Amsterdamer Patrizierhäuser Die Pracht an der Gracht

Einmal 17. Jahrhundert, bitte! Der Fotograf Arjan Bronkhorst zeigt Innenleben und Bewohner der imposanten Amsterdamer Grachtenhäuser - das goldene Zeitalter der Niederlande ist hier höchst lebendig.

Von Gunda Schwantje


Arjan Bronkhorst ist eingedrungen in die Häuser fremder Menschen. Hat sich zeigen lassen, wie sie leben, wie sie eingerichtet sind - und erfahren, wie Geschichte und Moderne dort aufeinandertreffen. Der holländische Fotograf hat Grachtenhäuser in Amsterdam fotografiert und zeigt eine bisher verschlossene, intime Welt, die sich hinter den uralten, prunkvollen Patrizierhäusern im Herzen von Amsterdam versteckt.

Er brachte ins Bild, was sich heute hinter den Fassaden der weltberühmten Grachtenhäuser aus dem goldenen Zeitalter der Niederlande verbirgt. Die Wohnhäuser reicher Kaufleute und Amtsträger wurden im 17. Jahrhundert im Grachtengürtel errichtet. Prächtiges Interieur zeigt sich dem Betrachter: mit Stuck reich verzierte Treppenhäuser, üppige Wand- und Deckenmalereien, erlesene Möbel. Außerdem porträtierte Bronkhorst die heutigen Bewohner. Die Hälfte seiner 30 dokumentierten Grachtenhäuser befindet sich in Privatbesitz.

Vorgestellt werden die Bewohner sowie die jeweilige Geschichte eines Hauses von den Autoren Marc van den Eerenbeemt und Koos de Wilt. Elise Wessels-Van Houdt etwa hat in der Keizersgracht gemeinsam mit ihrem Mann zwei nebeneinander liegende Häuser gekauft. Das eine bewohnt sie mit ihrer Familie, in dem anderen richtete sie ein Museum für ihre Sammlung japanischer Zeichnungen ein. Beim Ankauf 2005 seien die Häuser in einem schlechten Zustand gewesen, berichtete die Eigentümerin den Autoren. Eine langwierige Restaurierung und Renovierung sei notwendig gewesen - ein kostspieliges Vorhaben. Sie verstehe dies als Beitrag zur Geschichte der Stadt Amsterdam, um kulturelles Erbe zu sichern.

Der Ursprung: Die Stadt an der Amstel hatte sich seit dem Mittelalter in rasantem Tempo entwickelt. Der Handel florierte. Amsterdam wirkte wie ein Magnet, zog viele, auch wohlsituierte europäische Migranten an. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen waren zu Beginn des 17. Jahrhunderts günstig. Die Holländer waren in Religionsfragen tolerant und sie vermehrten ihren Wohlstand. Amsterdam sollte aufblühen zur bedeutendsten Handels- und Kulturstadt Europas.

Weitere Kanäle wurden um die bisherigen Grachten Singel und Kloveniersburgwal gegraben: die Herengracht, die Keizersgracht, die Prinsengracht. Sie dienten dem Warentransport und der Entwässerung des nun urbar gemachten Sumpfgebiets. Reiche Kaufleute und Amtsträger kauften die Parzellen. Millionen Pfähle wurden in den Boden gerammt. Darauf ließen Gutbetuchte die stattlichen Wohn- und Lagerhäuser bauen, Gärten anlegen. Kutschhäuser und Pferdeställe entstanden an der Rückseite der Parzellen.

"Eingerahmt von Geschichte"

In einer einfühlsamen Einleitung beschreibt Bauhistoriker Gabri van Tussenbroek die Entstehung und Verwandlung der Gebäude. "Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und umgebaut. Jeder neue Bewohner versuchte auf seine Art, dem Haus einen Stempel aufzudrücken." Es möge befremdlich klingen: im Grachtengürtel sei kein Haus noch genau so wie damals, als es gebaut wurde. Doch trotz aller Anpassungen habe sich am Stadtbild nicht viel verändert, sagt van Tussenbroek.

