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08.09.2010
 

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Die wichtigsten Bücher der Woche

Justizthriller-Spezialist Grisham: Auch mal tragische UntertöneZur Großansicht
AP

Justizthriller-Spezialist Grisham: Auch mal tragische Untertöne

Klare Handlungsgerüste, klare Fälle: Bestsellerstar John Grisham macht in seinem neuen Erzählungsband mal kurzen Prozess. Esther Kinsky erzählt in 46 Gedichten von einem signifikanten Jahr - und Carlos Busqued schickt seinen Romanhelden auf einen Roadmovie-Horrortrip.

John Grisham: "Das Gesetz"
(Aus dem Englischen von Kristiana Dorn-Ruhl, Bea Reiter und Imke Walsh-Araya)

Im amerikanischen Original heißt dieser Erzählungsband "Ford County" - benannt nach einem fiktiven Landkreis tief im Süden der USA. Hier geht alles etwas langsamer, das Leben, die Karriere, das Denken - und oft kommt nichts Vernünftiges dabei heraus. Wenn die Titelhelden der Geschichte "Blutsbrüder" im Pick-up Richtung Stadt aufbrechen, um einem verletzten Freund beizustehen, ahnt man schon beim ersten Sixpack Bier, dass die Tour im Chaos enden wird. Auch die beiden Männer, die in "Raymonds Heimkehr" ihren Bruder im Todestrakt besuchen, wissen, dass es kein Happy End geben wird. Sie kommen im Lieferwagen, weil ein Bestattungsunternehmer doch bloß Geld nehmen würde.

Das erinnert an William Faulkners "Als ich im Sterben lag", ist aber schlichter angelegt. Auch in der Kurzform setzt Grisham auf klare Handlungsgerüste, die auch hier oft von juristischen Fallstudien gebildet werden. Ein Anwalt führt in "Die Fischakten" seine Kanzlei und seine Ehe in den Konkurs, um sich dann mit der Beute aus seinem letzten Deal davonzustehlen. Ein findiger Investor entdeckt sein Herz für Indianer - genauer für deren Lizenzen zum Betreiben von Spielkasinos. Und in "Alte Freunde" hat ein Krankenpfleger Wege gefunden, am lukrativen Geschäft der Altersheim-Betreiber mitzuverdienen. Das ist unterhaltsam, amüsant und hat manchmal auch tragische Untertöne. Und am Ende ist es wie immer bei Grisham - der Fall ist so klar, dass eine Revision sich erübrigt. Ulrich Baron

Buchtipp

John Grisham:
Das Gesetz
Stories.

Heyne Verlag; 384 Seiten; 19,99 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.

Esther Kinsky: "die ungerührte schrift des jahrs"

Winter, Frühling, Sommer, Herbst - das Jahr, in dem alles geschah. Ein Roman in 47 Gedichten? Warum nicht: Umgekehrt war Kinskys Roman "Sommerfrische" ein langes Gedicht über das ferne Land Ungarn, in dem sie eine Zeit lang gelebt hat. Der schmale Gedichtband greift nun tiefer aus, ist persönlicher. Seine sorgsam verwobenen Chiffren bilden die verdichtete Schrift vieler Jahre.

Wovon erzählen sie? Von einer Landnahme. Vom Siedlungsversuch einer Einzelnen im fremden Land, beginnend mit einer brueghelschen Notgemeinschaft im Winter. "Der winter ist groß, das riefen/ die frauen/ einander zu, streuten asche vors hoftor./die vögel/ fielen aus den/ aprikosenbäumen, die kleinen/körper klangen wie spielzeug,/ wenn sie die harsche/ kruste des schnees durchschlugen." Sie berichten dann vom Frühling und den primären Dingen: Haus in Stand setzen, eine Beziehung beginnen; von sommerlichen Blumen und den Erinnerungen an Kindheit, Orte, Eltern. Sie erzählen vom Ende der neuen Beziehung ("Wir teilten schweigen/wie brot.// Beides zerfiel uns/unter der hand."), von nie vernarbten Verlusten früherer Zeiten. Sie erzählen von Tod, Zerfall und den Sternen drüber, dieser "ungerührten schrift/ des jahrs", die den September anzeigt, den ersten Reif und die Fluchtbewegungen des Herbstes.

