Von Nora Reinhardt
Die Literatur, so scheint es, wird zurzeit im großen Stil entprivatisiert. Der moderne Leser liest nicht mehr nur alleine zu Hause, das ist out, und der moderne Schriftsteller schreibt nicht mehr nur. Er muss seine Texte auch vortragen können.
Ein guter Schuss Musik
Die Steigerung der normalen Lesung ist das Literaturfestival: eine Zusammenballung von Lesungen, meist versetzt mit einem guten Schuss Musik. Mit gutem Beispiel ging das LAN-Festival in Berlin voran, das 2009 nur drei Tage brauchte, um 18 Autoren zu präsentieren.
Ein neues Literaturfestival in Hamburg ist noch schneller: Das sogenannte HamLit am Donnerstag, 4. Februar, braucht nur eine lange Nacht, um 18 Autoren zu präsentieren. Obendrein gibt es Musik von Gustav und Gisbert zu Knyphausen, und DJ Floschiedler legt auch noch auf.
Die Veranstalter des Hamburger Festivals kennen sich mit dem Trend aus: Alexander Gumz, 35, hat das Berliner LAN-Festival mitbegründet, und Lucy Fricke, 35, veranstaltet jedes Jahr die "Lange Leipziger Lesenacht".
Der Name HamLit ist nicht nur ein wahnwitziges Shakespeare-Wortspiel, sondern auch ein wunderschönes Silbenkurzwort aus Hamburger Literaturfestival. Wahrscheinlich wird es ein Event, bei dem die "Dichteravantgarde liest" und das "Szenepublikum immer betrunkener" wird, wie Stefan Beuse in seiner "Gebrauchsanweisung für Hamburg" mal schrieb. Der Autor der weisen Worte ist eine Größe der Hamburger Literaturszene und wird ebenfalls bei "HamLit" lesen.
Literatur im Club
Drei Grüppchen gibt es, die in verschiedenen Räumen eines Hochbunkers lesen, der in Hamburg "Medienbunker" genannt wird und die Clubs "Uebel und Gefährlich" im vierten und "Terrace Hill" im fünften Stock beherbergt. "Herumlaufen ist erlaubt und erwünscht, wir werden die Türen nicht schließen", sagt Gumz.
Gruppe eins im Ballsaal des "Uebel und Gefährlich" wird sicher die meisten Zuhörer anziehen, dank mehr oder weniger bekannter Namen wie Clemens Meyer, Verena Roßbacher, Kristof Magnusson und Finn-Ole Heinrich. Damit die Mischung stimmt, lesen und performen noch der Lyriker Jan Wagner und der Beatboxer Dalibor. Prominentester Autor außerhalb dieser Runde ist der Bachmann-Preisträger Tilman Rammstedt, der im Stock drüber im "Terrace Hill" liest.
Wem die Eventisierung von Literatur auf die Nerven geht, der muss eines anerkennen: Die Autoren stellen sich tapfer dem Live-Vergleich mit ihren Autorenfotos, die oft durch ulkige Posen und seltsames Arrangement zu Spötteleien führen.
Das schönste Foto des Festivals übrigens hat Benjamin Maack.
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Hauptsache hip im Bunker mit Szene. Viel mehr erwartet ja sowieso kein Mensch in Hamburg. Vielleicht noch ein paar DJs dazu? Wieso habe ich das Gefühl, dass genau diese alten Klischees uns nun seit bald 20 Jahren als "cutting [...] mehr...
Wie immer in der Mainstreampresse, die von moderner Literatur, erst recht von Lyrik, keinen blassen Schimmer hat. Ein paar Absätze, zusammengeschustert aus den Presseinformationen, ein paar Bildchen, zu denen nichts besseres [...] mehr...
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