ThemaAsterixRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
22.10.2009
 

Asterix-Band zum 50. Geburtstag

Holzhammer statt Hinkelstein

Von Stefan Pannor

Obelix im HipHop-Look, Zeichner Albert Uderzo als Comicfigur - das "Asterix"-Jubiläumsheft bricht mit mehr Traditionen, als dem Leser lieb sein dürfte. Dann doch lieber die Geburtstagspräsente von SPIEGEL ONLINE: Deutsche Comiczeichner gratulieren dem berühmten Gallier mit exklusiven Zeichnungen.


Pünktlich zum 50. Geburtstag der Serie bricht Albert Uderzo in "Asterix & Obelix feiern Geburtstag" mit einer Tradition: Das Festmahl fehlt. 32 Bände lang endete jedes "Asterix"-Heft mit dem beinahe gleichen Schlussbild: Ein großes Wildschweinessen und ein Barde, der nicht singen darf. Allein in der Kurzgeschichtensammlung "Asterix plaudert aus der Schule" kam es nicht vor.

Allerdings hat Uderzo zuletzt mit nahezu allem gebrochen: Mit seinem Bruder Marcel etwa, ebenfalls Comiczeichner. Von ihm stammt ein vollständiges weiteres "Asterix"-Album, dessen Veröffentlichung Albert bis heute untersagt. Oder mit seiner Tochter Sylvie, die sich vergangenes Jahr im öffentlichen Streit von ihrem Vater distanzierte, als er "Asterix" in einem millionenschweren Deal an den Verlagskonzern Hachette verkaufte. "Ausverkauf" nannte sie das.

Nicht zuletzt bricht Uderzo nun auch mit dem Geist jener Comicserie, die ihn berühmt gemacht hat. In den Reisen des Galliers über den Kontinent spiegelte die Serie, 1959 begonnen, die europäische Aufbruchstimmung nach dem Krieg wieder. Asterix kannte keine Grenzen, nur unterschiedliche Kulturen. Ob stocksteife Briten, in ihren Käse vernarrte Schweizer oder aufbrausende Korsen - dass "Asterix" die Europäer als eigenwillige, aber grundsätzlich nette Nachbarn zeigte, war sicher einer der Gründe für den Erfolg des Comics über Frankreichs Grenzen hinaus.

Aus dem spritzigen, weltoffenen "Asterix" der sechziger und siebziger Jahre wurde nach dem Tod von Co-Schöpfer René Goscinny 1977 aber mehr und mehr eine konservative Serie, durchzogen von feindlichen Tönen gegen Frauen und alles Fremde - Plattform offenbar für die selbst zunehmend verkrustenden Ansichten Uderzos, wie sie der 82-Jährige Zeichner auch in seiner jüngst veröffentlichten Autobiographie darlegt.

"Asterix & Obelix feiern Geburtstag" endet, man kann das ruhig verraten ohne dem Band die Spannung zu nehmen, mit einer seltsam unterkühlten Szene. Eine unmotiviert zusammenmontierte Doppelseite, auf der eine ganze Menge bekannter Figuren aus den früheren Abenteuern den beiden Galliern applaudieren. Zu sehen sind neben den bekannten Dorfbewohnern die schöne Falbala, der Brite Teefax und der Spanier Costa y Bravo, ebenso Cäsar, Cleopatra und jene unermüdlichen Piraten, die bisher jedem Schiffsuntergang mit bewundernswertem Stoizismus getrotzt haben. Obelix - obskurer Höhepunkt des Ganzen - trägt in diesem Bild HipHop-Klamotten, Old-School, Achtziger-Jahre-Style. Wie schön wäre es gewesen, diesem Schlussbild eine Geschichte voranzuschicken, in der die liebgewonnenen Figuren tatsächlich noch einmal agieren.

Kichererbsenbrei statt Wildschweinbraten

Doch den Namen Abenteuer verdient die mühsam zusammenkonstruierte Geschichte, die den neuen Band zusammenhalten soll, nun wahrlich nicht. Sie beginnt damit, dass ein Erzähler sich Gedanken darüber macht, wie es wäre, wenn Asterix und Obelix wirklich um 50 Jahre gealtert wären. Als rüstige Greise mit Kind, Enkelkind und Kichererbsenbrei statt Wildschwein schwärmen sie im Jahr 1 nach Christus von vergangenen Zeiten und klagen darüber, dass das Leben im Alter keinen Spaß mehr mache. Bis es den beiden zu viel wird: In einem halsbrecherischen Twist der Story outet sich plötzlich Albert Uderzo persönlich seinen beiden Figuren gegenüber als Schuldiger hinter deren Alterungsprozess. Obelix haut den Zeichner, der sich selber zeichnet, daraufhin vor Wut aus dessen Schuhen.


