Literaturauszeichnung Ai Weiwei kritisiert Nobelpreis für Mo Yan

Der regierungskritische chinesische Künstler Ai Weiwei hat die Vergabe des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan kritisiert. Dieser sei möglicherweise ein guter Schriftsteller, aber "kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann", lautet sein Urteil.

REUTERS

Hamburg - Der chinesische Dissident und Künstler Ai Weiwei ist für seine deutlichen Worte bekannt. Entsprechend hat sich der Regimekritiker von Weltklasse auch zur Vergabe des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan geäußert und diese kritisiert. "Einen Nobelpreis an jemanden zu geben, der von der Realität abgehoben lebt, ist eine rückständige und unsensible Verfahrensweise", sagte Ai der Tageszeitung "Die Welt".

Er akzeptiere das politische Verhalten von Mo Yan in der Realität nicht, führte Ai aus: "Er ist möglicherweise ein guter Schriftsteller. Aber er ist kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann." Moderne Intellektuelle hätten eine tiefgehende Beziehung zur aktuellen Realität des Landes.

Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Ai sogar: "Ein Schriftsteller, der sich nicht der Realität stellt, ist ein Lügner."

Mo war am Donnerstag der diesjährige Literaturnobelpreis zugesprochen worden. Chinesische Literaturprofessoren sahen einen "historischen Durchbruch", Dissidenten werfen dem Autor zu große Staatsnähe vor. Der 57-Jährige, der unter anderem "Das rote Kornfeld" geschrieben hat, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Volksrepublik.

kha/siu/dpa/AFP/Reuters

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b399y 12.10.2012
1. Wie armselig
Wer sich Ai Weiweis Realität nicht stellt ist ein Lügner. so geht das natürlich auch. Vielleicht täte es etwas weniger Selbstbeweiräucherung.
Koana 12.10.2012
2. Oh wei Oh wei!
Mo Yan ist - in deutsch gelesen - schon ein wunderbarer Erzähler, der den Nobelpreis für Literatur absolut verdient. Mir zumindest hat dieser Mensch schon viele schöne, erbauliche Lesestunden geschenkt. Wahrscheinlich lesen sich seine Geschichten für Chinesen noch um einiges lyrischer und einfühlsamer. Ai Weiwei hingegen hat mir persönlich noch absolut nichts geben können, seine Werke erschließen sich mir nicht, seine Geschichte erinnert mich eher an eine geschäftstüchtigen, cleveren Jongleur mit den affektierten Geistern eines arroganten Kulturbetriebs. Für mich bedeutet Kunst, die Fähigkeit Millionen zu berühren, nicht mit Parolen und Effekthascherei das akademische Gelaber von einigen Experten zu triggern und sich selbst zu inszenieren. Man muss sich nur einmal die Lebensläufe dieser beiden Menschen erlesen, Weitere Wertungen überlasse ich doch lieber jedem selber.
Indigo76 12.10.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSDer regierungskritische chinesische Künstler Ai Weiwei hat die Vergabe des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan kritisiert. Dieser sei möglicherweise ein guter Schriftsteller, aber "kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann", lautet sein Urteil. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ai-weiwei-kritisiert-literaturnobelpreis-fuer-mo-yan-a-860857.html
Es ist nicht möglich, einen Chinesen zu ehren, ohne dass eine Seite höchst abfällig reagiert. Aus dem Land des Lächelns ist schon lange das Land der schlechten Laune geworden.
Lekcad 12.10.2012
4.
Zitat von sysopREUTERSDer regierungskritische chinesische Künstler Ai Weiwei hat die Vergabe des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan kritisiert. Dieser sei möglicherweise ein guter Schriftsteller, aber "kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann", lautet sein Urteil. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ai-weiwei-kritisiert-literaturnobelpreis-fuer-mo-yan-a-860857.html
Bei der Art und Weise dieser Aussagen stellt sich dann natürlich die Frage: Würde ein chinesischer Staat der von Leuten wie Weiwei geführt wird "besser" sein als das jetzt der Fall ist? Oder würde man nur eine verachtenswerte totalitäre Führung gegen die nächste austauschen? Weiwei versucht hier nur genau das, was er seiner eigenen Regierung (zu Recht!) vorwirft: Kontrollieren was Künstler zu denken/schreiben/malen haben.
schlummi1 12.10.2012
5. hat nicht gereicht, ist nun mal so
Zitat von sysopREUTERSDer regierungskritische chinesische Künstler Ai Weiwei hat die Vergabe des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan kritisiert. Dieser sei möglicherweise ein guter Schriftsteller, aber "kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann", lautet sein Urteil. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ai-weiwei-kritisiert-literaturnobelpreis-fuer-mo-yan-a-860857.html
Das ist immer so, die die es nicht geschafft haben, mäckeln an denen herum die besser sind. Warum gratuliert er nicht seinem kollegen? Glaubt er das er mit dem titel "Regimekritiker von Weltklasse" das automatische recht hat weltklasse zu sein, obwohl er es nicht ist? Wird er jetzt zu pussy riot? Wochenlang jetzt Ai Weiwei? Das ist doch wirklich erbärmlich mit dem hinweis: "kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann" die erfolge des anderen zu beneiden. Aber zu erkennen"möglicherweise ein guter Schriftsteller" , man beachte, möglicherweise.
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