Nach Pegida-Rede Bertelsmann-Verlage kündigen Verträge mit Akif Pirinçci

Seine Hetze gegen Politiker und Muslime beim Pegida-Jubiläum hat wirtschaftliche Konsequenzen für Akif Pirinçci: Die Verlagstöchter von Bertelsmann kündigen die Verträge mit dem Autor und stoppen die Auslieferung seiner Katzenkrimis.

Schriftsteller Akif Pirinçci: Auslieferung seiner Bücher gestoppt
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Schriftsteller Akif Pirinçci: Auslieferung seiner Bücher gestoppt


Am frühen Dienstagnachmittag distanzierte sich die Verlagsgruppe Random House via Twitter von den Aussagen Akif Pirinçcis in Dresden. Bei der Pegida-Kundgebung hatte Pirinçci unter anderem gesagt: "Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb." Zudem kündigte die Buchverlagstochter von Bertelsmann die Verträge mit dem Autor.

Die Begründung der Random-House-Verlage im Wortlaut: "Der Schutz von Demokratie und Menschenrechten ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres verlegerischen Schaffens, ebenso wie der Respekt vor Traditionen und dem Wunsch nach kultureller Vielfalt. Die Aussagen von Akif Pirinçci stehen diesen Werten diametral entgegen." Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt bereitswegen der Rede.

Bei den Random-House-Verlagen Heyne, Goldmann und Diana erschienen unter anderem die Katzenkrimis "Felidae" und "Francis", mit denen der Schriftsteller Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre einem größeren Publikum bekannt wurde. Wie die Verlagsgruppe mitteilt, werden diese "bereits vor Jahren veröffentlichten, ausschließlich belletristischen Bücher" nun "umgehend gesperrt und nicht mehr angeboten." Die Auslieferung wurde gestoppt.

Seine gesellschaftspolitischen Bücher "Deutschland von Sinnen" und "Die große Verschwulung" veröffentlicht Akif Pirinçci im Manuscriptum-Verlag, dessen Verleger Thomas Hoof einst die Ladenkette Manufactum gegründet hat - die sich allerdings vom verlegerischen Programm ihres Gründers ebenfalls distanziert.

Auch die Kommunikationsagentur, die Pirinçcis Blog aufbaute, distanzierte sich von dem Autor. Der betreuende Webmaster veröffentlichte auf Pirinçcis Homepage einen offenen Brief, der dort zwischenzeitlich zu lesen war und danach in sozialen Netzwerken kursierte. In ihm kündigt er u.a. das Arbeitsverhältnis auf. Gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte er die Authentizität des Schreibens.

feb

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