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Reiselektüre: Diese Bücher werden wir im Sommer lesen

Von Thomas Andre, , , Maren Keller, Elke Schmitter und Claudia Voigt

Literaturtipps für den Sommer: Endlich Zeit zum endlos Schmökern Zur Großansicht
Corbis

Literaturtipps für den Sommer: Endlich Zeit zum endlos Schmökern

Geschichte, Garten, Philosophie. Oder einfach Träume. Unsere Literaturexperten empfehlen Bücher, die sie noch gar nicht gelesen haben - auf die sie sich im Sommer aber am meisten freuen.

Wenn jemand mir ein Buch vermiesen will, dann muss er mir nur erzählen, "wovon es handelt" oder "was darin vorkommt", das ist fast noch schlimmer als ein Klappentext. Deshalb weiß ich nicht und will nicht wissen, worum es in dem neuen Buch von Judith Kuckart geht und werde es auch Ihnen nicht erzählen. Ich weiß nur, dass ich es lesen werde, weil sie so poetisch und besonders schreibt, dass es gleichgültig ist, wovon es handelt. Am Ende behält man ihre Geschichten doch, aber am Anfang ist es egal, so soll es sein. Das Buch heißt "Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück" und erscheint am 26.8. bei DuMont. Dann glüht der Sommer noch und wird noch einmal groß. Elke Schmitter

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  • Judith Kuckart:
    Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück

    DuMont Buchverlag; 250 Seiten; 19,99 Euro.

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Ich werde im Sommer den fünften Teil der Knausgård-Bekenntnisse lesen, der im Herbst erscheint. Er trägt den Titel "Träumen". Das passt einerseits zu flirrenden Hitzetagen, in denen man nie etwas anders tun sollte, als für Flüssigkeitszufuhr zu sorgen und Bücher zu lesen. Andererseits steht die gleißende Helligkeit den bisweilen trüben Vergangenheitsbegehungen des Norwegen-Prousts durchaus entgegen. Die Knausgård-Lektüre ist oft als Sucht beschrieben worden, zurecht; man muss dieses Leben, das jeder genauso führt und doch ganz anders, bis an sein (vorläufiges) literarisches Ende begleiten. Nach dem fünften wird noch ein weiterer, ein sechster Band folgen. Dieses Knausgård-Sixpack ist ein tiefes Meer, aus dem man doch irgendwann auftaucht - jetzt aber noch nicht.

Außerdem lese ich im Urlaub immer Roberto Bolaño, der Erzählungsband "Mörderische Huren" ist vom vergangenen Herbst übrig geblieben, und ich weiß schon, was er für mich sein wird, wenn ich gelesen habe: ein weiteres überwältigendes Zeugnis von Bolaños Extrempoesie, eine gewaltige Parallelwelt. Wie der Sommer. Thomas Andre

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  • Karl Ove Knausgard:
    Träumen

    Das autobiographische Projekt 5.

    Übersetzt von Paul Berf.

    Luchterhand Literaturverlag; 700 Seiten; 22,99 Euro.

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Das Schöne an einem Sommerurlaub in Österreich sind nicht allein die Nachmittage am Badesee oder das gute Essen in den Landgasthöfen, Ferien in Österreich bringen viel Zeit zum Lesen mit sich. Ganz oben auf dem Stapel meiner Urlaubslektüre liegt in diesem Jahr "Kanns nicht und wills nicht" von Lydia Davis. Mir gefällt allein schon der trotzige Ton, der in dem Titel mitschwingt. Das Buch versammelt literarische Miniaturen, manchmal sind es Gedanken von der Länge eines Absatzes, manchmal sind es notierte Träume. Unter der Überschrift "Ich fühle mich ziemlich wohl, könnte mich aber ein wenig wohler fühlen" findet sich eine Liste von Alltagsbeobachtungen mit kleinem Makel.

Ein Buch von Lydia Davis kann man nicht im herkömmlichen Sinn lesen, es ist eher geeignet um hineinzutauchen, um Anregungen herauszupicken und damit in Gedanken zu spielen. Für einen Kopf, der Ferien macht, eine traumhafte Beschäftigung. Wer sich Davis' Texten überlässt, fängt irgendwann an, in den eigenen Erfahrungen das Unverwechselbare zu entdecken.

