"Bitterer Honig" Dramatikerin Shelagh Delaney gestorben

Schwanger nach einem One-Night-Stand, befreundet mit einem Schwulen: Die Themen ihres Theaterdebüts "Bitterer Honig" waren skandalös - die Aufregung machte die damals 19-jährige Autorin Ende der Fünfziger schlagartig bekannt. Nun ist die englische Bühnenautorin Shelagh Delaney gestorben.

Bühnenautorin Delaney: Mit 19 dachte sie, "das kann ich besser!"
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Bühnenautorin Delaney: Mit 19 dachte sie, "das kann ich besser!"


"Einen besonders prächtigen Rohdiamanten" in einer Kette bemerkenswerter Bühnenautoren nannte der SPIEGEL die Dramatikerin Shelagh Delaney 1959. Damals war gerade ihr erstes Theaterstück aufgeführt worden, "A Taste Of Honey", und spaltete das britische Kritiker-Establishment. Die Autorin war schließlich gerade mal 19 Jahre alt, sie hatte das Stück in zwei Wochen zu Papier gebracht, nachdem die damalige Platzanweiserin im Theater zwei Stücke von Terence Rattigan gesehen hatte und gedacht hatte: "Das kann ich besser."

"A Taste Of Honey" erzählt die Geschichte von Jo, einer jungen Frau, die sich auf einen One-Night-Stand mit einem afrikanischen Seefahrer einlässt - und schwanger wird. Unterstützt wird Jo von Geoffrey, einem homosexuellen Künstler. Skandalöse Themen in den späten Fünfzigern; aber Zeichen der Rebellion gegen ein Theater, das nach Delaneys Ansicht nur das "abgesicherte, kultivierte Leben in netten Umgebungen" zeigte und nicht "das Leben, wie es die Mehrheit der gewöhnlichen Leute kennt."

Tony Richardson verfilmte "A Taste Of Honey" (deutscher Verleihtitel: "Bitterer Honig") mit großem Erfolg, die Hauptdarsteller Rita Tushingham und Murray Melvin wurden 1961 bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet.

Ihr Wissen darum, wie die "Mehrheit der gewöhnlichen Leute" ticke, nahm sie aus ihrem Aufwachsen in Salford, einem industriellen Vorort von Manchester. In Salford habe sie sich gefühlt wie ein angebundenes Pferd, das sich dringend befreien will, sagte sie in einem Film von Ken Russell aus dem Jahre 1960. "Unten am Fluss ist es sogar romantisch", sagte sie weiter: "Wenn man den Gestank aushält."

Mit diesem Verständnis von Romantik war sie ein naheliegendes Vorbild für den Gitarren-Pop-Romantiker Morrissey, der 1986 in einem Interview mit dem "New Musical Express" sagte: "Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass mindestens 50 Prozent von dem, was ich schreibe, Shelagh Delaney geschuldet ist." Die Dramatikerin war auf mehreren Platten-Covern von Morrisseys Band The Smiths abgebildet.

An den Erfolg von "A Taste Of Honey" konnte Shelagh Delaney nie mehr wirklich anknüpfen, doch sie schrieb noch weitere Theaterstücke wie "The Lion In Love" und Drehbücher wie "Charlie Bubbles" und "Dance With A Stranger". Ihre Memoiren, "Sweetly Sings The Donkey", erschienen 1963.

Am Sonntagabend ist Shelagh Delaney im Haus ihrer Tochter Charlotte in Ostengland an Krebs gestorben. Sie wurde 71 Jahre alt.

feb/AP

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