Autor Sascha Anderson Mehr als tausend Stasi-Seiten aufgetaucht

Über die Stasi-Verbindungen des Berliner Autors Sascha Anderson sollen mehr als tausend Aktenseiten des früheren DDR-Ministeriums für Staatssicherheit aufgetaucht sein. Angeblich belasten sie Anderson schwer. Schon 1991 hatte Wolf Biermann Andersons Stasi-Verbindungen publik gemacht.


Berlin - Experten der Gauck-Behörde sollen aus Papierschnitzeln, die in zahlreichen Säcken bei der Auflösung der Stasi-Zentrale im Keller gefunden worden waren, über tausend Aktenseiten aus den Jahren 1975 bis 1986 rekonstruiert haben, wie "Focus" berichtet. Diese würden den Autor aus der Literatenszene am Prenzlauer Berg schwer belasten, meint das Magazin. Bisher hätten nur die Deckel seiner sogenannten Täter-Akte existiert. Der Inhalt blieb bisher verschwunden, man nahm an, dass er vernichtet worden war.

Aus den Akten gehe hervor, dass Anderson unter den Decknamen "David Mentzer" und "Fritz Müller" prominente DDR-Bürgerrechtler wie Robert Havemann und das Ehepaar Poppe sowie Literaten wie Lutz Rathenow und in Ost-Berlin akkreditierte West- Journalisten ausspioniert habe. Neben den Berichten über Zusammenkünfte habe sich auch ein von Anderson verfasster Lebenslauf in den Dokumenten befunden.

Sprach schon 1991 von Andersons Stasi-Verbindungen: Wolf Biermann
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Sprach schon 1991 von Andersons Stasi-Verbindungen: Wolf Biermann

Schon 1991 machte der Liedermacher und ehemalige DDR-Oppositionelle Wolf Biermann Andersons Stasi-Verbindungen publik. Anderson hat bisher aber stets bestritten, die Funktion eines "IM" (Inoffiziellen Mitarbeiters) der Stasi ausgeübt zu haben.



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