Neues Autorenteam Welcher "Asterix" ist der Beste?

Wenn es um den witzigsten, geistreichsten "Asterix" geht, hat jeder Fan seinen Favoriten. Die beiden neuen Autoren übrigens auch. Über den Inhalt des jüngsten Bandes verraten sie fast nichts - sagen aber immerhin, was das Heft mit Angela Merkel zu tun hat.

Ein Interview von

Egmont Ehapa Verlag

SPIEGEL ONLINE: Sie treten ein großes Erbe an. Albert Uderzo hat Ihnen beiden, Jean-Yves Ferri als Autor, Didier Conrad als Zeichner, die Weiterführung der "Asterix"-Comics anvertraut. Welcher der bisherigen Bände gefällt ihnen am besten?

Ferri: Mein erster "Asterix" war "Asterix als Legionär". Und das ist auch der Beste.

Conrad: Ich habe mit dem ersten Band angefangen, mit "Asterix der Gallier". Am liebsten mag ich "Asterix und Kleopatra".

SPIEGEL ONLINE: Warum gerade diese beiden Bände?

Ferri: Das war die Jugend von Asterix. Er war wild, ungezogen, wusste, wie man andere lächerlich macht. Später wurde er dann erwachsen.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht sogar zu erwachsen? Das "Asterix"-Frühwerk, das Albert Uderzo bis zu dessen Tod gemeinsam mit René Goscinny veröffentlicht hat, gilt als antiautoritär. Liest man dagegen heute die Autobiografie des alten Uderzo, hat man den Eindruck, er sei politisch weit nach rechts gerückt.

Ferri: Sicherlich ist Asterix ein Symbol des Widerstands gegen Autoritäten. Die Öko-Demonstranten zum Beispiel, die in der Normandie gegen einen neuen Flughafen kämpfen, nennen sich die Asterixe.

Conrad: Dazu kommt bei Asterix die Idee des gallischen Dorfes, eine kleine Gemeinschaft, die sich wehrt - heute wäre das zum Beispiel gegen die Globalisierung. Die Gallier wären heute Globalisierungsgegner.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt ausgehend vom Front national in Frankreich aber auch eine recht starke isolationistische Bewegung. Man möchte die Grenzkontrollen wieder einführen, den Euro abschaffen. Lässt sich das auch auf Asterix zurückführen?

Conrad: Nein, das findet sich nicht bei Asterix. Die Gallier wollen sich nicht abschotten. Sie wollen leben, wie sie wollen - aber mit anderen, nicht gegen sie.

Ferri: Psychologisch gesehen beziehen die Gallier ihre Identität aus der Unterdrückung durch die Römer. Aber der Kampf gegen sie ist ihnen eine Quelle der Freude und des Abenteuers. Asterix ist nicht fremdenfeindlich. Es gibt allerdings gewisse Mentalitätsunterschiede: Die Römer sind rational, die Gallier irrational.

SPIEGEL ONLINE: In den "Asterix"-Bänden wird fast ganz Europa von den Römern beherrscht. Heute sagt man den Deutschen nach, den Kurs der EU zu bestimmen. Ist Angela Merkel der Julius Cäsar unserer Zeit?

Conrad: Das Römische Reich von heute sind die USA. Deutschland ist eine ökonomische Macht, keine militärische. Übrigens sind die USA das einzige Land der westlichen Welt, in dem Asterix nicht populär ist.

Ferri: Man könnte ironischerweise sogar sagen, die Amerikaner sind die Einzigen, die, wie das gallische Dorf, noch Widerstand leisten gegen die Weltherrschaft von Asterix.

SPIEGEL ONLINE: Uderzo hat in Asterix immer wieder Prominente karikiert. Wer taucht im neuen Band "Asterix bei den Pikten" auf?

Ferri: Verraten wir nicht. Aber es sind Persönlichkeiten aus der Kultur, nicht aus der Politik. Angela Merkel können Sie schon mal ausschließen.

SPIEGEL ONLINE: Und den französischen Staatspräsidenten François Hollande?

Ferri: Der würde doch höchstens als Nebenfigur taugen. Aber verstehen Sie das bitte nicht als politische Bemerkung. In Schottland habe ich kürzlich in einem Interview gesagt: "Es lebe das freie Schottland!" Prompt stand in der Zeitung: "Asterix-Zeichner befürwortet schottische Unabhängigkeit." So war das nicht gemeint.

SPIEGEL ONLINE: Warum spielt der neue Band ausgerechnet bei den Schotten? Europa ist in der Krise - und Sie bewegen sich an die Peripherie.

Ferri: Wir haben die Pikten, wie die Schotten bei "Asterix" heißen, nicht nach politischen Kategorien ausgesucht. Schottland bietet einfach ein schönes Dekor, einen guten Hintergrund für die Geschichte - denken Sie an die schottischen Traditionen.

