SPIEGEL ONLINE: Sie schreiben absurd brutale Thriller, in denen alles kaputt ist und glückliche Ausgänge nicht vorgesehen sind. Ebenso radikal, herausfordernd und gewöhnungsbedürftig ist Ihr Stil. Trotzdem werden Sie weltweit von Kritikern beklatscht und verkaufen gut. Was finden die Leute an so viel geballter Tristesse?
Peace: Das erstaunt mich auch immer wieder. Ich weiß ja, dass meine Bücher finster sind und mein Stil, nun ja, schwierig ist. Ich biete eine Kombination, für die man mit klarem Kopf kein Publikum erwarten kann. Dennoch war ich besonders in England in letzter Zeit erstaunlich erfolgreich. Mein "Red Riding Quartett" wurde für das Fernsehen verfilmt, war ein Quotenhit und multiplizierte meine Buchverkäufe. Und mein Fußball-Tatsachenroman "The Damned United" hat sich dort mehr als eine halbe Million mal verkauft und wurde ebenfalls verfilmt. Glauben Sie mir: Ich staune auch, aber wahrscheinlich werden viele meiner Bücher nicht gelesen.
SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?
Peace: Zum einen gibt es nicht wenige Menschen, die Bücher nach guten Kritiken kaufen, aber nicht wirklich wissen, worauf sie sich da einlassen. Und bei mir haben garantiert viele nach wenigen Seiten einen Schock bekommen und das Buch für immer weggelegt. Außerdem ist mein größter Bestseller, das Fußballbuch, auch mein zugänglichstes, was den Stil betrifft. Wer das also mochte und sich dann eins meiner anderen Werke besorgte, könnte unangenehm überrascht worden sein.
SPIEGEL ONLINE: Es bleiben viele Leser, die von Ihren Büchern beeindruckt sind.
Peace: Was England angeht, ist das auch ein beruhigendes Zeichen. Der Buchmarkt dort hat sich in den vergangenen Jahren sehr konservativ entwickelt. Dass meine Bücher überhaupt ein Thema sind, sollte für andere experimentierfreudige Autoren eine Ermunterung sein. Mein Verleger hat meinen Lektor sogar schon aufgefordert, den "nächsten David Peace" aufzutreiben. Das ist bizarr, aber freut mich natürlich.
SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie ihre Manuskripte früher in schöner Regelmäßigkeit zurückbekommen haben?
Peace: Ja, und das mit tollen Briefen wie "Bitte sehen sie davon ab, uns jemals wieder etwas zu schicken" oder "Sie sollten nicht davon ausgehen, dass Sie von Literatur je leben können". Das war teilweise sicher wirklich nett gemeint. Aber damals wusste ich bereits, was ich auch heute jedem Autor raten würde: Schreibe immer nur für dich und niemals, um anderen zu gefallen. Wenn man an sich glaubt, wird man irgendwann seine Chance bekommen. Das muss man sich allerdings leisten können.
SPIEGEL ONLINE: Wovon lebten Sie, während Ihre Manuskripte abgelehnt wurden?
Peace: Ich habe lange als Lehrer gearbeitet. Tagsüber unterrichtet. Nachts geschrieben.
SPIEGEL ONLINE: Wie schwierig ist es, nach dem Schreiben so düsterer Stoffe entspannt mit den eigenen Kindern zu spielen? Lassen Sie Ihre dunklen Phantasien im Arbeitszimmer?
Peace: Das ist wirklich schwierig, ohne hier allzu dramatisch klingen zu wollen. Als ich den zweiten Band meiner Tokio-Reihe recherchierte, las ich Protokolle über das, was in Japan mit manchen Kriegsgefangenen geschehen war. Dinge, die man sich weder vorstellen kann noch möchte, die aber in diesen Akten festgehalten waren, die im Auftrag der Sowjetunion damals bei Prozessen entstanden. Mein Bild von Japanern verfinsterte sich massiv, obwohl ich wusste, dass das Quatsch ist. Ich lebte in Tokio, fühlte mich wohl dort, wurde aber den Horror dieser Akten kaum los. Man muss sich dann ablenken. Mir hilft Fußball. Wenn ich nach einem quälenden Tag ein Spiel schaue, radiert das alle bösen Gedanken aus. Zumindest für ein Weilchen. Aber meine Frau würde das abstreiten. Das Schreiben des zweiten Tokio-Buchs hat mich sehr mitgenommen. Ich habe oft darüber nachgedacht, ob ich hinschmeißen soll, um meinen Verstand zu retten. Aber da ich in meinem Leben ohnehin nur zwölf Romane schreiben werde, habe ich mich zusammengerissen.
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Hierzu passt m. M. n.: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenter stieg und verschwand." v. Jonas Jonasson. Stand auch schon auf der Bestsellerliste des Spiegel. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und [...] mehr...
Ich verschlinge alles von John Irving und warte schon sehnsüchtig auf sein neues Buch, das im Mai kommt. Besonders gut udn empfehlenswert: The New Hampshire Hotel Owen Meany The Cider House Rules Genial! mehr...
Übersetzungen sind nie so gut wie das Original, sagt die Binse, und die hat zuweilen doch recht. Ist mir aufgefallen bei den Übersetzungen der Romane von T. C. Boyle. Die sind sogar sehr gut, aber im Deutschen ist es schlicht [...] mehr...
Ach... das ist aber umständlich. Man legt einfach irgend ein Lesezeichen in den Anhang (den Kassenzettel vom letzten Einkauf, die Stellenanzeige, auf die man sich bewerben wollte oder den Wisch mit dem 4-stelligen Zahlencode [...] mehr...
Ja - irgendwie blöd mit den Anhängen, aber oft so hilfreich. Für mich habe ich die Lösung gefunden: ich kopiere den Anhang, mir ist das vor- und zurückblättern einfach zu lästig. mehr...
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