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Preiskampf im Buchhandel: Kulturstaatsministerin kritisiert Amazon scharf

Kulturstaatsministerin Grütters (im Februar): "Kulturelle Vielfalt gefährdet" Zur Großansicht
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Kulturstaatsministerin Grütters (im Februar): "Kulturelle Vielfalt gefährdet"

Im Kampf gegen den Online-Giganten Amazon bekommen die Schriftsteller nun auch Unterstützung aus der Politik. Kulturstaatsministerin Grütters hat den Konzern kritisiert - und auch der Schriftstellerverband PEN droht mit weiteren Schritten.

Berlin - Der Konflikt um Onlinehändler Amazon schwelt weiter: Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Methoden des Konzerns auf dem deutschen Buchmarkt harsch kritisiert. "Marktmacht und die Herrschaft über zentrale Vertriebswege dürfen nicht dazu führen, dass unsere kulturelle Vielfalt gefährdet wird", erklärte die CDU-Politikerin.

Sie unterstützte damit ausdrücklich den Protestbrief von mehr als 1000 deutschsprachigen Autoren an die Amazon-Spitze um Jeff Bezos.

Es sei kulturpolitisch "nicht hinnehmbar", wenn der Streit des Onlinehändlers mit den Verlagen zulasten von Autoren und Lesern ausgetragen werde, sagte Grütters. "Wenn Titel aus Empfehlungslisten gestrichen und Lieferungen verzögert werden, um Rabattforderungen gegenüber Verlagen durchzusetzen, ist dies völlig inakzeptabel." Gerade wenn - wie beim Buch - ein Wirtschaftsgut zugleich auch Kulturgut sei, müsse besonders verantwortungsvoll gehandelt werden.

"Es sind durchaus noch weitere Schritte denkbar"

In den USA hatten zuletzt mehr als 900 Autoren einen offenen Brief an Bezos in der "New York Times" geschaltet, daraufhin schlossen sich auch deutsche Autoren mit einer Petition an. Unter den 100 Erstunterzeichnern des deutschen Schreibens sind Autoren wie Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Günter Wallraff, Ingrid Noll und John von Düffel. In markigen Worten kritisieren sie die Geschäftsmethoden des amerikanischen Unternehmens, unter anderem heißt es: "Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen."

Der Präsident des Schriftstellerverbands PEN Deutschland, Josef Haslinger, zeigte sich indes optimistisch: "Der Brief wird ernst genommen werden", sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Der Konzern muss in der Buchbranche um sein Image bemüht sein, er hat ja in Europa einen Zukunftsmarkt, der bei Weitem nicht ausgeschöpft ist." Er drohte mit weiteren Schritten, um den Druck auf Amazon zu erhöhen: "Wenn Amazon meint, die Praxis beibehalten zu müssen, Autoren für nicht gelungene Geschäftsverträge in Geiselhaft zu nehmen, sind ja durchaus auch noch weitere Schritte denkbar."

Zuletzt war bekannt geworden, dass auch Disney mit Amazon um die Preisgestaltung seiner Artikel ringt. Unmittelbar vor den Verkaufsstarts von Disney-Filmen wie "Captain America" und "Maleficient - Die dunkle Fee" auf DVD und Blu-ray deaktivierte Amazon die Funktion für Vorbestellungen, um das Filmstudio unter Druck zu setzen.

mxw/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Also:
Lankoron 20.08.2014
Man baut sich was auf, eine Firmenidee, die funktioniert, die sich plötzlich durchsetzt. Und dann gefährdet man "kulturelle Vielfalt"? Seit wann sind denn die hier dargestellten Bücher das einzige Kulturgut? Oder herrscht amazon jetzt auch über: Kino, Theater, Kabarett...Computerspiele, Street-art etc? Und warum schaffen es die Buchverlage seit Jahren nicht, vernünftige eigene Vertriebswege zu erschließen? Aber natürlich ist amazon der Untergang des heiligen Abendlandes.....wie der Kassettenrecorder, der Videorekorder, Filesharing etc.....
2. Boykott
Jo-achten-van-Haag 20.08.2014
ist das einzige was hilft und hier ist der kaufende Leser gefragt. Meine Familie kauft keine Bücher oder e-reader bei diesem Laden.
3. Die Buchpreisbindung ist Kulturgut (historisches !)
iffel1 20.08.2014
Ersteinmal sind Verlage zukünftig überflüssig, ein E-Book kann jeder Autor über eine Plattform vertreiben, wie er eben auch ein Fotobuch bestellen kann - das ist die nahe, teilweise schon eingetretene Zukunft. Papierbücher werden Luxusgut und müssen auch so bezahlt werden. Aber bei einem E-Book sollte die Preisgestaltung beim Autor liegen und bei seinem Verhandlungsgeschick mit der Plattform. Ich habe in der letzten Zeit rd. 50 E-Books bezogen, weil ich zuvor online eine Leseprobe hatte. Das ist zwar wie früher, als ich noch Stammkunde von Buchhandlungen und Büchereien war (Jahrgang 50er Jahre ;o), aber die Zeiten ändern sich. Ganz und garnicht paßt der gleiche Preis bei E-Book und Papierausgabe, alleine schon wegen der Herstellungs-/Vermarktungs-Transportkosten. Aber das wird bald ein Ende haben, wenn wir ein deutschsprachiges E-Book einfach von einem US-Server laden können (tue ich ja jetzt schon). Die Verlage sind am Klammern, aber ihr Geschäftsmodell ist überholt. Das Verlagssterben werde ich noch erleben und mit daran schuld sein.
4. Abnahmezwang?
Syrus 20.08.2014
Eine Frage stelle ich mir bei dieser Debatte immer wieder: Warum sind die Verlage und Autoren der Meinung, dass sie ein Recht darauf haben, dass Amazon ihre Bücher verkauft und in Empfehlungslisten bewirbt? Gibt es Fälle, in denen die Produzenten einer Ware einen Händler dazu zwingen können, diese Ware einzukaufen und zu bewerben? - Ohne entsprechende Abnahmeverträge? § 30 EBewiV ist nicht einschlägig. Die Einspeisung von Ökostrom in die Netze der Energieversorger ist auch nicht vergleichbar, da es sich dabei um einen streng regulierten Markt handelt. Im Bereich gewöhnlicher Waren fällt mir kein Präzedenzfall ein.
5. zu den foristen 1 und 3:
f-rust 20.08.2014
ich stimme ihnen ganz und gar zu. für mich als "kleinautor" ist amazon/kindle mit dem e-buch-vertrieb ein segen und ich bekomme ca. 65 % tantieme ( bei buchpreisen.von ca. 2-4,50 euro ) . ich verkaufe im jahr ca. 1000-1200 e-books dort ... ein sehr willkommenes zubrot ... und für die leser/innen dennoch ein schnäppchen
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