SPIEGEL ONLINE: Whisky und Baumstammwerfen?

Ferri: Ja. Aber es geht uns nicht um eine Ansammlung von Stereotypen, sondern um die Geschichte. Um den Anlass, warum Asterix nach Schottland reist.

SPIEGEL ONLINE: Und der wäre?

Ferri: Versuchen Sie's ruhig. Aber wir verraten nichts, bevor das Album am 24. Oktober erscheint. Wir wollten die Geschichte in den Rahmen einer nordischen Sage verpacken.

SPIEGEL ONLINE: Unter Julius Cäsar kamen die Römer allerdings gar nicht bis Schottland.

Conrad: "Asterix" ist kein historischer Comic. Wir haben uns Freiheiten genommen.

SPIEGEL ONLINE: Und welche Freiheiten hat Ihnen Albert Uderzo gelassen?

Conrad: Unser Auftrag - und auch unser eigener Anspruch - war, dass sich der neue, 35. Band in die Reihe der bisherigen einfügt. Uderzo hat den gesamten Arbeitsprozess begleitet. Aber es gibt kein Regelwerk für "Asterix". Uderzo hat selbst ja immer sehr intuitiv gearbeitet. Er ist kein Dogmatiker.

Ferri: Und dadurch, dass wir mit Uderzo zusammengearbeitet haben, genossen wir umso größere Freiheiten gegenüber dem Verlag - die man uns dort womöglich so gar nicht gewährt hätte.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einzelne Figuren verändert oder neue hinzugefügt?

Ferri: Bislang nicht. Wir respektieren die Figuren. Aber natürlich wollen wir sie uns im Laufe der nächsten Bände aneignen und weiterentwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Der Filmdarsteller des Obelix, Gérard Depardieu geriet in die Schlagzeilen, als er Frankreich aus Protest gegen François Hollandes Steuerpolitik verlassen hat. Was sagen Sie eigentlich dazu?

Ferri: Uderzo dürfte das gut verstehen angesichts seines eigenen Vermögens...

Conrad: Unser Problem ist das nicht. Ich lebe seit 17 Jahren in Kalifornien.

Ferri: Und ich in den Pyrenäen. Das gehört ja eigentlich schon gar nicht mehr zu Frankreich.

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
Liechtenstein 11.10.2013
1. Kann ja nur besser werden
Nach den letzten unterirdisch schlechten Alben kann es ja nur besser werden.
Layer_8 11.10.2013
2. Mein Favorit
Zitat von sysopEgmont Ehapa VerlagWenn es um den witzigsten, geistreichsten "Asterix" geht, hat jeder Fan hat seinen Favoriten. Die beiden neuen Autoren übrigens auch. Über den Inhalt des jüngsten Bandes verraten sie fast nichts - sagen aber immerhin, was das Heft mit Angela Merkel zu tun hat. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/asterix-bei-den-pikten-interview-jean-yves-ferri-und-didier-conrad-a-927333.html
"Streit um Asterix" und die psychologische Kriegsführung. Und gleich danach das mit den Goten :-)
argumentumabsurdum 11.10.2013
3. Irrtum Ihrerseits...
Bei den Bildunterschriften ist Ihnen ein kleiner Fauxpas unterlaufen: Rene Goscinny präsentiert auf dem Foto nicht "Asterix der Gallier" sondern "Asterix bei den Briten". MFG
Steeevyo 11.10.2013
4. Goscinny
Zitat von sysopEgmont Ehapa VerlagWenn es um den witzigsten, geistreichsten "Asterix" geht, hat jeder Fan hat seinen Favoriten. Die beiden neuen Autoren übrigens auch. Über den Inhalt des jüngsten Bandes verraten sie fast nichts - sagen aber immerhin, was das Heft mit Angela Merkel zu tun hat. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/asterix-bei-den-pikten-interview-jean-yves-ferri-und-didier-conrad-a-927333.html
Jeder Asterix Fan weiss, dass Asterix mit Rene Goscinny gestorben ist. Also mit Asterix bei den Belgiern. Der grosse Graben ist noch ganz anstaendig und danach kam nichts mehr von Belang.
platten 11.10.2013
5. Tennisplatzis
Zitat von sysopEgmont Ehapa VerlagWenn es um den witzigsten, geistreichsten "Asterix" geht, hat jeder Fan hat seinen Favoriten. Die beiden neuen Autoren übrigens auch. Über den Inhalt des jüngsten Bandes verraten sie fast nichts - sagen aber immerhin, was das Heft mit Angela Merkel zu tun hat. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/asterix-bei-den-pikten-interview-jean-yves-ferri-und-didier-conrad-a-927333.html
Asterix als Legionär mit meinem absoluten Favoriten Tennisplatzis!
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