Wolfgang Hilbig: Einer der wenigen Autoren, die sich dem Thema Stasi literarisch näherten
Darmstadt - Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat den Schriftsteller Wolfgang Hilbig am Samstag mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet. Der 61-Jährige erhielt die mit 40.000 Euro dotierte bedeutendste deutsche Literaturauszeichnung auf der Herbsttagung der Akademie in Darmstadt.
Der Schriftsteller Georg Klein würdigte Hilbig in einer Laudatio als Stifter eines Territoriums, das sich als größer und langlebiger als die DDR erwiesen habe und auch die Bundesrepublik überdauern werde.
1941 im sächsischen Meuselwitz geboren, siedelte Hilbig 1985 in die Bundesrepublik über. Er lebt heute in Berlin. Die Werke des ehemaligen Drehers und Heizers beschäftigen sich vor allem mit dem Leben der Arbeiter in der DDR und der eigenen Selbstfindung.
Der in Berlin lebende Hilbig kritisierte, dass sich "die Literatur in einem dauernden Ansturm auf die Paläste der öffentlichen Medien befindet", wo sie nichts zu suchen habe. Dieser Gedanke habe sich in ihm gefestigt, seit die Medien nach der Bekanntgabe seines Namens als Büchnerpreisträger "die Hatz" auf ihn eröffnet hätten. Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen versuchten, wie seinerzeit die Stasi, ihm sein Geheimnis zu entreißen, sagte Hilbig.
Hilbig erinnerte in seiner Rede auch an den Bau der Mauer 1961, in jenem Jahr, als Hans Erich Nossack den Büchnerpreis erhielt. "Man hatte versucht, mit Gewalt ein Heimatgefühl in mir zu erzwingen", entrüstete sich der Schriftsteller. Seine Reaktion war die innere Emigration, die er als Heizer in der Einsamkeit der Kesselhäuser suchte. Dort sei die Entscheidung zum Schreiben in ihm gereift. Als sein Talent dem Staat auffiel, verschanzte sich der Autor weiterhin in den Heizräumen. "Ich habe schon ein-, zweimal einem Stasi-Mann die Tür gewiesen, mit dem Hinweis auf das Schild `Betreten für Unbefugte verboten!´", erinnerte er sich.
Für diesen Widerstandsgeist zeichnete die Jury der Sprach-Akademie den Schriftsteller aus. Er habe sich in seiner Dichtung behauptet und einer Macht getrotzt, "indem er ihre Abgründe ausleuchtete", heißt es in der Begründung. Seiner Verzweiflung habe er auf "schrecklich-wundervolle Weise" eine "immer neu zu faszinierendem Leben" erweckte Sprache gegeben.
Der ebenfalls von der Akademie vergebene Johann-Heinrich-Merck- Preis ging an den Literaturwissenschaftler Volker Klotz. Den Sigmund-Freud-Preis erhielt der Religionswissenschaftler Klaus Heinrich.
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