Los Angeles - Fünf Bücher - zwei davon sind bereits für dieses Jahr geplant, ein weiteres wird eine Sammlung von Kurzgeschichten sein - wird er noch veröffentlichen, dann soll seine publizistische Tätigkeit ein Ende haben. "Das war's dann. Ich bin fertig, fertig mit dem Bücherschreiben", sagte der 54-jährige Bestsellerautor Stephen King am Sonntag in einem Interview mit der "Los Angeles Times" - ein Ausspruch, der Millionen Fans des erfolgreichen Horror-Schriftstellers eine (diesmal ungewollte) Gänsehaut verschaffen dürfte. Mit Büchern wie "Carrie", "Shining", "Es" oder unlängst "Dreamcatcher" avancierte der ehemalige Englischlehrer aus Portland, Maine, in den vergangenen 25 Jahren zur Ikone des literarischen Gruselschockers, der es in seinen Geschichten oft meisterhaft verstand, den ultimativen Horror in den Alltag amerikanischer Durchschnittsbürger einbrechen zu lassen.
Doch Kings Ansatz ist jedoch durchaus nachvollziehbar: "Man kommt an den Punkt, an dem man alle Ecken seines Zimmers erkundet hat. Dann kann man nur noch dahin zurückkehren, wo man schon oft war und im Grunde nur noch recyclen", sagte er der "Times". Als Beleg nannte er sein jüngstes Buch "From A Buick Eight", das in den USA im Herbst erscheinen soll: "Ich sehe es ja bei der Arbeit. Wenn die Leute 'Buick Eight' lesen, werden sie an 'Christine' denken: Es geht mal wieder um ein Auto, das nicht normal ist." King will lieber abtreten, so lange er noch erfolgreich ist. "Du kannst entweder weitermachen oder dir sagen, dass du immer noch gut in Form warst, als du gegangen bist."
Tatsächlich ist Kings Popularität seit Jahren ungebrochen: Sein letzter Roman "Dreamcatcher" (auf deutsch "Duddits") führte nicht nur in seiner amerikanischen Heimat die Bestsellerlisten an. Die TV-Serie "Roise Red", deren Drehbuchvorlage King schrieb, feierte am vergangenen Sonntag mit guten Quoten Premiere auf dem US-Sender ABC. Zuvor hatte er den Versuch unternommen, sich mit dem ausschließlich im Internet veröffentlichten Episoden-Roman "The Plant" von den Verlagsanstalten zu emanzipieren. Das Online-Projekt schlug zwar wegen mangelnder Durchhaltekraft der Leserschaft fehl, brachte dem Bestsellerautor aber neben einer anständigen Summe Geld jede Menge Publicity und den Ruf eines Pioniers in der Branche ein.
All diese mehr oder minder großen Erfolge feierte King, nachdem er die vielleicht schwerste Zeit seines Lebens überstanden hatte. Nachdem er 1999 von einem betrunkenen Kleintransporter-Fahrer angefahren worden war und mehrere Monate brauchte, um sich von seinen schweren Verletzungen zu erholen, hatte King dran gezweifelt, jemals wieder ein sinnvolles Wort zu Papier bringen zu können. Die Arbeit an dem Drehbuch für "Rose Red" nutzte er als Therapie: "Die Arbeit wirkte besser als jede Droge gegen den Schmerz", sagte er der "Times". "Es war anstrengend, täglich für 45 Minuten einen Stift zu halten, aber es war belebend, wieder an die Arbeit zu gehen. Ich wusste, dass ich das Eis irgendwie brechen musste."
Danach veröffentlichte King seinen Schriftsteller-Leitfaden "On Writing", das er gleichzeitig als Autobiografie und Abrechnung mit seinem Anfang der achtziger Jahre durchlittenem Alkoholismus nutzte. Mit "The Girl Who Loved Tom Gordon" ("Das Mädchen"), "Hearts in Atlantis" und "Dreamcatcher" fand der von Sinnkrisen und Zweifeln geplagte Autor schließlich wieder zu alter Form zurück. Und nun, da er "sich selbst erneut bewiesen hat, dass er schreiben kann, ist es Zeit zu gehen", sagt er. Fair enough...
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