John Madison hat ein Buch über die Deutschen geschrieben. John Madison? War der nicht mal US-Präsident? Nein, der hieß James Madison, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts amerikanisches Staatsoberhaupt und ist mithin schon lange tot. John ist immerhin auch Amerikaner, befindet sich aber als 1978 Geborener in seinen besten Jahren. Als er in seinem Elektrotechnikstudium seinen Notendurchschnitt verbessern wollte, kam er auf die Idee, Deutschkurse zu belegen. Und da nahm das Schicksal seinen Lauf.
Der Mann aus Oklahoma City flog eines Tages nach Deutschland, um in Hamburg ein Praktikum zu absolvieren. Später kam ein Jahr als Austauschstudent in München hinzu. Und einmal im Berufsleben angekommen, schickte ihn sein deutscher Arbeitgeber aus South Carolina nach Reutlingen und Salzgitter.
John Madison hat sich in Deutschland fleißig gewundert über die Deutschen und ihre Gebräuche und Eigenarten, zunächst auf seiner Website www.nothingforungood.com, jetzt im entsprechenden Buch. "Das Erste, das uns Amerikanern an Deutschen auffällt, ist, dass sie brutal ehrlich sind. Wenn man auch nur im Geringsten übergewichtig ist, kann man damit rechnen, dass 75 Prozent der Deutschen einen mindestens einmal darauf hinweisen, dass man dick ist", schreibt Madison, der auf dem Foto vorne im Buch irgendwie ein bisschen dick aussieht. Die Übersetzerin von Madisons Texten meint übrigens, wenn Deutsche einen Amerikaner "dick" nennen, sei das keine brutale Ehrlichkeit, sondern bereits der Zuckerguss. In Wirklichkeit meinten sie "obszön fett", seien aber zu höflich, es auszusprechen.
In Deutschland hat Madison gelernt, sich vom Begriff "Ami" nicht irritieren zu lassen, schließlich werde man als Michael ja auch "Michi" gerufen. Werde das Wort "Ami" jedoch mit einem Zusatz versehen, sollte man wissen, dass es abfällig gemeint sei. "Dann ist es okay, aus der Fassung zu geraten."
Ingo Schiweck, buchreport
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