Autorin Silke Scheuermann "Es hat sich ausdebütiert"

2. Teil: Was hält die Autorin von einem literarischen "Herrnleinwunder"? Hier erfahren Sie es


SPIEGEL ONLINE: Stört es Sie, permanent mit anderen jungen Autorinnen wie Judith Hermann in einen Topf geworfen zu werden?

Scheuermann: Ich selber sehe da riesige Unterschiede, einige junge Autoren schätze ich sehr, andere weniger. Außerdem gibt es ja schon wieder eine neue Generation, die, die um 1980 geboren sind. Ich fühle mich nach dem vierten Buch ehrlich gesagt nicht mehr als Jungautorin. Erst hatte ich einen Debüt-Lyrikband, dann ein Debüt Hardcover, dann einen Debüt-Prosaband, jetzt habe ich einen Debütroman. Man kann damit sehr alt werden. Jetzt kommt der dritte Gedichtsband, und ich denke, es hat sich jetzt ausdebütiert.

SPIEGEL ONLINE: Haben es weibliche Autoren besonders schwer, ernst genommen zu werden?

Scheuermann: Manchmal beneide ich die Männer schon. Es gibt wohl kaum Sammelartikel, in denen die Bilder von fünf jungen, männlichen Autoren abgedruckt werden. Ein "Herrleinwunder" kann man sich schwer vorstellen. Männer werden als Einzelpersonen Ernst genommen, während wir Frauen gerne zu einem Eintopf verrührt werden. Die Brontë-Schwestern haben sich aus diesem Grund Männernamen zugelegt, um als ältere, distinguierte Männer durchzugehen. Ich versuche, gelassen zu bleiben und mir einzubilden, etwas Zeitloses zu schaffen. Mal sehen, was in 20 Jahren ist.

SPIEGEL ONLINE: Volker Weidermann hat in der "FAZ" die Innerlichkeit vieler Neuerscheinungen bemängelt und als "Frühlingswarten 2007" zusammengefasst. Seine These hat er unter anderem mit einem Zitat aus Ihrem Buch belegt.

Scheuermann: Unter diese Prämisse fällt doch fast jedes Buch. Einer meiner Lieblingsschriftsteller ist F. Scott Fitzgerald, der hat schon vor Jahrzehnten über junge, gelangweilte Männer geschrieben. Ich zumindest, nehme die Probleme meiner Figuren sehr ernst. Auf Teufel komm' raus ein Buch zu schreiben, das von einer anderen Generation als der meinen handelt, hat mich nicht interessiert.

Das Interview führte Jenny Hoch


Silke Scheuermann: "Die Stunde zwischen Hund und Wolf". Schöffling & Co., 171 Seiten, 17,90 Euro.



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