Von Marianne Wellershoff
Manchmal könnte man meinen, dass viel zu viele Menschen singen, Fußballspieler, Politiker oder Schauspieler etwa. Aber das ist natürlich falsch gedacht, denn in Wahrheit wird viel zu wenig gesungen. Vor allem Babys sollte viel vorgesungen werden, weil sie Musik lieben und weil Musik intelligent macht und beruhigt. Aber viele Kinder müssen sich auf klassische Wiegenlieder aus der Spieluhr beschränken: In den Kindergärten haben die Erzieher zu wenig Zeit zum Singen - schuld sind die tristen Betreuungsschlüssel. Und in den Jugendmusikschulen, wo Eltern Zugang zu Liedern und Liedgut finden könnten, gibt es lange Wartelisten. Deshalb ist es in Deutschland schlecht bestellt um die musikalische Früherziehung.
Das will der Opernsänger Cornelius Hauptmann ändern. Gemeinsam mit dem SWR 2 und dem Carus-Verlag überzeugte er 52 Sängerinnen und Sänger, darunter Opernprominenz wie Jonas Kaufmann und Christoph Prégardien, 52 Wiegen- und Schlaflieder einzusingen. Echtes Volksgut gehört dazu wie "Kindlein mein" und zu Volksliedern gewordene Komponistenwerke wie "Guten Abend, gute Nacht", das Johannes Brahms schrieb. Die ersten 26 Stücke sind jetzt auf der CD "Wiegenlieder" erschienen; zur Box gehört ein dickes Booklet mit den Liedtexten und Biografien der Sänger (der zweite Teil kommt im März 2010 heraus). Vom 28. November an sendet der SWR 2 jeweils samstags um 19.05 Uhr ein Wiegenlied. Wer den Termin verpasst, kann das Lied zusammen mit den Noten herunterladen ( SWR 2 oder Wiegenlieder).
Mögen Babys perfekt ausgebildete Stimmen?
Allerdings sind von Opernstars gesungene Kinderlieder nicht jedermanns Sache: Wer bösartig sein will, könnte sagen, die Aufnahmen seien so fragwürdig wie Peter Hofmanns Interpretation der Beatles-Lieder.
Und überhaupt: Mögen Babys eigentlich perfekt ausgebildete Stimmen? Was sie ganz bestimmt am liebsten hören, das sind die Stimmen der Eltern. Deshalb gibt es auch eine rein instrumentale Mitsing-CD, die einem von Frank Walka aufwendig illustrierten Notenbuch beiliegt (auch die Mitsing-Version kann beim SWR 2 heruntergeladen werden). Außerdem bringt der Carus-Verlag noch einen Klavierband heraus, für alle Familien, in denen gemeinsam musiziert wird. Mehr kann man eigentlich nicht tun, um Wiegenliedern neue Wertschätzung zu geben.
Und doch ist das immer noch nicht genug des Guten: Pro verkaufter CD werden zwei Euro an die Kinderhilfsaktion "Herzenssache" gespendet, die sich für das Singen mit Kindern einsetzt - die Aktion wurde von SWR und SR ins Leben gerufen. Schirmherrin des Projekts ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die könnte die Lieder gut dazu nutzen, den schlaflosen Nächten des Finanzministers Wolfgang Schäuble ein Ende zu bereiten.
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Wenn man die Namen der Stars durchgeht, die jeder deutlich mehr als eine eigene CD produziert haben und auf nationalen und internationeln Bühnen gefragt sind, ist es meines Erachtens unwahrscheinlich, dass diese prominenten Sänger [...] mehr...
Ein "Projekt zur Förderung des Schlafliedes" ist in jedem Falle sinnvoll. Was mich nur immer wieder wundert bei solchen Projekten, die in aller Öffentlichkeit, noch dazu unter der Schirmherrin Angela Merkel "vor [...] mehr...
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