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01.09.2010
 

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Die wichtigsten Bücher der Woche

Meditieren hilft auch gegen "Kopfschmerzen im Becken" - sagt zumindest Tim Parks.Zur Großansicht
Corbis

Meditieren hilft auch gegen "Kopfschmerzen im Becken" - sagt zumindest Tim Parks.

Selbst Prostata-Leiden lassen sich stilvoll beschreiben, stellt Sibylle Mulot fest. Ulrich Baron zeigt sich angetan von einem Maler, der auf rätselhafte Weise verschwindet - und einem diskreten Gentleman mit dubioser Vergangenheit, dem George Clooney sein Gesicht verleihen hat.

Tim Parks: "Die Kunst stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung"
(Aus dem Englischen von Ulrike Becker)

Tim Parks ist Tim Parks ist Tim Parks, auch wenn er ein Buch über seine Prostata schreibt. Gut ging es dem Romancier wahrlich nicht mehr: Sechs mal pro Nacht raus, starke Schmerzen in Becken, Bauch und Kreuz - und dann nicht pinkeln können. Parks, 51 Jahre alt, war verzweifelt.

Die Organ-Untersuchungen ergaben nichts. Kein Krebs (sein Vater war daran gestorben), und auch sonst - nichts. Er macht eine höchst interessante Entdeckung: Sein Körper besteht auch aus Muskeln! Ein Buch mit dem Titel "Kopfschmerzen im Becken" weist ihm den Weg zur "paradoxen Muskel-Entspannung". Sie bringt Linderung. Aber die Schmerzen bleiben.

Nun muss alles auf den Prüfstand, Leben und Psyche. Etwa Heimweh? Der Engländer Parks, mit einer Italienerin verheiratet, arbeitet als Sprachprofessor in Verona. Sein Verhältnis zu Literatur, zum Schreiben? Er lebt in permanenter Selbst-Überforderung. Seine Erziehung? Vater Parks war ein disziplinierter Geistlicher, Tim Parks ist Workaholic. Nervös und verbissen kämpft er sich auch durch Wildwasser, Shiatsu-Massage und Meditations-Seminare, als könne er den verspannten Teufel mit dem verkrampften Beelzebub austreiben. Endlich trifft er auf den für ihn richtigen Guru, (einen Amerikaner), begreift Meditation, verneigt sich vor dem toten Vater, kehrt geläutert, gelockert, gebessert nach Hause zurück - und schreibt alles auf. Mit der gewohnten stilistischen Brillanz. Sibylle Mulot

Buchtipp

Tim Parks:
Die Kunst stillzusitzen
Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung.

Antje Kunstmann; 363 Seiten; 24,90 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.

Carsten Jensen: "Rasmussens letzte Reise"
(Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg)

Von seiner letzten Grönlandreise kehrte der dänische Marinemaler Jens Erik Carl Rasmussen (1841-1893) nicht mehr in sein Haus auf Ærø zurück. Sein Grab blieb so leer wie die Gräber vieler Seeleute, von denen der 1952 auf dieser Ostseeinsel geborene Carsten Jensen schon in seinem auch in Deutschland gefeierten Bestseller "Wir Ertrunkenen" erzählt hat.

Als Sohn eines Schneiders schafft es Rasmussen an die Kopenhagener Kunstakademie und legt mit Bildern seiner ersten Grönlandreise das Fundament für eine Karriere als Marinemaler. Doch seine Maxime "ich male nichts Hässliches" bremst seine künstlerische Entwicklung, macht ihn wohlhabend aber nicht zufrieden. Ihm fehlt die Radikalität eines Gauguin. Er schreckt vor der Exotik Grönlands und seiner "wilden" Eskimos zurück, hat innerlich schon Abschied genommen vom Leben, als er bei einem rätselhaften Unfall auf hoher See ums Leben kommt.