Scheinbar lakonisch stehen die Gedichte da, vollkommen und schön - und wechseln doch das Gewand, wenn man sie laut vorliest. Da bekommen sie einen Klang von Härte, von Zorn und von Krallen - ein schillerndes Vexierspiel, das jeder sich deuten kann. Sibylle Mulot

Buchtipp

Esther Kinsky:
die ungerührte schrift des jahrs

Matthes & Seitz Verlag; 72 Seiten; 14,80 Euro.

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Carlos Busqued: "Unter dieser furchterregenden Sonne"
(Aus dem argentinischen Spanisch von Dagmar Ploetz)

Cetarti hat keinen Job und kein Einkommen aber Kabelfernsehen und Marihuana. Während er einen Film über kannibalische Riesenkalmare ansieht, erfährt er, dass er auch keine Mutter und keinen Bruder mehr hat. Cetarti baut ein paar Joints, steigt ins Auto, fährt in ein Provinznest, das im Schlamm versinkt, identifiziert die Leichen, sichtet den Nachlass, lernt einen Mann kennen, der einem gemeinsamen Alptraum von David Lynch und William S. Burroughs entsprungen scheint. Mit ihm betrügt er die Lebensversicherung. Mit ihm sitzt er später in einem Auto, das auf eine fatale Kollision zurast.

Der 1970 in Argentinien geborene Carlos Busqued schickt die Gestalten seines Debütromans auf eine irrlichternde Reise zwischen Roadmovie und Horrortrip. Unter einer furchterregenden Sonne haben die Menschen jegliches Mitgefühl verloren. Auch die Tierwelt ist grotesk mutiert, doch die Erzählhaltung bleibt distanziert, als seien die Romangestalten selbst nur sonderbare Bestien, die bald einander, bald sich selbst zerfleischen.

Den ruhenden Pol bildet ein Axolotl, wie schon ein halbes Jahrhundert zuvor in einer Erzählung von Busqueds berühmten Landsmann Julio Cortázar. Nachdem Cetarti sich endlich vom TV-Kabel abgenabelt hat, droht dem Tier der Hungertod. Doch seit man es zu füttern vergessen hat, nimmt es von der Welt ohnehin nur noch "die Leere und die träge Leichtigkeit seines Körpers wahr, die mit den Tagen wuchs". Dieses Sinnbild der Indifferenz setzt Busqueds Roman über eine furchterregende Welt voller Gewalt und moralischer Gleichgültigkeit die Krone auf. Ulrich Baron

Buchtipp

Carlos Busqued:
Unter dieser furchterregenden Sonne

Antje Kunstmann; 189 Seiten; 17,90 Euro.

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insgesamt 1135 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.01.2012 von coisalouca: Lesenswert!

Ich verschlinge alles von John Irving und warte schon sehnsüchtig auf sein neues Buch, das im Mai kommt. Besonders gut udn empfehlenswert: The New Hampshire Hotel Owen Meany The Cider House Rules Genial! mehr...

27.01.2012 von sophistocat:

Übersetzungen sind nie so gut wie das Original, sagt die Binse, und die hat zuweilen doch recht. Ist mir aufgefallen bei den Übersetzungen der Romane von T. C. Boyle. Die sind sogar sehr gut, aber im Deutschen ist es schlicht [...] mehr...

26.01.2012 von sophistocat:

Ach... das ist aber umständlich. Man legt einfach irgend ein Lesezeichen in den Anhang (den Kassenzettel vom letzten Einkauf, die Stellenanzeige, auf die man sich bewerben wollte oder den Wisch mit dem 4-stelligen Zahlencode [...] mehr...

26.01.2012 von sinta:

Ja - irgendwie blöd mit den Anhängen, aber oft so hilfreich. Für mich habe ich die Lösung gefunden: ich kopiere den Anhang, mir ist das vor- und zurückblättern einfach zu lästig. mehr...

26.01.2012 von Ty Coon:

Jaja, die Übersetzung von Matthias Jendis. Man hat jetzt wirklich schon viele Lobeshymnen drüber gehört, sie ist wirklich von geschliffenem Deutsch und bemüht sich offenbar sehr, den Originalton Melvilles bestmöglich zu [...] mehr...

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