Von Stefan Pannor
Ein Lebenswerk: Von 1970 bis 2004 schrieb Stephen King, sonst für sein unbändiges Tempo beim Verfassen von Romanen bekannt, an der siebenbändigen Saga "Der dunkle Turm". Nicht nur wegen der langen Entstehungszeit ist es das ungewöhnlichste Werk im Schaffen des Autors. Auf knapp 4000 Buchseiten vermengt King Elemente des Westerns mit Fantasy und Science Fiction. Das Ergebnis ist eine Art Sergio Leone in Endzeitstimmung: Finstere, schmutzige Revolvermänner reiten durch eine komplett aus den Fugen geratene Ödlandschaft, aus der jeder Zeit ein Monster hervorbrechen kann.
Die Bilder dazu lieferte Jae Lee in seinen Comics zum "Dunklen Turm". Die sind nicht nur simple Adaptionen der Bücher, sondern von King genehmigte Erweiterungen der Geschichten. Verfasst von Marvel-Autor Peter David und King-Kumpanin Robin Furth, vertiefen die Comics die Erlebnis- und Gefühlswelt des einsamen Reiters Roland, der sich aufmacht, mit einem Pferd und zwei Revolvern die Welt vor dem Untergang zu retten, indem sie Erzählungen vom Wegesrand aufgreifen, die in den Romanen keinen oder kaum Platz fanden.
Es ist ein schauderhafter Ritt, für den Jae Lee stets die richtigen Bilder findet. Zahnlose Hexenmuhmen mit schaurigen schwarzen Katzen, zerlumpte Farmer, denen die Verzweiflung in den Augen steht, und sadistische Sheriffs, die mit wildem Blick die Bürger terrorisieren. Kein Licht, nirgends: in einem grandiosen Spiel aus schwarzen, braunen und roten Tönen erschafft Lee eine Welt aus Dreck und Dämmerung, durch die Roland reiten muss, um sein Ziel, den "Dark Tower", zu erreichen.
"Der Dunkle Turm" ist ein bleierner und blutiger Horrorwestern, eine beklemmend schöne Augenweide und deshalb nicht von ungefähr einer der erfolgreichsten Comics der letzten Jahre, bei dessen erstmaligem Erscheinen die Fans nachts vor den Comic-Shops kampierten. Auf Deutsch erscheint die Reihe in zwei Editionen: als preiswerte Taschenbuchausgabe für den Alltagsgebrauch bei Heyne, und als edle gebundene Schwarte im Überformat für Connaisseure bei Splitter. Inhaltlich sind beide Bücher identisch.
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