Der Sommer ist auch die Zeit der dicken Bücher und des stundenlangen Lesens, ideal für die Romane von Karl Ove Knausgård. Nach der Lektüre von "Lieben" bin ich (wie so viele) im Bann des ruhigen, suggestiven Erzählens dieses Schriftstellers.

Und dann will und muss ich mehr lesen von Elena Ferrante. Weshalb die Romane der italienischen Schriftstellerin in Deutschland nur antiquarisch zu bekommen sind, ist mir ein Rätsel. "Die Frau im Dunkeln" habe ich als gebrauchtes Taschenbuch gekauft. Der Roman erzählt die Geschichte einer Professorin in mittleren Jahren, die einen Urlaub allein an der süditalienischen Küste verbringt. Am Strand beobachtet sie eine junge Familie. Die Szenerie weckt ihre Erinnerungen an ihre Jahre als Mutter, an die Bedrückung, die sie damals empfand. Ferrante erzählt in einer schockierend klaren Sprache von den Unterströmungen des Gewissens. Für diesen Sommer habe ich ein gebrauchtes Exemplar ihres Romans "Tage des Verlassenwerdens" auftreiben können. Mein Wunsch: Ein deutscher Verlag möge das Werk dieser Schriftstellerin neu verlegen. Claudia Voigt

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  • Lydia Davis:
    Kanns nicht und wills nicht

    Stories.

    Aus dem Amerikanischen von Klaus Hoffer.

    Literaturverlag Droschl; 304 Seiten; 23 Euro.

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Wie oft blieben die Bücher, die ich für den Urlaub eingepackt hatte, ganz unten in meiner Reisetasche. Die Magie des Hochsommers ist schwer planbar. Man liest dann doch etwas ganz anderes, eines der abgegriffenen Taschenbücher vielleicht, das man in einem Ferienhausbücherregal gefunden hat. So gut, wie vor fremden Bücherregalen kann ich mich nirgendwo entspannen. Irgendwann habe ich mir deshalb auch zu Hause ein Regalbrett eingerichtet, in dem die Bücher stehen, die in ein Ferienhaus gehören: Patricia Highsmiths "Das Zittern des Fälschers", Bruce Chatwins "Traumpfade", die Bibel, Eric Amblers "Eine Art von Zorn" - und die großen, die historischen Bücher natürlich, weil es im Urlaub nicht Schöneres gibt, als Hunderte Seiten lang in eine ganz andere Epoche zu verschwinden: Robin Lane Fox, erzählt in "Die klassische Welt - eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian" auf 730 Seiten von dem Jahrtausend, das wir Antike nennen. "Ein glänzendes Buch", behauptet der Rezensent, der auf der Umschlagrückseite zitiert wird. Ich glaube ihm und werde das Buch in meine Reisetasche packen - auf die Gefahr hin, dass ich dann doch etwas ganz anderes lese. Sebastian Hammelehle

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  • Robin Lane Fox:
    Die klassische Welt

    Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian.

    Übersetzt von Ute Spengler.

    Klett-Cotta; 730 Seiten; 19,95 Euro.

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Mit der perfekten Sommerurlaubs-Romanheldin verhält es sich genau umgekehrt wie mit der perfekten Urlaubsbegleitung: je fürchterlicher, desto besser. Deshalb werde ich diesen Sommer Miranda Julys ersten Roman "Der erste fiese Typ" lesen, der am 17. August erscheint und von einer mittelalten Frau handelt, die Cheryl Glickman heißt (vielversprechend fürchterlicher Name, nicht wahr?). Cheryl ist seit Jahren hoffnungslos in ihren Chef verliebt, den sie aus früheren Leben zu kennen glaubt (brrr!), betrachtet ausgewählte Babys als ihre Seelenverwandte und nennt sie dann Kubelko Bondy nach einem Baby von Freunden ihrer Eltern, das sie als Kind mal halten durfte (wie schön fürchterlich ist das bitteschön!), geht zur Farbtherapie (fürchterlich!), leidet am Globussyndrom (na gut, das ist eher bemitleidenswert als fürchterlich), lebt in ihrer Wohnung nach einem strengen, selbst erfundenen Ordnungssystem (ist im Detail fürchterlicher, als es klingt!) und (jetzt kommt's:) arbeitet in einem Selbstverteidigungszentrum, obwohl sie sich noch nicht einmal dagegen wehren kann, dass die dicke Tochter ihrer Chefs bei ihr einzieht, ihr Sofa besetzt und ihr gesamtes Ordnungssystem zerstört. Das Fürchterlichste ist aber leider, dass ich aus Versehen schon bis Seite 82 gelesen habe, obwohl ich mir so fest vorgenommen hatte, diesen Roman bis zu meinem Urlaub aufzusparen, den ich übrigens mit der perfekten Urlaubsbegleitung verbringen werde. Maren Keller

