20. März 2007, 16:50 Uhr

Martin Walser

Lyrik als pubertäre Überlebensstrategie

Vergangene Woche erschien seine Balladen-Sammlung "Das geschundene Tier". Für Martin Walser ist die Poesie allerdings mehr als eine Gattung der Literatur: Während seiner Pubertät war sie für ihn der einzige Überlebensgrund.

Baden-Baden - Ohne das Schreiben von Gedichten ist nach Ansicht von Schriftsteller Martin Walser, 79, die Pubertät nicht zu ertragen. "Bei Frauen weiß ich es nicht so genau, aber bei männlichen Wesen weiß ich es ziemlich sicher, dass sie in ihrer Pubertät Gedichte schreiben", sagte Walser in der Sendung "Literatur im Foyer" des SWR Fernsehens. "Anders ist die Zeit nicht zu überleben."

Martin Walser: Alle Männer schreiben Gedichte. Zumindest in der Pubertät
DDP

Martin Walser: Alle Männer schreiben Gedichte. Zumindest in der Pubertät

Dass er sich später hauptsächlich auf das Schreiben von Prosa konzentriert habe, sei ein Zwang gewesen. "Das ist ein solcher Resignationsabsturz, den kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen."

Er habe nichts "verächtlicher und unbeträchtlicher und vernachlässigungswerter" gefunden, als einen Satz Prosa zu schreiben. "Prosa, das steht ja so in der Zeitung", sagte Walser. Die Lyrik hingegen bezeichnete der populäre Autor als "höchste Frequenz der deutschen Sprache". Am 24. März feiert der streitbare Autor seinen 80. Geburtstag.

hae/dpa


Das Gespräch mit Thea Dorn wird am kommenden Donnerstag, den 22. März um 22.55 im SWR Fernsehen gesendet.


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