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25.01.2010
 

Escobar-Biografie

Mörder, Drogenhändler, Sadist

Von Christoph Dallach

Aus einem Geschäft von Kleinkriminellen machte Pablo Escobar eine internationale und brutale Kokain-Handelsorganisation. Eine spannende Biografie dokumentiert Auf- und Abstieg des mächtigsten Drogenhändlers aller Zeiten.


Als Kind war Pablo Escobar ein großer Naturliebhaber, der jedesmal Tränen vergoss, wenn sein Vater einen Baum fällte - das behauptete zumindest seine Mutter. Später ließ er in seiner Heimatprovinz Antioquia in Kolumbien angeblich mehr als eine Million Bäume pflanzen und empörte sich in Artikeln, die er für die Zeitung seines Onkels verfasste, über den "mangelnden Weitblick von Leuten, die Bäume fällen". Dass er auf seinen Anwesen viele Bäume pflanzen ließ, hatte allerdings weniger mit Escobars vermeintlicher Naturverbundenheit zu tun, sondern mit dem kalten Kalkül, mit dem er so vieles anging. Bäume, so berichteten später seine Mitarbeiter, sollten ihm Schutz bieten vor den Helicoptern der Polizei und Deckung, wenn er sich Hals über Kopf aus dem Staub machen musste.

Denn Pablo Escobar war kein Naturfreund, sondern ein Schwerverbrecher, ein Mörder, Dieb, Schmuggler, Sadist, Entführer und der erfolgreichste und mächtigste Drogenhändler aller Zeiten. Den Kokainhandel verwandelte er in den achtziger Jahren von einem Kleinkriminellen-Geschäft in eine straff, brutal und effektiv organisierte Großindustrie.

Zeitweilig soll er an der Spitze des berüchtigten "Medellin-Kartells" 80 Prozent des globalen Kokainverkäufe kontrolliert haben. Auf der "Forbes"-Hitliste der Superreichen wurde er 1989 auf Platz sieben geführt. Zeitweilig soll er mehr als 1,5 Millionen Dollar pro Tag verdient haben. Wer ihm im Weg war, wurde bestochen oder eliminiert. Er ließ Richter, Minister, Polizisten, Journalisten und Konkurrenten hinrichten und Gebäude mit Beweismitteln und Justizbeamten sprengen. Kurzum, er führte einen Krieg gegen den Staat, unter dessen Folgen Kolumbien bis heute leidet.

Escobar starb vor 17 Jahren und gilt immer noch als düstere Legende. Oliver Stone will sein Leben verfilmen, Rapper wie Nas verehren ihn, und im Videospiel "Grand Theft Auto" ist der Flughafen nach Escobar benannt.

Ein akkurater Blick auf Escobars Leben ist schon deshalb schwierig, weil die meisten der Beteiligten tot sind. So ist bei vielen Geschichten über ihn nicht klar, wo die Wahrheit endet und die Legende beginnt.

Nun ist dem Briten James Mollison mit "Escobar" ein erstaunliches Buch gelungen. Für seine aufwendige Biografie recherchierte Mollison, der eigentlich Fotograf ist, mit Unterstützung des Journalisten Rainbow Nelson ausgiebig. Sie befragten im Gefängnis einsitzende Killer Escobars, seine Verwandten und auch seine Jäger von der kolumbianischen Polizei. Sie sammelten zahlreiche Bilder, die das Leben Escobars dokumentieren, und kombinierten sie geschickt mit den Texten. So entstand ein spannendes Porträt eines ungewöhnlichen Schwerverbrechers.

Schnappschüsse von Killern mit Bierbauch in Badehosen

Gelungen ist das Buch, weil es den Autoren gelingt, neutral zu bleiben und Escobar nicht zu glorifizieren und zu verklären. Denn obwohl er in den Armenvierteln seiner Heimat, wo er Siedlungen bauen ließ, noch verehrt wird, war er nie ein Robin Hood. Vielmehr entblößen viele der Bilder und Geschichten das Profane des Bösen. Schnappschüsse von Killern mit Bierbauch in Badehosen, von Escobars Sexspielzeugen oder der Party zum zwölften Geburtstag seines Sohnes, aber auch die Leichen, die er auf dem Gewissen hat, die zertrümmerten und zerrissenen Menschenkörper sind abgebildet.

Letztlich war Escobars Leben wahnwitziger als jeder Hollywood-Gangsterfilm und ohne Happy End. Dem Elend vom Ende räumen die Autoren so viel Platz ein wie dem rasanten Aufstieg. Zum Finale war Escobars sagenhaftes Vermögen verschollen und verplempert, seine Familie auf der Flucht und die meisten seiner Freunde tot oder verhaftet. Am 2. Dezember 1993 wurde Pablo Escobar von kolumbianischen Sicherheitskräften erschossen. Er war 44. Zu seiner Beerdigung kamen mehr als 20.000 Menschen.


Buch James Mollison: "Escobar". Nähere Angaben siehe oben links.

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insgesamt 11 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.01.2010 von dent42: einen Titel für den Beitrag

Noch viel Wurschter ist wohl ihr Kommentar. Das mit dem Film ist nix neues, nur das Stone nicht Regie führt, den Trailer gibts auch schon ewig im Netz. http://www.youtube.com/watch?v=kotmPFDHRRQ mehr...

25.01.2010 von saul7: ++

Mein Interesse an diesem Menschen, der Hunderte von Opfern auf dem Gewissen hat, ist gleich null. Seine Vita ist mir wurscht! mehr...

25.01.2010 von Stefan Albrecht: Wahrscheinlich haben Sie recht

Wahrscheinlich haben Sie recht, aber daran sind weniger die Foristen und Pablo Escobar als vielmehr George W. Bush und seine infamen Konsorten alla Rumsfeld schuld, die in ihrem Verhalten nicht besser sind als Escobar. mehr...

25.01.2010 von laeufergott: Kennt man einen, kennt man alle?

Ja, stimmt - zweiteres zumindest! Der Film "American Gangster" behandelt das gleiche Thema. Und trotzdem sind beide(!) Filme sehenswert. Warum sollte es nicht auch noch den ein oder anderen weiterer sehenswerten Film [...] mehr...

25.01.2010 von dionysia: Escobar heute:

Würde Escobar heute sein Unwesen treiben, wäre SpOn voll von antiamerikanischen Hasstiraden seiner Foristen, die ihn nur als eine Erfindung des CIA und der DEA oder deren Strohmann abtäten, um damit Geld, Macht und Kontrolle zu [...] mehr...

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Buchtipp

Random House

James Mollison: "Escobar"

Aus dem Englischen von Simone Salitter und Gunther Blank. Wilhelm Heyne Verlag, München; 416 Seiten; 16 Euro.

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