Autorinnen Trauer um Luise Rinser

Die Schriftstellerin Luise Rinser ist im Alter von 90 Jahren an Herzversagen gestorben. Die politisch engagierte Autorin wurde mit Romanen wie "Mirjam" und "Mitte des Lebens" bekannt. Bundespräsident Johannes Rau würdigte sie als eine der großen literarischen Stimmen der Nachkriegszeit.


Für Frieden und Gleichberechtigung: Luise Rinser
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Für Frieden und Gleichberechtigung: Luise Rinser

Unterhaching - Luise Rinser sei "ganz plötzlich und unerwartet" in einem Stift im oberbayerischen Unterhaching gestorben, teilte ihr Sohn Christoph Rinser am Montag in München mit.

Die am 30. April 1911 in Oberbayern geborene Autorin gehörte zu den bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Mehr als fünf Millionen Exemplare ihrer Werke wurden verkauft. Zu ihren auflagenstärksten Romanen gehörten "Mitte des Lebens" (1950), "Daniela" (1952), "Mirjam" (1983) und "Abaelards Liebe" (1991). In ihren mehr als 50 Erzählungen und Romanen, Essays, Tagebüchern und Reiseberichten befasste sich Rinser immer wieder mit der Kraft der Liebe und der Lebenswirklichkeit. Bis heute gilt ihr Brecht-Essay von 1960 als intellektuelles Glanzstück.

Immer wieder engagierte sich Rinser auch in der Politik, sprach sich gegen atomare Aufrüstung, für mehr Frauenrechte und die Friedensbewegung aus. 1984 wurde sie von den Grünen als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten nominiert, verlor jedoch gegen Richard von Weizsäcker.

Rinser, als Tochter eines Lehrers im Ort Pitzling in Landsberg am Lech geboren, begann 1935 in Ohlstadt bei Garmisch als Volksschullehrerin. 1939 musste sie den Dienst quittieren, da sie weder in die NSDAP noch in eine andere NS-Formation eintreten wollte. Nach ersten Veröffentlichungen wurde sie 1944 wegen Hochverrats und Wehrkraftzersetzung verhaftet und kam ins Frauengefängnis Traunstein. Sie entging einem drohenden Todesurteil durch die Befreiung der Amerikaner im Frühjahr 1945.

Die Basis ihres gesellschaftlichen Lebens als bekennende Linke war der "zivile Ungehorsam". Die streitbare Autorin äußerte sich immer wieder politisch und mischte sich auch in die Tagespolitik ein. Rinser ging mit ihrem engen Freund Willy Brandt auf Wahlkampfreisen, hielt flammende Reden für die Abschaffung des früheren Abtreibungsparagrafen und demonstrierte mit Heinrich Böll gegen die Rüstungsspirale.

Immer wieder legte sie sich auch mit der Amtskirche an und nannte den Zölibat "unnatürlich". Dennoch sei sie "im Herzen tief im Katholizismus verwurzelt" geblieben, sagte Christoph Rinser.

Seit den sechziger Jahren lebte Rinser in der Nähe von Rom, erst zuletzt sei sie nach Unterhaching gezogen. Seine Mutter sei zuletzt gebrechlich gewesen, sagte Christoph Rinser. "Sie fühlte sich sehr schwach, hatte zuletzt keine Freude mehr am Leben." In den vergangenen fünf Jahren habe Rinser zudem mehrere Operationen an Hüfte und Oberschenkel über sich ergehen lassen müssen. Rinser werde ihrem letzen Willen entsprechend im oberbayerischen Wessobrunn (Landkreis Weilheim-Schongau) beigesetzt. Der Termin stehe aber noch nicht fest.

Bundespräsident Johannes Rau würdigte Luise Rinser am Montag als eine der großen literarischen Stimmen des vergangenen Jahrhunderts. Sie habe sich nicht von kurzfristigen Moden beeinflussen lassen und sich immer wieder couragiert für Freiheit, Demokratie und Mitmenschlichkeit eingesetzt, schrieb Rau in einem Beileidsschreiben an den Sohn der Schriftstellerin. Luise Rinser habe über Jahrzehnte hinweg Generationen von Lesern fasziniert, betonte Rau. "Sie wird vielen Menschen fehlen, gerade weil sie in ihren Büchern und Aufzeichnungen immer wieder und immer wieder neu den Grundfragen des Lebens nachgespürt hat."



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