Während das Schiff mit der Todesnachricht nach Ærø zurückkehrt, schickt Jensen seinen Helden auf eine letzte Reise, eine große Verwandlung, die seine Überreste im Meer verteilt und in neuen Gestalten fortleben lässt. Im Tod wird Rasmussen zu einem Teil dessen, was er sein Leben lang auf die Leinwand gebannt hat. "Alles ist vorläufig", heißt es, alles fließt. Aber "manchmal entstehen diese Augenblicke namenloser Ewigkeit". "Rasmussens letzte Reise" beweist, dass Carsten Jensen nicht nur Gespür für Grönlands Schnee und Eis hat, sondern auch für Geschichten, in denen das Vergangene fortlebt. Ulrich Baron

Buchtipp

Carsten Jensen:
Rasmussens letzte Reise.

Knaus Albrecht; 346 Seiten; 19,95 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.

Martin Booth: "The American"
(Deutsch von Giovanni und Ditte Bandini)

Dass der Mann, der sich bei ihnen niedergelassen hat, ein Geheimnis verbirgt, spüren alle: Der Priester, mit dem er in dessen paradiesischem Garten bei altem Armagnac über Gott und Geschichte plaudert. Seine junge Geliebte Carla und auch die Männer, mit denen er seinen Espresso trinkt. Signor Farfalla nennen sie ihn, weil er Schmetterlinge malt. Aber niemand in der Stadt ahnt, dass er neben Bildern auch Werkzeuge produziert, ohne die viele Attentäter dieser Welt mit leeren Händen dagestanden hätten.

Einen "very private Gentleman" hat ihn der englische Originaltitel genannt, einen sehr diskreten Gentleman, der sein tödliches Gewerbe aufgeben will. Der sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt hat - in ein italienisches Tal, eine Stadt, eine Frau. Seine alten Reflexe aber haben ihn noch nicht im Stich gelassen. Zunächst schattenhaft taucht ein Mann auf, der ihm seinen Ruhestand nicht gönnen will.

Der britische Schriftsteller Martin Booth (1944-2004) hat dies als subtil gebremsten Thriller mit tragischen Untertönen angelegt, als Lebensbeichte eines Mannes, dessen Widersprüchlichkeit an die Gestalten Eric Amblers denken lässt. Anton Corbijns dramatisierte Verfilmung mit George Clooney, die am 16. September in die deutschen Kinos kommt, hat er nicht mehr erlebt. Wer weiß, ob Booth sein Buch darin wiedererkannt hatte, doch vielleicht hätte ihn die Pointe gefreut, dass der neue Titel "The American" den Schlüssel zu seiner Version der Geschichte enthält. Ulrich Baron

Buchtipp

Martin Booth:
The American.

Rowohlt Taschenbuch Verlag; 396 Seiten; 9,95 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.

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insgesamt 1135 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.01.2012 von coisalouca: Lesenswert!

Ich verschlinge alles von John Irving und warte schon sehnsüchtig auf sein neues Buch, das im Mai kommt. Besonders gut udn empfehlenswert: The New Hampshire Hotel Owen Meany The Cider House Rules Genial! mehr...

27.01.2012 von sophistocat:

Übersetzungen sind nie so gut wie das Original, sagt die Binse, und die hat zuweilen doch recht. Ist mir aufgefallen bei den Übersetzungen der Romane von T. C. Boyle. Die sind sogar sehr gut, aber im Deutschen ist es schlicht [...] mehr...

26.01.2012 von sophistocat:

Ach... das ist aber umständlich. Man legt einfach irgend ein Lesezeichen in den Anhang (den Kassenzettel vom letzten Einkauf, die Stellenanzeige, auf die man sich bewerben wollte oder den Wisch mit dem 4-stelligen Zahlencode [...] mehr...

26.01.2012 von sinta:

Ja - irgendwie blöd mit den Anhängen, aber oft so hilfreich. Für mich habe ich die Lösung gefunden: ich kopiere den Anhang, mir ist das vor- und zurückblättern einfach zu lästig. mehr...

26.01.2012 von Ty Coon:

Jaja, die Übersetzung von Matthias Jendis. Man hat jetzt wirklich schon viele Lobeshymnen drüber gehört, sie ist wirklich von geschliffenem Deutsch und bemüht sich offenbar sehr, den Originalton Melvilles bestmöglich zu [...] mehr...

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