Investoren-Suche: Burda dementiert Interesse an Suhrkamp

Verleger Hubert Burda (mit Ehefrau Maria Furtwängler): Als Suhrkamp-Retter im Gespräch Zur Großansicht
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Verleger Hubert Burda (mit Ehefrau Maria Furtwängler): Als Suhrkamp-Retter im Gespräch

Der "Bunte"-Verleger als weißer Ritter? Im Machtkampf um Suhrkamp wird auf der Suche nach einem Investor, der den Verlag aus der Krise führen könnte, der Name Hubert Burda genannt. Nun dementiert ein Unternehmenssprecher - lässt Burda aber eine Hintertür.

Hamburg - Im Machtkampf um den Suhrkamp Verlag, der zwischen den beiden Gesellschaftern, dem Hamburger Kaufmann Hans Barlach und der Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz mit erbitterter Schärfe geführt wird, wurde zuletzt ein von außen kommender Investor ins Spiel gebracht. Der könnte, wie der SPIEGEL meldete, unter Umständen sogar mehr als 50 Prozent an Suhrkamp übernehmen.

"Die Welt" nannte am Montag einen Namen: Es könnte sich bei dem Investor um den Münchner Verleger Hubert Burda handeln.

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE hat ein Unternehmenssprecher diese Spekulation nun dementiert. Der Medienkonzern plane definitiv keinen Einstieg bei Suhrkamp.

Nicht betroffen von diesem Dementi sind die Aktivitäten des Privatmannes Hubert Burda, der sich unter anderem mit dem Petrarca-Preis einen Namen als Literaturliebhaber gemacht hat.

Der Suhrkamp Verlag hatte am Montag bekannt gegeben, mit einem Schutzschirmverfahren seine Existenz sichern zu wollen. Auf den Sanierungsplan, der von der Suhrkamp-Geschäftsführung um Ulla Unseld-Berkéwicz gemeinsam mit Insolvenzrechtlern entwickelt wird, hat Hans Barlach zunächst keinen direkten Einfluss.

sha

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insgesamt 17 Beiträge
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1. oh Gott
aalf 29.05.2013
Gala etc dann künftig aus dem Suhrkamp Verlag -mir wird schlecht.
2.
ghostwriter0815 29.05.2013
Zitat von aalfGala etc dann künftig aus dem Suhrkamp Verlag -mir wird schlecht.
Ähm? Gala gehört zu Gruner + Jahr, keine Panik. :E
3. Verstaubt
W. Robert 29.05.2013
Offensichtlich läuft das Shurkamp-Programm nicht mehr so richtig, sonst wären die Gewinne im grünen Bereich. Hesse, Brecht und Adorno, nun ja. Die Neuzeit wurde aber verschlafen und als Alibi auf Sparflamme gekocht. Jetzt bleibt eben der Markenname als Imageträger, und die Geier streiten sich schon um die Beute. Irgendwie werdenes die smarten Investoren schon schaffen, den altlinken Mief zu entsorgen, und den Verlag als Bestsellervehikel neu zu platzieren. Brecht und Hesse werden bald "public domain" und zudem verstauben Bücher heute schnell im Regal, während sich die Literatur ins Internet verlagert. Langfristig gesehen ist die Verlagskultur wohl ein Auslaufmodell, die Verlage werden sich mit Geburtstagsschinken begnügen müssen. Der Markt wird also schrumpfen, was zu weiteren Konzentrationsprozessen führt. Es ist wie mit all den DVDs, die die Regale bedenklich überfüllen, die werden einfach auf der Festplatte platzsparend archiviert. Das ist aber kein Grund zu übertriebenem Kulturpessimismus, im Gegenteil. Die Buchläden sind längst antiquierte Gemischtwarenläden mit Kochbüchern und Skandalschinken, und vielleicht noch einem Ständer für Hochkultur im zweiten Stock. Dort sieht man mich jedenfalls immer seltener als Kunde.
4. Mir wird schlecht
mirage122 29.05.2013
Zitat von sysopDer "Bunte"-Verleger als weißer Ritter? Im Machtkampf um Suhrkamp wird auf der Suche nach einem Investor, der den Verlag aus der Krise führen könnte, der Name Hubert Burda genannt. Nun dementiert ein Unternehmenssprecher - lässt Burda aber eine Hintertür. Burda dementiert Interesse an Suhrkamp - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/burda-dementiert-interesse-an-suhrkamp-a-902526.html)
Allein von dem Bild mit den beiden glücklichen Eheleuten bekomme ich schon Gänsehaut. Die so "beliebte und begabte" Frau Furtwängler mit ihrem mehr als betuchten Gatten als "Arbeitgeber" sollten für renommierte Autoren Grund genug sein, die Zusammenarbeit mit Suhrkamp zu beenden. Ich jedenfalls werde dann keine Bücher mehr kaufen, die dort erscheinen.
5. Gutes Finanzierungsmodell
pege1 29.05.2013
Man muß das andersherum sehen: so sonderbare Publikationsorgane wie Super-Illu, Freizeit-Revue oder Lust auf Genuß wären dann die Garantie für das Wohlergehen von Suhrkamp. Ist doch eigentlich eine schöne Vorstellung: mit jedem Exemplar von Super-Illu geht ein Notgroschen an Suhrkamp.
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Suhrkamp
Chronologie des Machtkampfs
Im Suhrkamp Verlag schwelt seit Jahren ein Kampf zwischen den Gesellschaftern. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält heute 61 Prozent der Anteile, der Unternehmer Hans Barlach den Rest. Inzwischen geht es um die Existenz des traditionsreichen Verlags, der 2010 von seinem langjährigen Stammsitz in Frankfurt am Main nach Berlin zog.
2013
22. Oktober 2013: Eine zweite Gläubigerversammlung entscheidet über den Insolvenzplan, der diese Umwandlung vorsieht.

