Bilderbücher: Das Ende vom Riesenalk

Von Marianne Wellershoff

Ach, warum bloß gibt es den Tretretretre aus Madagaskar nicht mehr? Und wieso gibt es nur so wenig Süßwasser? Spannend erzählt und modern illustriert beweisen zwei wunderbare Bilderbücher, dass Nachhaltigkeit kein Thema zum Gähnen ist.

Bilderbücher: Das Ende vom Riesenalk Fotos
Verlagshaus Jacoby & Stuart/ Rajcak

Damit niemand etwas Falsches erwartet: In diesem Bilderbuch gibt es kein einziges Happy End. Alle Protagonisten der kleinen Geschichten sind am Ende tot, die meisten wurden ausgerottet, von Menschen natürlich. Das Wollhaarmammut aus Sibirien, der Bali-Tiger und der Auerochse aus Europa sind für immer verschwunden, denn sie wurden aufgegessen, als Trophäe gejagt, oder ihre Heimat schrumpfte so sehr zusammen, bis sie zu klein war zum Überleben.

Man könnte nun glauben, dass das großformatige Buch "Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren", verfasst von den französischen Illustratoren Hélène Rajcak und Damien Laverdunt, eine Zumutung ist für Kinder. Aber es ist, ganz im Gegenteil, ein schön gezeichnetes, spannendes und spannend aufbereitetes Werk, das seltsame und meist schon sehr, sehr lange verschwundene Wesen wie Glyptodon oder Riesenfaultier (vor 10.000 Jahren ausgestorben) oder lange verschwundene Tierarten porträtiert - allerdings auch den erst vor sechs Jahren ausgestorbenen Chinesischen Flussdelphin. Viele tragen seltsame Namen wie Tretretretre oder Riesenmoa..

In sachlichen und leicht verständlichen Kurztexten ist nachzulesen, wie die Tiere lebten und warum sie ausstarben. Im 19. Jahrhundert gab es vom Karolinasittich im Osten der USA noch Millionen von Exemplaren; dann aber machten die Farmer Jagd auf sie. Weil die Freunde und Verwandten sich trauernd um einen erlegten Artgenossen versammelten und dort ausharrten, waren sie ein leichtes Ziel für die Jäger. Auch der flugunfähige Riesenalk, 75 Zentimeter groß und 5 Kilo schwer, wurde unerbittlich gejagt, obwohl er auf felsigen Inseln im Nordatlantik lebte und sich in immer schwerer zugängliche Gebiete zurückzog. Im 16. Jahrhundert gab es Millionen von Riesenalks, 1844 wurden die letzten Exemplare getötet.

Neben diesen biologisch-historischen Erklärungen haben die beiden Illustratoren eine kleine Bildergeschichte gesetzt. Darin wird etwa vom Maler Jean-Jacques Audubon berichtet, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts aufmachte, um alle unbekannten Vögel Amerikas zu zeichnen und schließlich mehr als 400 Bilder in einem Buch versammelte. "Audubons Bilder des Riesenalks sind sehr berühmt. Als er ihn zeichnete, was das Tier quasi unauffindbar. Deshalb musste der Künstler auf ausgestopfte Exemplare ausweichen", heißt es in dem Text.

Biosphäre im Marmeladenglas

Über ausgestorbene Tiere zu lesen, ist eine Variante, sich gemeinsam mit den Kindern mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Zu lernen, wie man sich heute nachhaltig verhalten kann, ist eine andere. Darum geht es in dem Bilderbuch "Auf Großer Fahrt - Luna und Polly Pop in der wundersamen Welt des Wassers" von Britta Böger (Text) und Stefanie Saghri (Illustration). Basierend auf einer Unterhaltung zwischen Luna und der vier Jahre älteren Polly Pop erklärt das Buch anschaulich, wie viel Salzwasser und wie wenig Süßwasser es auf unserem Planeten gibt: Von "200 Flaschen Trinkwasser in der Badewanne ist nur EINE Flasche Wasser so, dass man daraus Trinkwasser machen kann". Gezeigt wird, wie man Wasser filtert, wie man es schützt und sogar, wie man richtig im See oder im Meer badet ("Kühle dich ab, bevor du ins Wasser gehst", "Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Verlasse das Wasser sofort").

Zusätzlich finden sich lauter einfache Experimente zum Nachmachen: eine Biosphäre im Marmeladenglas, ein Drei-Kammer-Filtersystem, eine Regenwolke im Glas. Außerdem liefern die Autorinnen Rezepte für Wasserdrinks, mit Ingwer oder Minze, oder eine Aufbau-Anleitung für Wassermusik. Im fröhlichen Krickel-Stil gezeichnet, freundlich und modern in, klar, Blautönen gelayoutet von Karen Marx ist das Bilderbuch eine wunderbare Verbindung von Pädagogik und Unterhaltung. Die ganz große Überraschung aber ist: Es wird kostenlos vom Umweltbundesamt verschickt. Einfach eine Mail an die Behörde schicken und dort anrufen, und schon gibt es keine Ausrede mehr, mit Wasser nicht nachhaltig umzugehen. Schade nur, dass dieses rundum gelungene Buch auf der Website des Umweltbundesamtes so schwer zu finden ist.


Britta Böger, Stefanie Saghri (Illustrationen): Auf großer Fahrt - Luna und Polly Pop in der wundersamen Welt des Wassers.
Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau; 46 Seiten; kostenlos zu bestellen über Umweltbundesamt c/o GVP, Postfach 30 03 61, 53183 Bonn; Telefon: 0340/66 88, per Mail unter uba@broschuerenversand.de oder auf der UBA-Website

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Hier der Link
infernum 16.04.2012
Zitat von sysopAch, warum bloß gibt es den Tretretretre aus Madagaskar nicht mehr? Und wieso gibt es nur so wenig Süßwasser? Spannend erzählt und modern illustriert beweisen zwei wunderbare Bilderbücher, dass Nachhaltigkeit kein Thema zum Gähnen ist. Bilderbücher: Das Ende vom Riesenalk - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,827436,00.html)
So schwierig ist es nicht zu finden: Auf Großer Fahrt - Luna und Polly Pop in der wundersamen Welt des Wassers (http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4245.html)
2. Das Ende vom Riesenalk (!!!???)
winnie_1957 16.04.2012
Es gab mal Zeiten - und die sind noch garnicht so lange her - da wurde noch in der "des"-Form gesprochen und geschrieben. Das habe ich vor ca. 40 Jahren schon in der Schule gelernt und bis heute nicht vergessen. Warum ist es denn so schwer zu sagen "Das Ende des Riesenalks" ??
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