Berühmte Abschiedsworte Jürgen W. Möllemann (1945-2003)

So rätselhaft der Freitod des FDP-Politikers war, so rätselhaft klingt auch sein letzter Satz, den der geübte Fallschirmspringer seinen Kollegen kurz vor dem Absprung zurief.


Jürgen W. Möllemann ist der erste und bisher auch einzige (west-)deutsche Minister, der nach 1945 durch Freitod aus dem Leben schied. Dabei hatte der gelernte Volksschullehrer eine fabelhafte politische Karriere hinter sich. Er war Staats-, Bildungs- und Wirtschaftsminister, zeitweise sogar Vizekanzler. 1972, schon zwei Jahre nach seinem Eintritt in die FDP (vorher war er sieben Jahre erfolglos CDU-Mitglied gewesen), saß er als Abgeordneter im Deutschen Bundestag, als 27-Jähriger. Er sah gut aus, war dynamisch, oft provokant und machtbewusst.

Jürgen Möllemann (2002): Sprung in den Freitod
AP

Jürgen Möllemann (2002): Sprung in den Freitod

Leider trennte er politisches Engagement und den privaten Nebenerwerb nicht strikt. Deshalb geriet er 2003 endgültig in das Visier der Strafverfolger, trat aus seiner FDP aus und musste fürchten, Ehre, Haus und Auto zu verlieren.

Der geübte Fallschirmsportler sprang aus 4250 Meter Höhe in den Tod. Das Flugzeug, eine Pilatus Porter, startete in Marl-Loemühle, einem ländlichen Platz in Westfalen. In der Maschine waren zehn Kameraden. Möllemann trennte sich nach einem regelrechten Sprung in 1600 Meter von seinem Hauptfallschirm. Das automatische Notauslösesystem war so manipuliert, dass der Reservefallschirm sich nicht öffnete. Der Politiker schlug, beide Arme wie ein Gekreuzigter weit ausgebreitet, mit 200 Stundenkilometer auf eine Wiese, ein Sekundentod.

Zuletzt hatten ihn die Sportkameraden gefragt, ob er, wie so oft, auch heute einen Formationsflug mitmachen würde, den "Sechserstern". Jürgen Möllemann bedauerte:

"Ich springe heut einen Einzelstern."



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