"Salz auf unserer Haut" Autorin Benoîte Groult gestorben

Ihr erotischer Roman "Salz auf unserer Haut" war ein Bestseller. Nun ist die französische Schriftstellerin und Feministin Benoîte Groult gestorben. Sie wurde 96 Jahre alt.

Benoîte Groult
AFP

Benoîte Groult


Die französische Schriftstellerin Benoîte Groult ist tot. Die Romanautorin und Feministin wurde 96 Jahre alt. Bekannt wurde Groult für ihren erotischen Roman "Salz auf unserer Haut", der bei seiner Veröffentlichung 1988 für einen Skandal sorgte. Vor allem männliche Kritiker taten das Buch als Pornografie ab. Es erzählt, angeblich autobiografisch geprägt, von der leidenschaftlichen Liebe der Pariser Intellektuellen George zu einem bretonischen Fischer.

Benoîte Groult wurde am 31. Januar 1920 in Paris geboren. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete sie in Paris als Latein- und Französischlehrerin, drauf folgte eine journalistische Karriere. Sie begann als Redakteurin und Kolumnistin im Rundfunk, ab 1955 arbeitete sie für verschiedene Zeitschriften wie "Elle", "Marie-Claire" und "Parents". Mit Claude Servan-Schreiber gründete sie das "F-Magazin": Es war der Versuch, ein neue politische Zeitschrift für Frauen zu etablieren.

Groult begann erst spät damit, Bücher zu schreiben. Mit 40 Jahren tat sie sich mit ihrer Schwester Flora zusammen und arbeitete an einem intimen Tagebuch, das 1963 unter dem Titel "Das vierhändige Tagebuch" erschien. Darin erzählen die beiden Frauen von ihrem Leben im Krieg und den wenigen Freiheit, die sie als Mädchen hatten. In den nächsten vier Jahren folgten zwei weitere Bücher mit ihrer Schwester. Flora verstarb 2001 an Alzheimer.

Ihren ersten eigenen Roman veröffentlichte Groult im Jahre 1972. "La part des choses" brachte der Autorin 1972 den Preis der Akademie der Bretagne ein. Es folgten weitere Erfolge - zu ihren Bestsellern zählte das 1975 veröffentlichte Werk "Ödipus' Schwester - Zorniges zur Macht der Männer über Frauen". Und auch der Film zu "Salz auf meiner Haut" wurde ein großer Erfolg.

Groult war eine der prominentesten Feministinnen Frankreichs. Unter Staatspräsident François Mitterrand leitete sie eine Kommission, die für männliche Berufsbezeichnungen weibliche Versionen suchte. Außerdem trat sie für das Recht auf Abtreibung, die Antibabypille und später für die Sterbehilfe ein.

Laut eigenen Angaben wurde Groult Feministin "wider Willen", weil sie große Mühe gehabt hätte, "feminin zu werden". Sie blieb Feministin, weil Frauen zwar im persönlichen Bereich große Fortschritte machten, aber nur geringen politischen Einfluss gewannen und auch nur selten in öffentlichen Funktionen tätig wurden. Anfang der Neunziger stellte Groult Rückschritte in der Frauenbewegung fest. In Paris sagte sie 1992 den "Stuttgarter Nachrichten", sei der "Feminismus out und die Macht fester in Händen der Männer als vor 20 Jahren".

Groult starb in der Nacht zum Dienstag in der südfranzösischen Stadt Hyères. "Sie ist im Schlaf gestorben, so wie sie es wollte, ohne zu leiden", sagte ihre Tochter Blandine de Caunes der Nachrichtenagentur AFP.

gia/AFP

Mehr zum Thema
Newsletter
Bücher: Bestseller und Lesetipps


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.