"Batman"-Zeichner Robinson Der Mann, der den Joker lachen ließ, ist tot

Durch seine präzisen Zeichnungen gelang "Batman" der Durchbruch: Jerry Robinson war der letzte Überlebende des Teams, das einst den Superhelden im Fledermaus-Kostüm erfand. Jetzt ist der Zeichner, der wahrscheinlich auch den Joker erfand, im Alter 89 Jahren gestorben.

AP/ DC Comics

Jerry Robinson war 17, als er die wichtigste Entscheidung seines Lebens traf - und möglicherweise den größten Fehler beging. Statt wie geplant aufs College zu gehen, ließ er sich von einem Mann namens Bob Kane als zeichnerischen Assistent engagieren.

Das war im Sommer 1939. Kane hatte gerade die Zeichnungen für ein Comicheft mit einer völlig neuen Figur abgeliefert. Er nannte sie "Batman", erdacht von ihm und dem Autor Bill Finger. Jetzt machte er Urlaub in den Poconos, einem Ausflugsgebiet in Pennsylvania. Der untergewichtige Robinson war auf einer Zunahme-Kur dort und wollte eigentlich ab Herbst aufs College in Syracuse gehen.

Beeindruckt von Robinsons Zeichnungen, die dieser mangels Papier auf seinem Jackett angefertigt hatte, heuerte Kane den Jungen für sein Studio in New York an. Nach Kane selbst und Bill Finger, der die Skriptvorlagen für die Comics schrieb, war der minderjährige Robinson damit der dritte Mann im Batman-Team.

Bereits ab der dritten Ausgabe war er Hauptzeichner der Serie. "Er war ein besserer Zeichner als Kane und schaffte es, Batmans Abenteuer professioneller aussehen zu lassen", sagte der Comicpublizist Rick Marschall über diese frühen Arbeiten. Tatsächlich war Robinsons Strich wesentlich feiner und seine Figurengestaltung korrekter als die des relativ grob und flüchtig arbeitenden Kane. Dabei fertigte er die Seiten vorrangig nachts an - tagsüber studierte er Journalistik in New York.

Gefährlicher als alle Bankräuber und irren Grafen

Nicht nur bei der Gestaltung der Hefte machte sich Robinsons Einfluss bemerkbar, sondern auch bei der Entwicklung der Figuren. Von ihm stammten die Entwürfe für Batmans Butler Alfred und den jugendlichen Sidekick Robin. Letzterer benannt nach Robin Hood und gestaltet nach den klassischen Illustrationen von N.C. Wyeth. Der erste Auftritt der Figur im April 1940 verdoppelte die verkaufte Auflage der "Batman"-Comics schlagartig.

Fast zeitgleich hatte der Joker, Batmans Erzfeind, seinen ersten Auftritt in einem weiteren "Batman"-Heft. Robinson, der zu dieser Zeit die Comics allein mit Finger und Kane in einem Appartement in der New Yorker Bronx gestaltete, behauptete später, die Idee zu dieser Figur sei von ihm ausgegangen. Inspiriert durch ein Kartenspiel, das die Männer immer zur Hand hatten, und mit dem Hintergedanken, einen Gegner zu schaffen, der gefährlicher war als die üblichen Bankräuber und irren Grafen, die Batman bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich bekämpft hatte.

Laut Bob Kane beruht der Entwurf des berühmten Schurken dagegen auf einem Szenenfoto aus dem Stummfilm "The Man Who Laughs" (1928) mit dem deutschstämmigen Conrad Veidt in der Titelrolle. Gedacht war die Figur lediglich für einen einzigen Auftritt. "Robinson hatte nichts damit zu tun", war sein drastisches Urteil.

Zweite Karriere als Historiker in eigener Sache

Hier rächte es sich, dass Robinson, obwohl er die zeichnerische Hauptarbeit an den Comics erledigte, lediglich als Assistent engagiert war, während Kane sich vertraglich alle Rechte an Batman und sämtlichen Nebenfiguren zugesichert hatte. Außerdem, dass die drei Männer die Arbeit in ihrem Studio allein erledigten, so dass es keine weiteren Zeugen für die Erfindung der Figur gab.

Nicht zuletzt deshalb begann Robinson ab 1940 nicht mehr für Kane, sondern für den Verlag direkt zu arbeiten - in deren Studio, wo er zeitweise neben "Superman"-Miterfinder Joe Shuster und dem späteren Marvel-Zeichner Jack Kirby in einer Reihe am Zeichentisch saß. Bis 1947 zeichnete er Batman und andere Superhelden, ehe er sich auf Western- und Abenteuercomics verlegte, als politischer Karikaturist arbeitete und fast ein Jahrzehnt lang den Lehrer-Comic "True Classroom Flubs and Fluffs" (etwa "Wahre Klassenzimmer-Missgeschicke") gestaltete.

Erst in den siebziger Jahren näherte Robinson sich den Superhelden-Comics allmählich wieder an, als er sich für die Rechte der "Superman"-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster stark machte, die zu dieser Zeit von DC Comics praktisch ignoriert wurden. Zeitgleich begann seine zweite Karriere als Comichistoriker. Mit "The Comics" publizierte er 1974 das erste Buch über die Geschichte des amerikanischen Comics von seinen Anfängen um die Jahrhundertwende bis zur damaligen Gegenwart.

Der am Neujahrstag 1922 in Trenton, New Jersey, geborene Robinson war der letzte Überlebende der ursprünglichen "Batman"-Crew. Er starb in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Alter von 89 Jahren im Schlaf.



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