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05.10.2009
 

Philosophie für Kinder

Kann ein Fußboden träumen?

Von Nora Reinhardt

Gedankenflieger-Veranstaltung: "Warum ist Gewinnen so schön?"Zur Großansicht
Miriam Holzapfel-Groothuis

Gedankenflieger-Veranstaltung: "Warum ist Gewinnen so schön?"

Die Kleinen machen sich große Gedanken: Kinderphilosophie boomt. Die Veranstaltungsreihe "Gedankenflieger" startet diese Woche, lässt den Nachwuchs mit Aristoteles in Wettstreit treten und animiert ihn zum Phantasieren, Fabulieren und Nachgrübeln.

Angefangen hat eigentlich alles mit einem blauen Buch. Darauf war eine Weltkugel zu sehen und eine Person mit Leiter. Das Buch war von Jostein Gaarder, und "Sofies Welt" wurde in den Neunzigern ein Welterfolg. Darin ging es um das Mädchen Sofie, das die verschiedenen Epochen und Ideen der Philosophen kennenlernt, es war ein Philosophiekurs für Kinder zwischen zwei blauen Buchdeckeln. Seitdem boomt das Philosophieren mit Kindern: Es gibt sogenannte Kinderunis, in Nordrhein-Westfalen wird seit sechs Jahren "Praktische Philosophie" unterrichtet, es gibt Fachtagungen und ein Institut für Kinderphilosophie.

Nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern in vier Wänden findet das "Philosophieren mit Kindern" in Hamburg statt; diese Woche in einer Turnhalle. Philosophie zwischen Klettergerüst, Basketballkorb und bunten Bodenmarkierungen. Denn das Thema lautet: "Weiter, höher, schneller: Warum ist Gewinnen so schön?" Die Kinderphilosophin Kristina Calvert wird zu einem grünen Buch greifen, auf dem Cover ein Frosch und eine Kröte beim Angeln, ein Klassiker der Kinderliteratur: "Das große Buch von Frosch und Kröte" von dem US-Amerikaner Arnold Lobel aus den siebziger Jahren.

"Hier kommt die beste Kröte der Welt" wird der Auftritt der Kröte angekündigt, sie spielt virtuos und fehlerfrei Klavier, spaziert elegant auf dem Hochseil, tanzt begnadet Ballett. Ihr Freund, der Frosch, kann all das nicht und wird beim Zusehen immer kleiner. "Wie kommt es, dass der Frosch in seinem Sitz immer kleiner wird", wird Philosophin Calvert das Gespräch beginnen um mit den Schulkindern in einen Dialog zu kommen.

Wieso wollen wir die Besten sein? Wieso bekommt man beim Gewinnen Glücksgefühle? Was ist Macht? Und wieso will man sie nicht wieder verlieren? Über diese Fragen sollen die Kinder gemeinsam sinnieren, sie sollen ihre Erfahrungen miteinander abgleichen, ihre Theorien formulieren und nachgrübeln. Calvert geht es dabei weniger darum, am Ende eine wasserdichte Begriffsdefinition für "Macht" zu bekommen, sie will "sich Zeit nehmen für Gespräche über Sinnfragen mit den Kleinen".

Drei solcher Nachmittage bietet Kristina Calvert mit dem Literaturhaus Hamburg im Jahr 2009 unter der Reihe "Gedankenflieger" an. Weitere große Fragen: "Was ist Freundschaft?" und "Wer hat mich erschaffen?"

Wichtig ist für die 48-jährige Kristina Calvert, die über Philosophie für Kinder promovierte und seitdem als Kinderphilosophin tätig ist, dass die Diskussion offen bleibt und nicht zielgerichtet ist. Philosophie stelle immer die Frage: "Was ist das Wesen von…?" und versucht, die eigenen Gedanken so plausibel wie möglich darzulegen, es gehe nie um ein Falsch oder Richtig, so Calvert. Bei den Diskussionen hilft ihr ein Experte zum jeweiligen Thema: ein Sportler, ein Freund, ein Pfarrer.

Spielerisches Nachdenken

Sie wolle mit ihren Veranstaltungen keine kindgerechte Philosophiestunde halten, so Calvert. Also nicht Sokrates, Aristoteles, Russell und Hegel in kindgerechte Sprache übersetzen. "Ich mache nicht Kant für Kleine. Ich möchte Kinder zur Tätigkeit des Philosophierens anregen." Ziel sei also keine Verbildung im Kindesalter für kleine Pauls und Zoés mit weißen Polohemdkrägen, sondern ein spielerisches Nachdenken und wildes Fabulieren zu einem gesetzten Thema, um den Kindern "Weltorientierung" zu geben. Zwar kommt die Philosophin nicht ganz ohne die großen Philosophen aus, und wirft auch mal Thesen von Aristoteles in den Raum, aber es geht eher um deren Gehalt, als um das Namedropping. "Drei Arten von Freundschaft" unterschied Aristoteles vor 2350 Jahren in seiner "Nikomachischen Ethik": Es gebe einen "besten, einen nützlichen und einen angenehmen Freund" - den Gedankenflieger-Kindern soll diese Aussage helfen, über das Wesen von Freundschaft nachzudenken.

Klar, dass beim Philosophieren mit Kindern erfrischende Gedanken und furiose Logik-Gebilde nicht ausbleiben. Calvert erinnert sich gern an wahnwitzige Gedankenspiele: Kann ein Fußboden träumen? Und sind Sterne glücklich? Vermutlich schon.


Gedankenflieger. Philosophieren mit Kindern. Ab sieben Jahren, Kosten: 2 Euro. Infos: Literaturhaus Hamburg, Tel. 040/22 70 20 14, am 8.10., 26.11. und 8.12. an diversen Veranstaltungsorten.

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.10.2009 von saul7: Wenn

es die Phantasie beflügelt und die Kreativität der Kinder befördert, warum nicht? mehr...

07.10.2009 von denkmal!: Nagel auf den KOPF getroffen!

Absolut, 100% GENAU DAS IST ES! Gerd Fehlbaum mehr...

05.10.2009 von Schnabeltier: .

Da hätte ich auch mal eine philosophische Frage: Muss man jeden Pups der kindlichen Entwicklung zur Atombombe aufbauschen? Mal ganz im Ernst: Jeder, der Kinder hat und sich ihnen gegenüber nicht völlig autistisch verhält, [...] mehr...

05.10.2009 von Rolli Devise: Philosophie für Kinder

Ich empfehle den folgenden (englischsprachigen) Text zum Thema: "Philosophy for Children" http://plato.stanford.edu/entries/children mehr...

05.10.2009 von Kindernews: Philosophier-Seiten in der Kinderzeitschrift Hoppla

Im Kindermagazin Hoppla gibt es bereits Seiten zum Philosophieren. Das Magazin ist für Kindergartenkids im Alter von ca. 3-6 Jahren. In der Oktober-Ausgabe geht es um das Thema "Woher kommt die Angst?". Das Thema ist in [...] mehr...

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