Schriftsteller und Holocaust-Überlebender Aharon Appelfeld ist tot

Er überlebte das Getto von Czernowitz, kam als Jugendlicher allein nach Palästina und wurde einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels. Nun ist Aharon Appelfeld gestorben, er wurde 85 Jahre alt.

Aharon Appelfeld (1932-2018)
DPA

Aharon Appelfeld (1932-2018)


Der israelische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Aharon Appelfeld ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Dies bestätigte seine Familie in Jerusalem der Deutschen Presse-Agentur. Appelfeld war einer der produktivsten und angesehensten Schriftsteller Israels. 46 Bücher hatte er bis Anfang 2017 geschrieben. Sie wurden in 35 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche.

Hauptthemen seiner Werke waren das jüdische Leben vor dem Holocaust und Kindheitserinnerungen aus Osteuropa. Über den Holocaust selbst schrieb er aber kaum. Viele seiner Bücher erschienen beim Rowohlt Verlag, darunter "Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen", "Tzili", "Zeit der Wunder" und "Ein Mädchen nicht von dieser Welt". Volker Hage stellte ihn im SPIEGEL aufgrund seiner literarischen Könnerschaft in eine Reihe mit Primo Levi und Imre Kertész.

Appelfeld wurde am 16. Februar 1932 in Jadowa (Rumänien) geboren und wuchs mit dem Vornamen Erwin in Czernowitz in der heutigen Ukraine auf. Seine Mutter wurde nach dem Einmarsch der Deutschen ermordet, der Junge kam mit seinem Vater ins Getto. Er überlebte später unter anderem als Küchenjunge bei der Roten Armee. Mit 13 Jahren kam er in das damalige Palästina.

Die Wirklichkeit des Holocaust gehe "über jedes Vorstellungsvermögen" hinaus, sagte Appelfeld 1988 in einem großen Gespräch mit seinem amerikanischen Schriftstellerkollegen Philip Roth. Deshalb spare er sie in seinem Werk weitgehend aus. "Wörter halten großen Katastrophen nicht stand; sie sind schwach, erbärmlich und im Nu verfälschen sie", schrieb er in seinem Erinnerungsbuch "Geschichte eines Lebens". Zuletzt erschien im November auf Deutsch der Roman "Meine Eltern".

feb/dpa

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