Preiskampf auf dem Buchmarkt Deutschsprachige Autoren greifen Amazon an

Post für Amazon-Boss Jeff Bezos: Über hundert deutschsprachige Autoren, darunter Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Krimi-Autorin Nele Neuhaus, protestieren gegen die Geschäftsmethoden des Online-Versandhändlers.

Gegen Amazons Geschäftsmethoden: Elfriede Jelinek
DPA

Gegen Amazons Geschäftsmethoden: Elfriede Jelinek


Düsseldorf/Hamburg - Nun schließen sich auch deutschsprachige Autoren dem Protest gegen den Internet-Versandhandel an: Sie haben wie ihre angloamerikanischen Kollegen einen Protestbrief an Amazon-Chef Jeff Bezos geschrieben. Das berichtet das "Handelsblatt". In den USA hatten unlängst mehr als 900 Autoren einen offenen Brief an Bezos in der New York Times geschaltet.

Unter den 100 Erstunterzeichnern des deutschen Schreibens sind namhafte Autoren wie die österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Günter Wallraff, Nele Neuhaus, Ingrid Noll und John von Düffel. In markigen Worten kritisieren sie die Geschäftsmethoden des amerikanischen Unternehmens, das weltweit operiert. Unter anderem heißt es: "Amazon manipuliert Empfehlungslisten. Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen."

Veröffentlicht werden soll der Brief in der kommenden Woche. Deutlich wird jetzt bereits, dass Amazon auch in Deutschland künftig mit noch mehr Protest rechnen muss. "Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören", zitiert das "Handelsblatt" Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland.

In den USA ist seit Monaten ein Preiskampf zwischen dem Internet-Versandhaus und den Verlagen im Gange. Amazon will den Unternehmen die Preise für E-Books diktieren. Großverlage wie Hachette müssen derzeit Nachteile in Kauf nehmen: So stornierte Amazon die Vorbestellungen für rund 5000 neue Hachette-Titel, verzögerte außerdem Auslieferungen und strich Rabatte.

Nun befürchtet die Verlagsbranche, dass Amazon eine Monopolstellung erreichen wird. In Deutschland ist die Marktmacht des Unternehmens zwar noch überschaubar, dennoch gibt es auch hier Befürchtungen, dass bald ähnliche Verhältnisse wie in den USA und Kanada herrschen könnten. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels reichte bereits Ende Juni beim Bundeskartellamt Beschwerde ein: Amazons "erpresserisches Vorgehen gegenüber Verlagen" verstoße gegen das Kartellrecht.

Zuletzt wurde bekannt, dass auch Disney mit Amazon um die Preisgestaltung seiner Artikel ringt. Unmittelbar vor den Verkaufsstarts von Disney-Filmen wie "Captain America" und "Maleficient - Die dunkle Fee" auf DVD und Blu-ray deaktivierte Amazon die Funktion für Vorbestellungen, um das Filmstudio unter Druck zu setzen.

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thg 14.08.2014
1. ich kaufe
prinzipiell weder ebooks noch bücher bei amazon. andere dinge schon, aber beim buch bevorzuge ich den gang in den buchladen.
regensommer 14.08.2014
2.
Ich bestelle schon lange keine Bücher mehr bei Amazon. Ich versuche das Buch online auf einem anderen Weg zu bekommen. Häufig gelingt das direkt beim Verlag (oder klassischer Weise im Buchhandel vor Ort). Allerdings sollte der Buchhandel nicht nur meckern sondern sich selbst eine starke und übergreifende Plattform erschaffen. Denn das ist nun mal das was die meisten Verbraucher wünschen und wollen. Ich kaufe ab und an "Non-Bücher" bei Amazon. Ausserdem nutze ich die Bewertungen bei Amazon um mir einen Ersteindruck über einen Artikel zu verschaffen. (Ja, ich sehe es schon - viele Kommentare wie unhöflich und inkompetent doch der Buchhandel vor Ort ist um sich selbst zu rechtfertigen bei Amazon zu bestellen. Es geht nicht um den Buchhändler vor Ort, es geht um Verlagshäuser und Autoren. Übrigens - schon mal eine Autorenlesung bei Amazon gehört? Schon mal signierte Bücher bei Amazon erhalten?)
BSC 14.08.2014
3. Amazon
Tja, Amazon ist eben nicht die Rettung für alle, sondern eine durch und durch gewinnorientierte Firma. Da die Firma nicht mal in Deutschland Steuern zahlen möchte, kaufe ich dort nicht ein. Ein echtes Buch nebenan beim kleinen Händler, der mir auch jedes Buch in 1 - 2 Tagen besorgt, kann ich auch ohne Amazon kaufen.
Talanon 14.08.2014
4. Applaus für Amazon!
Die Buchpreisbindung gehört abgeschafft, sie ist ein alter nutzloser Zopf. Seit es Ebooks gibt kaufe und lese ich 10 mal so viel wie früher, der praktische Kindle macht es möglich. Deshalb ist Amazon's Begründung folgerichtig. Je niedriger die Preise für Ebooks, desto mehr wird gelesen. Und die Autoren verdienen mindestens genausoviel, wenn nicht mehr als vorher. Außerdem sehe ich nicht ein, dass eine elektronische Datei nur unwesentlich weniger kostet als ein physisches Buch! Weg mit der altmodischen und Verbraucherfeindlichen Buchpreisbindung!
hypnos 14.08.2014
5. Gemotze endet mit TTIP
Zitat von sysopDPAPost für Amazon-Boss Jeff Bezos: Über 100 deutschsprachige Autoren, darunter Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Krimi-Autorin Nele Neuhaus, protestieren gegen die Geschäftsmethoden des Online-Versandhändlers. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/amazon-deutsche-autoren-schicken-protestbrief-an-jeff-bezos-a-986030.html
Das Gemotze endet spätestens mit Inkrafttreten von TTIP am Jahresende. Dann verklagt Amazon D und in einem geheimen Schiedsverfahren wird D zu Strafzahlungen verdonnert. Und: Schluss mit Buchpreisbindung. Das Gleich gilt dann auch für den Hamburger und Berliner Senat wg. Uber. Das kostet richtig, die Wettberwerbsbenachteiligung. Na ja, zahlt ja nur der Steuerzahler.
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