Buchmarkt "Andere Bibliothek" wird fortgesetzt

Bis zum überraschenden Weggang ihres Begründers Hans Magnus Enzensberger stand die "Andere Bibliothek" für Literatur abseits des Mainstreams. Jetzt will der Eichborn Verlag die renommierte Reihe fortsetzen - mit Michael Naumann und Klaus Harpprecht als Herausgeber.


Frankfurt/Main - Die Weiterführung der "Anderen Bibliothek" durch zwei neue Herausgeber wurde im Einvernehmen mit dem früheren Herausgeber und Begründer Hans Magnus Enzensberger beschlossen, teilte der Eichborn Verlag mit. Naumann war früher Verleger des Rowohlt-Verlags und ist Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Der Publizist Harpprecht ist Autor von zahlreichen Büchern. Die "Zeit" wird mit der Reihe kooperieren.

Herausgeber Naumann: Neues Programm für die "Andere Bibliothek"
DDP

Herausgeber Naumann: Neues Programm für die "Andere Bibliothek"

Im Dezember 2004 hatte Enzensberger nach 15 Jahren zusammen mit dem Buchkünstlerr Franz Greno die Herausgeberschaft der Reihe überraschend aufgekündigt. Stattdessen plante er zusammen mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die "Frankfurter Allgemeine Bücherei". Die Reihe wurde im August 2005 jedoch auf Antrag von Eichborn untersagt. Das Oberlandesgericht Frankfurt entschied damals, dass Enzensbergers Vertrag mit Eichborn bis 2007 Bestand habe und er deshalb nicht eine ähnliche Reihe bei der "FAZ" herausgeben dürfe.

Das neue Programm soll auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr 2007 vorgestellt werden. Nach Angaben Eichborns soll die "Andere Bibliothek" wie bisher mit einem Band pro Monat in hochwertiger Ausstattung fortgeführt werden. Die "Zeit" werde die Reihe durch eine Kooperation unterstützen. Unterbrochen wurde die Edition seit Enzensbergers Ausstieg aber nicht. Sie war kontinuierlich mit früher vereinbarten Büchern bestückt worden.

Die rechtlich nicht notwendige Zustimmung Enzensbergers sei für die Fortsetzung des Projekts wichtig gewesen, betonte der börsennotierte Eichborn Verlag. "Ich bin sehr glücklich, dass wir uns in der Frage der neuen Herausgeberschaft mit ihm einig sind", sagte Eichborn-Vorstand Matthias Kierzek. Zugleich hätten die Ideen der beiden neuen Herausgeber den Verlag überzeugt, dass die Edition auch ohne Enzensberger erfolgreich sein könne.

hoc/dpa



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