Bilderbuchratgeber Depressionen an der Leine

Man kann sich auch von üblen Gefühlen erheitern lassen. Das beweist Matthew Johnstone mit seinem Bilderbuch für Erwachsene. Sein Thema: Depressionen. Seine Botschaft: Humor. Seine Stärke: Er findet Bilder für die Krankheit, die jeder sofort versteht.

Von


Fast am Ende dieses Buches, irgendwo im langen Block der Danksagungen, wendet sich der Autor und Illustrator Matthew Johnstone an seinen Protagonisten: "Und einen kleinen, widerwilligen Dank an dich, schwarzer Hund – ohne Dich würde es dieses Buch nicht geben ... schlimmer Hund", schreibt er. Johnstone leidet an Depressionen, und er hat ein unerwartet spielerisches Buch darüber verfasst.

"Mein schwarzer Hund" kommt wie ein Bilderbuch daher, und vor allem mit seinen großartigen Illustrationen entwirft Johnstone einprägsame Metaphern für diese Krankheit, die von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit dieses Jahrtausends eingestuft wurde.

Da ist noch ziemlich am Anfang des schmalen Buchs ein Bild zu sehen, auf dem der schwarze Hund einem Mann aus einem Badezimmerspiegel entgegenblickt; auf einem anderen schaut dieser Mann durch eine schwarze Hundebrille in die Welt; zwei Seiten weiter hockt der schwarze Hund schon groß und mächtig auf einem Teller Essen, hängt den Schwanz in ein Glas Rotwein. "Besonders gern verdarb mir der schwarze Hund den Appetit." Der Hund wird immer bedrohlicher, je weiter man in dem Buch blättert. Bis er den Mann innerlich ausfüllt. Und dieser zum Arzt geht.

Matthew Johnstones Buch zeigt Bilder, die Leser intuitiv verstehen, auch jene, die nicht unter Depressionen leiden. Die erdrückende Wucht dieser Krankheit wird unmittelbar spürbar. Im Vorwort berichtet der englische Psychiater Gordon Parker, dass eine von vier Frauen im Laufe ihres Lebens an einer klinischen Depression erkrankt und einer von sechs Männern.

Es ist vermutlich sehr englisch, dem grauen Schrecken dieser Krankheit ein scheinbar schlichtes, humorvolles Bilderbuch entgegenzusetzen. Doch dem gesellschaftlichen Tabu, das diese Krankheit noch immer bedeutet, entzieht Johnstone auf diese Weise ganz lässig den Boden. Er verdeutlicht statt zu verharmlosen. Am Ende hält er den schwarzen Hund an einer hübschen roten Leine. Vorher hat er ihn noch umarmt. Ganz verschwinden wird er wohl nie.


Buch Matthew Johnstone: "Mein schwarzer Hund". Aus dem Englischen von Thomas Lindquist. Kunstmann Verlag, München; 48 Seiten; 14,90 Euro. Erscheint am 3. September.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mephistofeles12 01.09.2008
1. Distanzierung
Keine so ungewöhnliche, aber hilfreiche Methode. Auch in der Hypnotherapie verwendet man Symbole und Metaphern um die Krankheit zu beschreiben. Damit erreicht man, dass der Kranke, der oft ja nur noch die Krankheit sieht, sich von ihr distanzieren und sie aus einer anderen, auch humorvollen Perspektive betrachten kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.