Poet und Black-Power-Aktivist Amiri Baraka ist tot

Er war einer der großen Intellektuellen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA der Sechziger und Siebziger - und bis zu seinem Tod eine umstrittene Figur. Der radikale Poet Amiri Baraka starb am Donnerstag mit 79 Jahren.

AP

Amiri Baraka, geboren als Everett LeRoi Jones am 7. Oktober 1934 in Newark, New Jersey war Dichter, bekennender Kommunist, Black Power-Aktivist und radikaler Regierungskritiker. Sein leidenschaftlicher Spoken-Word-Vortragsstil nahm den Rap vorweg - und er war eine höchst umstrittene Figur. Am Donnerstag starb der Schriftsteller im Newark Beth Israel Medical Center, wie sein Agente Celeste Bateman mitteilte.

Baraka schrieb neben Gedichten auch Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke, Rezensionen und Essays - sowie die Jazz-Oper "The Sisyphus Syndrome" (2008)

Kaum ein anderer Schriftsteller der Sechziger und Siebziger formulierte schärfer und polarisierender als Baraka. Nach dem er Mitte der Fünfziger die US Air Force verlassen musste, weil man bei ihm sowjetische Schriften entdeckt hatte, zog er nach Greenwich Village in New York, arbeitete in einem Plattenladen und gründete 1958 den Verlag Totem Press, der unter anderem Werke der Beat-Autoren Jack Kerouac und Allen Ginsberg veröffentlichte. Sein Buch "Blues People" von 1963 gilt als erste große Geschichte der schwarzen Musik, die von einem Afroamerikaner verfasst wurde.

"Wir wollen Gedichte, die töten"

Nach der Ermordung von Malcom X im Jahre 1965 nahm der Poet und Aktivist, der sich bis dato noch LeRoi Jones genannt hatte, den Namen Imamu Amear Baraka an, den er später in Amiri Baraka änderte. Im selben Jahr zog er von Greenwich Village nach Harlem, und gründete mit anderen afroamerikanischen Schriftstellern das Black Arts Movement - ein entscheidender historischer Moment in der US-amerikanischen Kultur des 20. Jahrhunderts: Nicht nur inspirierte die Bewegung unzählige Schriftsteller, es regte auch die Gründung unabhängiger Verlage, Kulturinstitutionen, Zeitschriften oder Musiklabels an.

Zu dieser Zeit radikalisierte sich Baraka: Er distanzierte sich von seinen weißen Bekannten und nannte etwa Martin Luther King einen "hirngewaschenen Schwarzen". In seinem 1965 veröffentlichten Manifest "Black Art" heißt es: "Wir wollen Gedichte, die töten / Mördergedichte. Gedichte, die schießen können / Gedichte, die die Cops zu Boden ringen / Und ihnen die Waffen abnehmen und sie tot liegen lassen / Mit herausgerissenen Zungen und nach Irland geschickt".

Eine Zeile aus seinem Gedicht "Black People!" wurde 1968 zum Slogan der US-Subkultur und militanter Bewegungen: Sein "Up against the wall mother fucker!" wurde in Grafittis zitiert und von Bands wie Jefferson Airplane, es tauchte auf Demonstrationen auf - und mit den "Up Against The Wall Motherfuckers" gründete sich gar eine eine anarchistische Aktionsgruppe, deren berühmteste Aktion wohl, war in Woodstock 1969 die Zäune niederzureißen, um Tausenden freien Eintritt zu ermöglichen.

Antisemitische Verschwörungstheorie

Baraka galt als "Malcom X der Literatur". Misogyne, homophobe und antisemitische Äußerungen machten ihn zu einer umstrittenen Figur auch nach dem Ende des Black Arts Movement Mitte der Siebziger Jahre. 2002 etwa schrieb er das Gedicht "Somebody Blew Up America" und griff darin das haltlose Gerücht auf, bei den Anschlägen vom 11. September seien keine jüdischen Opfer zu verzeichnen gewesen. "Wer wusste, dass das World Trade Center bombardierte werden würde?" fragt er darin. "Wer hat 4000 israelischen Arbeitern in den Twin Towers befohlen, an diesem Tage zu Hause zu bleiben".

Der Schriftsteller und Aktivist blieb bis ins hohe Alter politisch aktiv. Er nannte sich bis zuletzt einen Kommunisten, kritisierte die Regierung Obama für ihren Umgang mit der Finanzkrise und sympathisierte mit der Occupy-Bewegung. Er war in mehreren politischen Nachbarschaftsinitiativen aktiv - sowohl in New York als auch in seinem Geburtsort Newark, wo er in den letzten Jahren bis zu seinem Tod lebte. Er ist 79 Jahre alt geworden.

twi/ap

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