Von Jörg Böckem
Zu Beginn des Jahres wurde es plötzlich eng für den Comic-Salon Erlangen: Die Verantwortlichen im Kulturamt der fränkischen Stadt dachten laut über die Zukunft ihrer drei Großveranstaltungen nach - über das Poetenfest, das Figurentheaterfestival und den Comic-Salon. Erlangen, hieß es von Seiten der regierenden CSU, könne sich nur noch zwei Festivals leisten. Schließlich wurde das Figurentheaterfestival 2011 abgesagt; der Comic-Salon, Deutschlands größte, wichtigste und bunteste Branchenleistungsschau, war gerettet.
Es scheint, als gäben sich die Verantwortlichen in diesem Jahr besondere Mühe, den Fortbestand ihrer Veranstaltung zu rechtfertigen. Der 14. internationale Comic-Salon widmet sich den ganz großen Themen: der Evolutionsgeschichte, Gott und der Schöpfung, Mord und Mauerfall, Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Lustig soll es werden, aber auch tiefsinnig.
Mecki und die Peanuts
Wie in jedem Jahr wird die zentrale Messe, auf der die deutschen Verlage in Anwesenheit von rund 300 Künstlern ihre Publikationen präsentieren, von zahlreichen Veranstaltungen flankiert. Es gibt Filme und Diskussionen; die Jubiläen der Peanuts und des Comic-Igels Mecki werden mit Ausstellungen gefeiert, weitere widmen sich Geistern und Mördern, der Kindheit in Ost und West und religiösen Themen im Comic.
Einer der Höhepunkte wird wohl die Ausstellung des Berliner Zeichners Jens Harder sein, der sich in seinem fulminanten Großwerk "Alpha ... Directions", dem ersten Band einer Trilogie, der Evolutionsgeschichte angenommen hat. Harders Werk, das in Frankreich schon für Furore und hitzige Debatten gesorgt hat, gehört zu den Nominierten für den Max-und-Moritz-Preis. Für die Preisverleihung wurden illustre Namen verpflichtet - neben Dennis Scheck, der auch als Jurymitglied fungiert, moderiert Hella von Sinnen die Gala. Die kann man mögen oder, mit guten Gründen, auch nicht - angesichts der etwas nervigen und unsouveränen Penetranz, mit der die Veranstalter in ihren Presseerklärungen den Comic zur "grafischen Literatur" verklären und auf die Anerkennung als Kunstform pochen, kann dem Comic-Salon aber ein wenig Lockerheit nicht schaden. Irgendwann kommt noch jemand auf die Idee, das Ganze zum "Grafische Literatur und Kunstform Salon" umzuetikettieren.
Allem Kunst- und Literaturgetrommel zum Trotz wird es in Erlangen eine Fülle großartiger Comics geben, die zum Staunen, Lachen, Träumen anregen - oder ihre Leser gar erregen. Dafür sorgt schon der große Erotik-Altmeister Milo Manara.
Ach ja, und das Figurentheater wird im nächsten Jahr dann doch stattfinden - ein Sponsor aus der Wirtschaft hat den Fortbestand der Veranstaltung gesichert.
Comic-Salon Erlangen. 3.-6. Juni 2010.
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