ladenhüter zu sein dieses Thema. Würde sich die Kanzelerin die Brüste vergrößern (oder den Hintern verkleinern) lassen, hätten wir im Nu hunderte von (unqualifizierten) Kommentaren dazu. Das [...] mehr...

14.09.2009 von saul7: es

*ist* eine Schande, dass in dieser Weise verfahren wurde. Eine Niederlage der Demokratie!! mehr...

14.09.2009 von Peggy Bundy: Neonazi als Systemkritiker ... :->

Warum vergleichen Sie einen Neonazi mit einem chinesischen Systemkritiker? Sehen Sie da Paralelle? mehr...

13.09.2009 von danielkreuzner: entwürdigender Kotau

die Deutschen führen sich immer noch auf wie anno 18.. "wenn ein Chinese einen Deutschen auch nur scheel ansieht" so eine Unverschämtheit von der deutschen Seite! man stelle sich mal vor die Bejinger Buchmesse [...] mehr...

11.09.2009 von SuPo: Boos mailen

Auf der Seite der Buchmesse hat Herr Boos eine Erklärung samt Mailadresse hinterlegt. Respekt. Ich denke das sollte man nutzen und ihm schreiben, was man davon hält. Ich habe darum gebeten dass er mir den Zugang zur Messe [...] mehr...

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