12. Oktober 2013: Barlach kündigt an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

3. Oktober 2013: Das Oberlandesgericht Frankfurt hebt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf.

1. Oktober 2013: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

26. September 2013: Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren drohen Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er «maßgeblichen Einfluss» auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

10. September 2013: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen.

6. August 2013: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

27. Mai 2013: Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

24. April: Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz kassiert eine weitere Niederlage: Das Landgericht Frankfurt am Main gibt einer Klage der Medienholding AG des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach statt, strittig waren Informationsrechte und Gesellschafterbeschlüsse.

20. März: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilt die von der Suhrkamp-Chefin geführte Familienstiftung zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Bilanzgewinn von 2010 und die Erlöse aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

13. Februar: Das Landgericht Frankfurt am Main vertagt das Verfahren. Es verweist auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen und bestimmt den 25. September als weiteren möglichen Verhandlungstermin.

8. Februar: Barlach beharrt als Voraussetzung für einen Kompromiss auf dem Rückzug der Geschäftsführung.

24. Januar: Die Suhrkamp-Chefin lehnt einen Rücktritt ab.

10. Januar: In einem Appell ergreifen mehr als 70 renommierte Autoren Partei für Verlegerin Unseld-Berkéwicz.

4. Januar: Mehr als 160 Wissenschaftsautoren des Suhrkamp Verlags fordern eine gütliche Lösung im Gesellschafterstreit.
2012
30. Dezember: Barlach verlangt für eine Mediation den Rückzug der Familienstiftung aus der Geschäftsführung.

17. Dezember: Es wird bekannt, dass der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann nach dem Wunsch der Familienstiftung im Streit vermitteln soll. Barlach lehnt ihn als Mediator aber ab. Suhrkamp zeigt sich trotzdem weiter gesprächsbereit.

15. Dezember: Renommierte Suhrkamp-Autoren wie Uwe Tellkamp stellen sich hinter Unseld-Berkéwicz und drohen mit einem Wechsel des Verlags, falls Barlach dort die Macht bekommt.

13. Dezember: Barlach verlangt eine neue Geschäftsführung.

10. Dezember: Ulla Unseld-Berkéwicz wird per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit einen entsprechenden Beschluss der Gesellschafterversammlung vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Die Verlegerin soll wegen der Anmietung von Räumen im Privathaus auch 282.500 Euro Schadensersatz an den Verlag zahlen. Sie legt Berufung ein.

5. Dezember: Die zerstrittenen Gesellschafter verlangen vor einer Handelskammer des Landgerichts Frankfurt am Main, sich gegenseitig auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, verlangt Barlach.
2011
Barlach verklagt die Geschäftsführung unter anderem, weil sie Firmengelder veruntreut haben soll. Er wirft Unseld-Berkéwicz vor, mit Geld des Verlags in ihrem Privathaus im Berliner Stadtteil Nikolassee Räume für Lesungen und Autoren zu mieten, ohne ihn als Mitgesellschafter vorher zu fragen.
2009
Joachim Unseld verkauft seine Beteiligung am Verlag. Sein 20-Prozent-Anteil geht zu gleichen Teilen an die Familienstiftung und Barlachs Medienholding. 2010: Der Verlag verlegt seinen Sitz von Frankfurt am Main nach Berlin.
2006
Der Medienunternehmer Hans Barlach kauft den 29-Prozent-Anteil des Schweizers Andreas Reinhart gemeinsam mit dem Hamburger Investmentbanker Claus Grossner. Das Geschäft wird gegen den Willen der Verlagschefin ausgehandelt.
2002
Nach dem Tod von Suhrkamp-Leiter Siegfried Unseld gehen seine Anteile (51 Prozent) an eine Familienstiftung. Diese leitet seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz. 20 Prozent des Verlags gehören Unselds Sohn Joachim, der Rest (29 Prozent) dem Schweizer Investor Andreas Reinhart. 2003: Unseld-Berkéwicz übernimmt die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.