Komfortabel wohnen eingerahmt von Geschichte. In dem Haus von Cornelius Pieterszoon Hooft (1547-1626), Fischhändler und Amsterdamer Bürgermeister, leben heute der Filmproduzent Matthijs van Heijningen und Guurtje Buddenberg. Sie haben das Grachtenhaus 1999 in verwahrlostem Zustand von der Universität Amsterdam erworben, es wurde für den Lehrbetrieb genutzt. Die Renovierung sollte laut van Heijningen der Geschichte des Hauses gerecht werden, gleichzeitig wollte das Paar zeitgemäß leben. Um 1755, als das Haus schon einmal dem zu jener Zeit gängigen Architekturtrend angepasst wurde, stammen der Sandsteingiebel, das reiche Stuckwerk, der Marmor im Flur. Die vielen historischen Elemente sind heute mit der Moderne verschmolzen.

Die in den Häusern verborgenen Kunstschätze kämen einem Besuch im Rijksmuseum gleich, hat Bronkhorst festgestellt. Der Fotograf hat ein gutes Auge für die reichen Details in den Patrizierhäusern. Seine Bilder scheinen so, als seien sie von Ruhe durchdrungen. Er hat die Häuser auf sich wirken lassen. Die erste Auflage seines Buches war nach einem Monat vergriffen.

"Grachtenhuizen" von Arjan Bronkhorst, in niederländischer und englischer Sprache, liegt in der zweiter Auflage vor. 416 Seiten, 350 Abbildungen, 49,50 Euro plus Versand.

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Die Ausstellung "Achter de Gevels" mit 60 Fotografien ist noch bis Ende August im Stadtpalast De Cromhouthuizen zu sehen. Infos unter: www.arjanbronkhorst.com, www.grachtenhuizen.org, www.cromhouthuizen.nl



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Ratzbär 23.05.2014
1. Schön
Einfach nur schöne Bilder! Sowas würde man wahrscheinlich auch in Hamburg finden, hätten wir uns nicht mit der ganzen Welt angelegt ... :-(
MiniDragon 23.05.2014
2. nur schöne Bilder!
Zitat von RatzbärEinfach nur schöne Bilder! Sowas würde man wahrscheinlich auch in Hamburg finden, hätten wir uns nicht mit der ganzen Welt angelegt ... :-(
Diese Bilder sagen nur sehr wenig darüber aus wie diee Menschen damals dachten : Welches Weltbild sie hatten.
richardheinen 23.05.2014
3. optional
Schöne Bilder erlesener Dinge. Aber ich möchte nicht in einem solchen Ambiente wohnen. Da erstickt man ja.
spon-1203256900030 23.05.2014
4. Haben die Bilder Qualität?
Ich bin völliger Laie, was die Qualität von Fotografie angeht. Von daher würden mich hier mal Expertenmeinungen interessieren. Denn spontan meine ich viele Mängel zu entdecken. Der Fotograf hatte Probleme, das Gegenlicht gut zu verwenden. Oft wirken die Wohnungen wie dunkle Löcher mit zuviel Plunder. Vor allem aber die Bildausschnitte wirken auf mich teilweise geradezu stümperhaft. Viel zu oft die mittige Zimmerflucht. Oder die Detailaufnahmen mit unglücklich gewählten Ausschnitten (hübscher Türknauf mit noch ein bisschen Stuckkante reingequetscht ins Bild). Lediglich die Personenfotos können mich teilweise überzeugen.
ulli7 23.05.2014
5. Goldenes Zeitalter, während in Deutschland der 30-jährige Krieg tobte
Die weltberühmten Grachtenhäuser der reichen Kaufleute und Amtsträger aus dem goldenen Zeitalter der Niederlande wurden im 17. Jahrhundert errichtet. Von 1618 bis 1648 tobte in Deutschland ein fürchterlicher Bürger-und Religionskrieg mit schrecklichen Leiden der Bevölkerung und immensen materiellen Verlusten. Daran sieht man das Unheil, welches durch religiöse Scharfmacher angerichtet werden kann. Aus der Geschichte sollten wir unsere Lehren ziehen und Konfliktpotentiale frühzeitig entschärfen.
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