50 Jahre Hotzenplotz Achtung, der Kerl schießt mit Pfeffer!

Er rülpst und flucht, klaut und droht mit seiner Pfefferpistole: Räuber Hotzenplotz ist in seiner Rohheit so faszinierend, dass Otfried Preußlers gleichnamiges Kinderbuch sogar auf Chinesisch erschien. Zum 50. Geburtstag wird dem Räuber in Stuttgart eine Ausstellung gewidmet.

Thienemann

Ein Bösewicht ist er schon, dieser Hotzenplotz. Erst klaut er die Kaffeemühle einer alten Dame, dann entführt er zwei Kinder und verkauft eines an den zwielichtigen Zauberer Zwackelmann. Doch zugleich ist jede Szene mit dem Räuber ein Genuss: Er flucht und krakeelt, dass es einen wohlig schaudert.

Otfried Preußlers berühmter Räuber ist der Archetyp des bärbeißigen Gauners. Vor knapp fünfzig Jahren, am 1. August 1962, erschien der erste Hotzenplotz-Band. Zwei weitere folgten, außerdem Hotzenplotz als Bühnenstück, als Hörspiel, auf der Kinoleinwand. Die Geschichten und die Zeichnungen des 1978 verstorbenen Illustrators Franz Josef Tripp kennt in Deutschland fast jedes Kind. Zungenkitzelnde Passagen ("Petrosilius Zwackelmann - Zeprodilius Wackelzahn - Spektrofilius Zaschelschwan") funktionieren anscheinend auch in anderen Sprachen: Den "Hotzenplotz" gibt es in 30 Sprachen.

Der ein oder andere Pädagoge hat Preußler vorgehalten, dass er einen Verbrecher zum heimlichen Helden mache - eine Kritik, die der Autor von sich weist: "Denn er ist eigentlich gar nicht wirklich böse und gefährlich, er ist eher ein polterndes Großmaul." Preußler glaubte offenbar daran, dass Kinder das Gute im Hotzenplotz erkennen: Sie würden einen "natürlichen Optimismus" besitzen, den er in seinen Büchern fördern wolle. Seine Arbeit solle nicht belehren, vielmehr ein Ansporn sein zum Phantasieren und Träumen.

Der Mann mit den sieben Messern

Natürlich entgeht der Hotzenplotz schlussendlich seiner gerechten Strafe nicht: Kasperl und Seppel entkommen, den Mann mit den sieben Messern und der Pfefferpistole sperrt der behäbige Wachtmeister Alois Dimpfelmoser ins Spritzenhaus. So endet eben "eine richtige Kasperlgeschichte", wie Autor Preußler sie sich nach eigenem Bekunden vorgenommen hatte. Schon in seiner Zeit als Volksschullehrer soll er seinen Schützlingen oft Geschichten erzählt haben. Bis 1970 unterrichtete er in Rosenheim, erst danach widmete er sich ganz dem Schreiben.

Da waren einige der bekanntesten Klassiker schon erschienen, unter anderem sein Erstling "Der kleine Wassermann" (1956), "Die kleine Hexe" (1957) und "Das kleine Gespenst" (1966) sowie der erste Band der "Hotzenplotz"-Reihe. Kurze Zeit später folgte das Jugendbuch "Krabat", das den Kampf zwischen der Liebe und dunklen Mächten in einer für Preußler ungewöhnlich düsteren Fabel schildert.

Viele von Preußlers Büchern sind von den Erzählungen seiner eigenen Kindheit beeinflusst, orientieren sich an slawischen oder deutschen Sagen und mündlich überlieferten Geschichten aus seiner Heimat. Preußler wuchs in der Kleinstadt Reichenberg im Norden Böhmens auf, an der Grenze zu Schlesien. Aus dieser Region stammt auch der reiche Figurenschatz der Wassermänner, Hexen und Zauberer, die Preußler in seinen Kinderbüchern zum Leben erweckt. Auch der berüchtigte Räuber hat seine Wurzeln in Preußlers Heimat: Sein Name ist vom schlesischen Dorf Osoblaha entlehnt. Zu deutsch: Hotzenplotz.

Ursprünglich habe er nur einen Hotzenplotz-Band geplant gehabt, schrieb Preußler Jahre später. Doch die Anfragen, Bitten und detaillierten Vorschläge vieler Kinder hätten ihn angetrieben, ein weiteres Buch zu verfassen. "Neues vom Räuber Hotzenplotz" erschien sieben Jahre nach dem Erstling, ohne den bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann (ertrunken im Unkenpfuhl), dafür mit Witwe Schlotterbeck, die versehentlich ihren Dackel Wasti in ein Krokodil verwandelt.

"Hotzenplotz 3" beendete 1973 die Trilogie. Darin wird der inzwischen geläuterte Räuber zu Unrecht eines Diebstahls verdächtigt. Natürlich löst der Kasper das Mysterium - Hotzenplotz kommt davon und findet seine wahre Profession: Wirt im Gasthaus "Zur Räuberhöhle".


"50 Jahre Räuber Hotzenplotz", bis 15. September 2012 in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart

Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz. Thienemann Verlag, Stuttgart; 128 Seiten, 9,90 Euro.
Otfried Preußler: Neues vom Räuber Hotzenplotz. Thienemann Verlag, Stuttgart, 124 Seiten, 9,90 Euro.
Otfried Preußler: Hotzenplotz 3. Thienemann Verlag, Stuttgart, 128 Seiten, 9,90 Euro.

usp/dapd

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
neu_im_forum 18.07.2012
1. Goldkiste
Zitat unter Bild 12: "In Enland klaut der Hotzenplotz gleich eine ganze Kiste Gold - nichts scheint unmöglich für den Mann mit den sieben Messern." Ich frage mich ob der Autor das Buch kennt. Hotzenplotz meint nur eine Kiste Gold zu klauen. In Wirklichkeit ist Sand drin, der herausrieselt und Kaspar und Seppel den Weg zum Versteck des Räubers zeigen soll.
doramaus 18.07.2012
2. Bild 4 - Bildunterschrift
Sorry, aber die Bildunterschrift ist mitnichten in Irisch, sondern Walisisch!
sappelkopp 18.07.2012
3. Am eindrucksvollsten sind doch die...
Zitat von sysopThienemannEr rülpst und flucht, klaut und droht mit seiner Pfefferpistole: Räuber Hotzenplotz ist in seiner Rohheit so faszinierend, dass Otfried Preußlers gleichnamiges Kinderbuch sogar auf chinesisch erschien. Zum 50. Geburtstag wird dem Räuber in Stuttgart eine Ausstellung gewidmet. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,844712,00.html
...Knallpilze, die sind um Klassen besser als Zaubersprüche und Pfefferpistolen. :-)
hzd 18.07.2012
4. Der Kinofilm von 1974...
wird dem Buch voll gerecht: Gert Fröbe IST der Hotzenplotz!
Zenturio.Aerobus 18.07.2012
5. Ganz recht
Zitat von hzdwird dem Buch voll gerecht: Gert Fröbe IST der Hotzenplotz!
Und dem Meinrad Peperl als Zauberer - besser geht's nicht.
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