Von Christoph Dallach
Einen unpassenderen Namen kann es für diesen Schriftsteller kaum geben. Denn von Frieden jeder Art und Weise sind die Bücher des 1967 geborenen Briten David Peace Lichtjahre entfernt. In seinen radikalen Werken scheint immer alles in Zerstörung und Auflösung begriffen. Existenzen und Lebensläufe werden kalt zertrümmert, Erinnerungen sind immer Alpträume, die Gegenwart unerträglich und das Kommende zuverlässig die Hölle.
Als "Eine schwarze Symphonie des Grauens" ("Los Angeles Times") und "Brillant, klaustrophobisch und doppelbödig" ("New York Times") bestaunten amerikanische Kritiker sein nun auch in Deutschland veröffentlichtes Buch "Tokio im Jahr Null" .
Die Trilogie beginnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im Tokio des Jahres 1946, einer Kaiserstadt, die so zerstört ist wie Stolz und Selbstverständnis ihrer Bewohner. Es herrscht Mangel an eigentlich allem, dazu ist es heiß und stickig - der Inspektor Minami soll einen Serienmörder zur Strecke bringen, der junge Frauen vergewaltigt und stranguliert.
Das Böse sezieren
Auf den ersten Blick also ein Kriminalroman so wie die meisten David-Peace-Werke. Aber wer sich hier einen stringenten Thriller erhofft mit Täter, Opfer, Jäger, Finten und zackiger Lösung, also die Art von Krimi, die viele Menschen gern am Strand oder in der Bahn verschlingen, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht. Was nicht heißt, dass die Geschichte ohne Spannung ist - aber die ist Peace eben nicht allein wichtig. Vielmehr genießt es der Autor, das Böse zu sezieren, die finster vernebelten Regionen der Seele auszuleuchten.
Damit begann er in seinem "Red Riding Quartett", vier Büchern ("1974", "1977", "1980", "1983"), die ihn bekannt machten und in denen es um die Morde des sogenannten Yorkshire Rippers geht. David Peace bevorzugt historisch authentische Ereignisse als Ausgangspunkt seiner düsteren Phantasien. Den Yorkshire Ripper gab es, und auch der Tokio Killer trieb tatsächlich sein Unwesen.
Eine Besonderheit der Bücher von David Peace ist ihre Sprache. Er erzählt nüchtern. Gern in reduzierten Stakkato-Sätzen. Mal atemlos schnell. Dann zerhackt. Mal quälend auf der Stelle tretend. So gelingt ihm das Kunststück, Kälte, Verzweiflung und Düsternis greifbar zu machen. Das ist manchmal zwar zu kunstvoll bemüht arrangiert, aber über weite Strecken sehr eindrucksvoll.
Am Ende, nach gut 400 Seiten von "Tokio im Jahr Null", bleibt Faszination, vielleicht Irritation. Aber von Frieden ist keine Spur.
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David Peace zu lesen ist ein Erlebnis, ein ziemlich düsteres. Ich verschlinge seine Bücher immer sofort, er hat mich dazu gebracht überhaupt hardcover zu kaufen und keine Taschenbücher. An die englischen Orignale habe ich mich [...] mehr...
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