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16.12.2009
 

Vorgelesen

Die besten Bücher zu Weihnachten

Von Ulrich Baron, Daniel Haas und Sibylle Mulot

Johnny Depp weiß, wie man Schiffe kapert. Und sein Bruder entert den Buchmarkt! Ein Fest!Zur Großansicht
DEFD

Johnny Depp weiß, wie man Schiffe kapert. Und sein Bruder entert den Buchmarkt! Ein Fest!

Höchste Zeit, die Buchhandlungen zu entern: Weihnachten rückt näher! Welche Bücher man am besten erbeutet, das verraten die Kritiker von SPIEGEL ONLINE. Die besten Krimis, Gedichte, Erzählungen und Sachbücher - zum Verschenken und Überraschen.

Thomas Gsella: "Warte nur, balde dichtest du auch! Offenbacher Anthologie"
(Ullstein, 105 Seiten, 7,95 Euro)

"Wenn wir auf die Geschichte der Literatur blicken", schreibt der Kritiker Ulrich Greiner, "dann begegnet uns ein verwirrender Reichtum an Formen." Wie verwirrend die Poesie tatsächlich sein kann, das beweist die Gedichtsammlung "Warte nur, balde dichtest du auch". Wer da alles Verse schmiedet: Eskimos! Jet-Piloten! Basketballspieler! Ziegenhirten! Sie und viele andere kuriose Zeitgenossen sind mit ihrem schönsten Gedicht vertreten. Hinzu kommt die Interpretation berühmter Feuilletonisten, von Enzensberger bis Willemsen.

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Das Beste aber ist: Diese "Offenbacher Anthologie" (Untertitel: "Nicht herausgegeben von Marcel Reich-Ranicki") hat der ehemalige "Titanic"-Redakteur Thomas Gsella komplett alleine geschrieben. Und weil Gsella ein literarischer Stimmenimitator und Quatschmacher erster Güte ist, ist das Kompendium der totale Wahnsinn. Kleine Kostprobe: "Sonne auf dem Bauch/ Lungen voller Rauch/ In meinem Pool/fühl ich mich/sauwool." So lautet das Gedicht eines gewissen Branimir Dukic, "ehemaliger UCK-Geheimoffizier" und "heute Bauunternehmer".

Die (fiktive) Rezension dazu stammt aus der Feder eines "FAZ"-Redakteurs, der vom "Anti-Humanismus" des Textes schwärmt und auch gleich ein weiteres Gedicht zitiert: "Scheiß auf die Loser/Hauptsache, uns geht's gold". Nach der Lektüre dieser herrlichen Literaturparodie mit Sicherheit. Daniel Haas

Eudora Welty: "Ein Vorhang aus Grün"
(Erzählungen. Kein & Aber Verlag, 368 Seiten, 19,90 Euro)

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Wie diese Autorin zu lauschen versteht: Als sei Eudora Welty (1909 - 2001) während der großen Depression in den dreißiger Jahren zufällig vorbeigekommen und habe alles mit ihrem Schreibblock registriert. So steht man vom ersten Satz an neben den Figuren dieser Texte, lauscht ihren (Selbst-)Gesprächen wie ein Zeitreisender.

Endlich sind die Geschichten dieser großen Südstaaten-Dichterin wieder greifbar - in einer Auswahl aus ihren ersten drei Erzählbänden. Ihre nichtveraltende Prosa ist sensationell. Wer Welty noch nicht kennt, kann sich freuen: auf Perlen der Prosakunst und auf großartige Stücke dargestellten Lebens. Auf Menschen mit Zielen - rührenden, ernsten, komischen - und oft genug dem, in Würde zu überleben. Sibylle Mulot

Salvatore Bono: "Piraten und Korsaren im Mittelmeer. Seekrieg, Handel und Sklaverei vom 16. bis 19. Jahrhundert"
(Aus dem Italienischen von Achim Wurm. Klett-Cotta, 281 Seiten, 24,90 Euro)

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Wer dieses Buch gelesen hat, versteht besser, warum Seeräuberei noch heute floriert. Lange bevor Piraten zum Fluch der Karibik wurden, waren sie die Plage des Mittelmeers. Beiderseits der Scheidelinien von muslimischer und christlicher Welt und in den Piratennestern Nordafrikas tricksten Korsaren ganze Kriegsflotten aus. Oder sie gingen, durch offizielle Kaperbriefe legitimiert, auf Fahrt, deren italienische Bezeichnung "corso" ihnen den Namen gab.

Der Historiker Salvatore Bono beschreibt die Kaperfahrten der Barbaresken des Maghreb und der christlichen Malteser- und Stephansritter: Die Hölle an Bord offener Galeeren, die Leiden der Rudermannschaften und die Aufteilung des Gewinns, der durch den Freikauf Gefangener noch gesteigert wurde. Ulrich Baron

Daniel Depp: "Stadt der Verlierer"
(Deutsch von Regina Rawlinson, C. Bertelsmann, 320 Seiten, 19,95 Euro)

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Es gibt Leichteres, als der ältere Halbbruder Johnny Depps zu sein. Daniel Depp hat das Beste daraus gemacht - als Drehbuch- und jetzt als Krimiautor. Bevor der Held seines Debütromans David Spandau Privatdetektiv wurde, hat er als Stuntman in Hollywood und als Rodeoreiter gearbeitet. Eine gute Vorschule in einer Stadt, wo vor und hinter der Kamera mit harten Bandagen gekämpft wird.

Spandaus Klient ist der Filmstar Bobby Dye und wird erpresst. Mit seiner mal unwiderstehlichen, mal unausstehlichen Art macht er seinem Beschützer das Leben so schwer, dass man sich an Chandlers "Der lange Abschied" erinnert fühlt.

Als Krimi wie als Insiderroman aus der gar nicht so glänzenden Filmwelt lässt dieser starke Auftritt hoffen, dass Daniel Depp mit der Arbeit am zweiten Band bald fertig ist. Ulrich Baron

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