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  • Miranda July:
    Der erste fiese Typ

    Übersetzung: Stefanie Jacobs.

    Kiepenheuer & Witsch; 336 Seiten; 19,99 Euro

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Neuerscheinungen lese ich das ganze Jahr über, in den Sommerferien lese ich Klassiker. In diesen Ferien wollte ich eigentlich auch das lassen und stattdessen Fährten lesen, die Zeichen der Natur, weil ich mir im April einen Schrebergarten zugelegt habe. Aber dann bin ich auf dieses Buch gestoßen, ich weiß nicht mehr, wo: vielleicht im "Gartenfreund", der braven Verbandszeitschrift des Bundesverbands deutscher Gartenfreunde, vielleicht auch in einer lifestyligen Hochglanzpostille wie der "GQ", die sich dem "Spatenprogramm" Schrebergärtnern unlängst auf mehreren Seiten widmete. Das Buch heißt: "Was blüht denn da?". Es ist der Klassiker der Pflanzenbestimmung. Erstmals erschienen 1935, hat es sich bis heute mehrere Millionen Mal verkauft. Zum 80. Geburtstag in diesem Jahr hat der Kosmos-Verlag seinen Longseller aktualisiert - und ihm ein neues Titelbild geschenkt. Es zeigt die Deutsche Schwertlilie und den Bergklee, gezeichnet in vornehm blassen Farben. Die über 2000 Illustrationen im Innenteil sind nicht weniger stilvoll, viel stilvoller als es Fotos je sein könnten. Das größte Plus des Buches aber ist die Systematik: Die Blumen sind nach fünf Farbcodes sortiert und innerhalb der Farbcodes nach Blütenformen, so dass auch Gartenanfänger schnell fündig werden. Das einzige Minus des bildschönen Buches: Wenn ich nicht aufpasse, werde ich zwar zum Theoretiker des Gartens, bleibe aber ein Praxisanfänger. Weil ich gar nicht mehr raus gehe in die reale Natur, sondern lesend in der Laube festsitze. Tobias Becker

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  • Marianne Golte-Bechtle, Roland Spohn, Margot Spohn:

    Was blüht denn da?
    Naturführer

    Franckh Kosmos Verlag; 496 Seiten; 19,99 Euro.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. hmm...
fatherted98 02.07.2015
...Bücher die ich noch gar nicht gelesen habe...also ich weiß ja nicht wie es der Mehrheit hier geht...aber ich lese eigentlich nur Bücher die ich noch gar nicht gelesen habe...
2. Mein Tip
karton 02.07.2015
Ich bin durch diverse Buch-Blogs auf Anette Kannenbergs "Mondmalheur" aufmerksam geworden. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der eine humorvolle, spannende, nie langweilig werdende Story lesen möchte.
3. Ernest Cline
CharlieBrown8 02.07.2015
Ich kann's kaum erwarten bis am 14. Juli "Armada", das zweite Buch von Ernest Cline erscheint. Nach dem grandiosen Debut-Roman "Ready Player One" von 2011 hoffe ich auf einen weiteren grossen Science-Fiction Wurf.
4. Auch gut
sosume 02.07.2015
Ich empfehle mal Ihren Kollegen Alexander Osang mit "Comeback". Kleines Juwel von sehr gutem Erzähler.
5. Unabhängig?
HolgerSchmoll 02.07.2015
Einen redaktionellen Artikel zu lesen, in den rein zufällig die gerade angepriesenen Bücher an der richtigen Stelle von einer Anzeige für genau dieses Buch eingeblendet werden ("Kaufen bei Amazon?") finde ich grenzwertig ...
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