Buchmesse-Blog: Buchpreis? Bulette, bitte!

Welche sind die großen Bücher des Jahres? Und welche die kleinen? Was ist das Tagesgespräch auf den Empfängen der großen Verlage? Und was ist hier überhaupt los? Die SPIEGEL-ONLINE-Redakteure Sebastian Hammelehle und Stefan Kuzmany ergründen die Geheimnisse der Frankfurter Buchmesse.

Bücherstapel auf der Frankfurter Buchmesse: Augenrollen beim Thema Ruge Zur Großansicht
dapd

Bücherstapel auf der Frankfurter Buchmesse: Augenrollen beim Thema Ruge

Das Tagesgespräch: Natürlich der Buchpreis - auch wenn schon zwei Tage nach der Verleihung der Trend eindeutig dahin geht, dass, wer den Preisträger Eugen Ruge auch nur erwähnt, ins soziale Abseits gerät. Auf dem Suhrkamp-Empfang beschwerte sich am Mittwochabend ein Feuilletonchef mit leicht genervtem Augenrollen über das Grüppchen neben ihm: "Das sind jetzt schon die dritten, die fragen: Und was sagen Sie zum Buchpreis für Erwin Ruge?" Biss in seine Bulette und ging ab. Aber es bleibt ja noch der Literaturnobelpreis. Der schönste Kommentar zu Tomas Tranströmer stammt dabei von Steve Stem-Sandberg, Autor des Romans "Die Elenden von Lodz" und ein Landsmann des Preisträgers: Für an Literatur interessierte Schweden seiner Generation sei es nicht ungewöhnlich, ein paar Gedichte von Tranströmer auswendig zu kennen. Er selbst habe, wenn er in einem dunklen Treppenhaus nach dem Geländer gesucht habe, schon oft an "Schubertiana" gedacht, ein geradezu magisches Gedicht, in dem es unter anderem um Franz Schubert geht - schließlich sei es Schubert, der uns alle leitet.

Die Entdeckung: "Charakter ist nur Eigensinn" erschienen in der Reihe "Die Tollen Hefte". Anhand von zwanzig Lieblingsszitaten erzählt Armin Abmeier in zwanzig knappen Bildunterschriften ganz beiläufig nicht weniger als sein ganzes Leben - zu jedem Zitat gibt es eine sehr schöne Illustration, unter anderem von Rotraut Susanne Berner, Wolf Erlbruch und Axel Scheffler.

Die harte Nachricht: Beim Suhrkamp-Empfang berichtete der chinesische Autor Bei Ling von Liu Xiaobo, dem von der Welt abgeschotteten Friedensnobelpreisträger des Jahres 2010. Sieben Tage nach dem Tod von Liu Xiaobos Vater hätten ihm die Behörden 24 Stunden Freigang gewährt, um von dem Toten Abschied zu nehmen. Seine Frau durfte Liu dabei nicht sehen.

Das irrste Gerücht: Nicht nur, dass Klett-Cotta im nächsten Frühjahr Mark Z. Danielewskis neues Buch "Only Revolutions" veröffentlicht, das sogar dessen vorigen Roman "Das Haus" an Kompliziertheit in den Schatten stellen soll - der Amerikaner hat schon sein nächstes Projekt angekündigt: Einen zehnbändigen Roman über eine verschwundene Katze. "Es soll ein echter Pageturner werden", so Danielewski.

Schön: Im futuristischen Open-Space-Pavillon hat der Künstler Christopher P. Parker 132 Thermodrucker an einem Balken aufgehängt, aus denen unablässig ausgedruckte aktuelle Tweets auf die Messebesucher herab regnen. Die Nachrichten werden automatisch aus dem Netz gezogen, wenn sie die Worte "Literatur", "Dialog" und "Idee" enthalten.

Nicht so schön: Parker lässt auch Tweets ausdrucken, in denen Smileys vorkommen.

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