Wien - Nach deutschen und österreichischen Literaturkritikern zieht jetzt auch die frühere Lebensgefährtin von Peter Handke, die österreichische Schauspielerin Marie Colbin, gegen den proserbischen Schriftsteller. Colbin beschreibt Handke in einem offenen Brief als gewalttätig und selbstverliebt. "Ich höre noch meinen Kopf auf den Steinboden knallen. Ich spüre noch den Bergschuh im Unterleib und auch die Faust im Gesicht", schildert die langjährige Begleiterin Handkes ihr Leiden in dem österreichischen Magazin "Format". Später wird die Klage zu einem generellen Lamento über Männer und Krieg: "Solange es Männer gibt auf dieser Welt - Männer wie Dich - einäugig, unnachgiebig, machthungrig und Ego-breit - wird es auch Waffen geben und somit Kriege."

Marie Colbin als Marianne Bachmeier in Hark Bohms Film " Keine Zeit für Tränen"
Die Schauspielerin attackiert den Gegner des Nato-Einsatzes im Kosovo: "Irgendwie wirst Du diesem Krieg dankbar sein, denn er befriedigt auf perverse Weise Dein unstillbares Verlangen nach öffentlicher Anerkennung."
Marie Colbin spielte in Filmen von Edgar Reitz, Robert van Ackeren und Peter Schamoni. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle als Marianne Bachmeier in dem von Hark Bohm gedrehten Spielfilm "Der Fall Bachmeier - Keine Zeit für Tränen" (1984). Gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten Peter Handke, der Regie führte, entstand 1985 das einstündige Fernsehspiel "La Maladie de la Mort" (Die Krankheit des Todes) nach einem Text von Marguerite Duras. Seit dem Fernsehspiel "Die Walsche" (1986) ist es um Marie Colbin ruhig geworden. Sie lebt heute als Fotografin und Autorin in Salzburg und Berlin.
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