Beim Teutates! Uderzo als Figur in seiner eigenen Serie, das ist nicht nur die endgültige Verschmelzung von Genie und Hybris, sondern auch die erzählerische Bankrotterklärung des steinreichen Künstlers. Die Geschichte, so man sie denn so nennen will, lässt sich am ehesten als Meta-Comic begreifen, in dem Uderzo den Versuch unternimmt, all jene kleinen, kleineren und winzigen "Asterix"-Stückchen aus den letzten Jahrzehnten, die bisher nicht Aufnahme in die vorherigen Alben fanden, zu einem Ganzen zu verbinden.

Was Uderzo dabei als Ausgangsmaterial dient, taugt nur leider häufig gar nicht dafür: Zeitschriftencover, Briefmarkenentwürfe, Bewegungsskizzen der Figuren, Darstellungen aus einem Katalog für einen Vergnügungspark und vieles andere mehr müssen herhalten - aufgehängt an einem dürren roten Faden, der mal als Erzählung eines Reiseführers daherkommt, mal als Museumsrundgang, mal als bemüht witzige Grübelei über modische Alternativen für die Hauptfiguren - oder gar als marketinggerechter Bericht über die Dreharbeiten zu den Verfilmungen der Asterix-Comics.

Dekonstruktion mit dem Holzhammer

Anscheinend alles, was noch irgendwo im Studio herumlag, wird für den Jubelband mittels Photoshop zusammen gekleistert. Selbst ein mehrseitiger Prosatext, den "Asterix"-Miterfinder René Goscinny in den Sechzigern über das gallische Straßensystem verfasste, fand illustriert in den Band Eingang. Der ist, im Gegensatz zum meisten, was Uderzo hier vorlegt, sogar witzig. Motto: "Veni, vino, violi" ("Ich kam, ich trank, ich baute einen Unfall").

Es ist anzunehmen, dass dies nun wirklich das Ende von Asterix ist, wie wir ihn kannten. Darin liegt vielleicht sogar die Chance für einen Neuanfang: Mit dem Verkauf an Hachette sind bereits alle Weichen gestellt für weitere Abenteuer, die nicht von Uderzo stammen. Dessen letzte Worte als seine eigene Comicfigur sind eindeutig. "Ich tu's auch nie wieder", nuschelt er, nachdem Obelix ihm das Gebiss heraus gehauen hat.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 232 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.07.2011 von derUser: Die Lorbeeren des Cäsar

Der betrunkene Obelix über den betrunkenen Majestix: "Latürnich! Recht hat er der Dingsbums!" mehr...

04.07.2011 von muzatimbo: Ruhrpott

Also der allerbeste ist natürlich aus 'Streit um Asterix' auf Ruhrpott erste Seite, Schild am Haus: "Nich am Hund packen!" und 'Quit est ambach'* (lat: Was ist los) gnnnnnng mehr...

04.07.2011 von mythenmetzel: ...

Hab jetzt nicht jede Seite dieses Threads gelesen und weiß nicht ob das schon zitiert wurde, ist aber eine meiner absoluten Lieblingsdialoge aus "Die Trabantenstadt": Cäsar: "Nachdem ER ganz Gallien erobert hatte [...] mehr...

24.06.2011 von Gwynplaine: Asterix und der Kupferkessel

Eleonoradus: He! Ihr zwei! Habt Ihr schon mal Theater gespielt? Asterix: Wir? Nein! Eleonoradus: Möchtet Ihr's denn tun? Astrix: Ist es gut bezahlt? Eleonoradus: Ihr habt also noch nie Theater gespielt! [...] mehr...

17.06.2011 von eigentlicher_Schwan:

Einer meinte gar, die Schweiz wäre vor allem "flach". ;)) Ich schätze aber, hier war der Dada gemeint... Dazu passt der lautmalerische, obsessive Kurzgedichtvortrag ("Kuckuck!") "Eine [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Literatur
alles zum Thema Asterix

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen







TOP



TOP