Artus-Legende Fragment aus Sagenzyklus entdeckt

Germanisten, Romanisten, Anglisten: Die Artus-Sage beflügelt die Geisteswissenschaft bis heute. Dementsprechend groß ist die Freude, wenn, wie jetzt in Erfurt, ein Fragment aus dem Legendenzyklus auftaucht, von dem niemand etwas wusste. Forscher sprechen von einer Sensation.


Erfurt - Ein Forscher hat ein bisher unbekanntes Fragment eines Textes aus dem Sagenzyklus um König Artus in der Bibliothek des Augustinerklosters in Erfurt entdeckt. Die Handschrift stamme aus dem Jahr 1455 von dem unbekannten Thüringer Verfasser Dietrich von Hopfgarten, erklärte Christoph Fasbender vom Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Universität Jena heute der dpa. Der Fund sei die veränderte Abschrift eines Textes aus den Jahren um 1220 und für die Literaturgeschichte eine Sensation von internationaler Bedeutung.

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"Es wird sehr schnell ein sehr großes Gedränge um den Text geben", prophezeite Fasbender, obwohl es sich nur um einen Ausschnitt des gesamten Werks handelt. Vorlage sei ein Versgedicht des Franken Wirnt von Grafenberg, das um 1220 entstand. Darin wird von dem Ritter Wigelis erzählt, der an den Artushof zieht und dort seinen ersten Auftrag erhält: die Befreiung eines Landes aus der Herrschaft eines Unterdrückers. Hopfgarten habe den Text dann überarbeitet. "Es könnte das Manuskript eines Spielmanns gewesen sein, der daraus vorlas", so Fasbender.

Das Fragment umfasst die letzten vier Seiten des Werks, nach Fasbenders Angaben fehlen rund 10.000 Verse, über deren Verbleib nichts bekannt ist. Von Hopfgarten, bislang vollkommen unbekannt, habe jetzt schon seinen Platz in der Literaturgeschichte: "Wir haben einen neuen Autor entdeckt, der lexikonwürdig ist."

Das Fragment befindet sich in einem relativ guten Zustand, wie Bibliotheksleiter Michael Ludscheidt erklärte. "Vielleicht war es gut, dass es so lang unerkannt geschlummert hat." Jetzt wird es Gegenstand wissenschaftlicher Forschung - wie die vielen anderen Variationen des Artus-Stoffes. Wolfram von Eschenbach, Thomas Malory oder Chrétien de Troyes sind nur drei der zahlreichen Artus-Erzähler, die Germanisten, Anglisten und Romanisten beschäftigen. Und nach wie vor gilt: Der mythische keltische König aus Wales ist immer für eine Entdeckung gut.

dan/dpa/ddp



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