Von Julia Bonstein
Eigentlich ist diese Ärztin eine todunglückliche Gestalt: Frisch verwitwet und alkoholkrank driftet Peg durch den Alltag. Trotzdem darf der Leser mit ihr lachen. Den Humor hat sich Peg quasi als Therapie verordnet. Im Schmunzelton erzählt sie von Picknickausflügen mit dem eingeäscherten Ehemann und anderen Skurrilitäten, die ihr Elend eben auch bereithält. Der Kanadier Neil Smith, 45, blickt in seinem ersten Erzählband lupengenau auf die Momente, in denen das Leben Absonderliches und Absurdes mit großer Traurigkeit mischt. Seine Figuren sind schräge Melancholiker wie der Schmetterlingssammler, der sich auf dem Friedhof Todesszenarien für die Verstorbenen ausdenkt, oder die Mutter, die ihr Frühgeborenes im Brutkasten wie ein winziges Alien-Wesen betrachtet. Überraschend und einfühlsam wechselt Smith von einer Geschichte zur nächsten die Erzählperspektive - in "Extremitäten" weckt er sogar Mitgefühl für die amourösen Abenteuer eines rosafarbenen Lederhandschuhs.
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