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Bad Sex Award 2014: "Als seine Hand ihren Nippel streifte..."

Prämierter Verbalsex: "Bittersüße Empfindungen fluteten ihr Hirn" Zur Großansicht
Corbis

Prämierter Verbalsex: "Bittersüße Empfindungen fluteten ihr Hirn"

Die körperliche Liebe in Buchstaben - ein Trauerspiel! Mit dem Bad Sex Award zeichnet ein britisches Magazin jährlich die schlechteste Liebesszene in einem Roman aus. 2014 geht der Preis an den Autor Ben Okri.

London/Hamburg - Sicher, es gibt den berühmten "Dirty Talk", den manche Liebenden benötigen, um sexuell zu großer Form aufzulaufen. Im Bett können Worte Waffen sein. In der Literatur auch. Aber ganz sicher nicht dann, wenn es um Sex geht: Die Liste der an der Beschreibung von Sexszenen gescheiterten Autoren ist lang, weshalb die englische Literaturzeitschrift "Literary Review" seit 1993 den "Bad Sex Award" vergibt.

In diesem Jahr und als Nachfolger von Kollegen wie Tom Wolfe, Norman Mailer und Jonathan Littell erhält die zweifelhafte Auszeichnung der nigerianische Schriftsteller Ben Okri. Ein Booker-Prize-Träger also, der sich nun in eine Reihe stellen darf mit anderen namhaften Autoren, die sich meist in englischer Sprache am Unmöglichen versuchen: Sex unfallfrei aufs Papier zu bringen.

Bei Okri, Jahrgang 1959, klingt das in seinem zehnten Roman "The Age of Magic" in deutscher Übersetzung etwa so:

"Als seine Hand ihren Nippel streifte, wurde ein Schalter umgelegt und sie war wie erleuchtet. Er berührte ihren Bauch, und es schien, als brannte seine Hand durch sie hindurch. Er verschwendete beiläufige Berührungen an ihrem Körper, und bittersüße Empfindungen fluteten ihr Hirn. Sie wurde Orten in sich bewusst, die nur von einem Gott mit Sinn für Humor dort versteckt worden sein konnten."

Nominiert waren in diesem Jahr auch Haruki Murakami ("Schamhaar, so nass wie ein Regenwald"), Michael Cunningham ("Er hörte sich selbst vor Staunen nach Luft ringen") und Richard Flanagan, der diesjährige Gewinner des Booker Prize ("Hände fanden Fleisch, Fleisch, Fleisch. Er fühlte das unwahrscheinliche Gewicht ihrer Wimper mit seiner eigenen. Er küsste den leichten, rosigen Abdruck ihrer Strumpfhose, der um ihren Bauch verlief wie der Äquator um die Erde").

Okris Lektorin nahm den Preis stellvertretend für Okri mit anderen Verlagsrepräsentanten entgegen, sie sagte: "Diesen Award zu gewinnen, ist lustig, aber auch ein bisschen unwürdig - so wie Sex, wenn man ihn richtig macht."

Im vergangenen Jahr gewann Manil Suri den Preis, der einst vom früheren Chefredakteur von "Literary Review" als Erziehungsmaßnahme beschrieben wurde - mit der Aufgabe, die Aufmerksamkeit "auf die kruden, geschmacklosen, oft nachlässig geschriebenen und redundanten sexuellen Passagen in modernen Romanen" zu lenken, "um solche künftig zu verhindern".

tha

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